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Wasserretter sind auf dem Board schnell vor Ort

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Von wegen „Still ruht der See“. Der Hattsteinweiher ist in diesen Tagen wieder Ziel Hunderter Badegäste, die die ersten Sommertage am und im Wasser bei 30 Grad genießen wollen. Die DLRG-Kreisgruppe Usinger Land ist vorbereitet.

Pro Jahr sterben allein in Hessen 25 Menschen bei Badeunfällen. Erst vor wenigen Wochen kam in einem Badesee bei Raunheim ein 23-jähriger Mann zu Tode. Auch für einen vierjährigen Jungen, der Mitte Mai leblos im Becken der Rhein-Main-Therme in Hofheim gefunden worden war, kam jede Hilfe zu spät. Oft ist Leichtsinn der Grund für solch fatale Badeunfälle, häufig aber auch Selbstüberschätzung, und: Mehr als die Hälfte der Kinder kann heute nicht oder nicht richtig schwimmen. Die Folge ist, dass immer mehr Menschen ertrinken. Und es könnte noch schlimmer kommen, fürchtet die DLRG. Auch Ferdinand Steinsberger, Technischer Leiter der Kreisgruppe Usinger Land, sieht das mit Sorge.

Die in den 60er Jahren gegründete Gruppe soll die Sicherheit am Hattsteinweiher verbessern und tut dies ebenso lang. Von den 307 Mitgliedern sind 35 als Wasserretter ausgebildet. Dafür muss man Inhaber des Rettungsschwimmerabzeichens in Silber sein und über eine Zusatzqualifikation verfügen, erläutert „TL“ (Abkürzung für Technischer Leiter) Steinsberger, der seine Leute permanent durch Trainingseinheiten im Usinger Hallenbad auf diesem Ausbildungsstand fit hält. Zusatzscheine gibt es auch für Taucher, Strömungsretter und Katastrophenschützer. 30 Ausbilder stehen dafür in Usingen zur Verfügung.

„Wir arbeiten alle ehrenamtlich, deshalb können wir auch nicht permanent am Weiher sein“, sagt Steinsberger. Mit der Stadt Usingen gibt es einen Kooperationsvertrag, der die Wasserwache an den Sommerferienwochenenden regelt, „mehr können wir nicht sicher garantieren. Wenn es Mitglieder gibt, die mehr Zeit investieren wollen, so tun sie das natürlich“, sagt Steinsberger. Erster offizieller Wachtermin ist daher der erste Feriensamstag, 23. Juni. Dann findet auch das Sommerfest der DLRG statt, bei dem der Verein mit einer Rettungsshow seine Arbeit demonstrieren und um Neumitglieder werben will.

Für den Wachdienst wurde mit der Stadt Usingen eine Kernzeit von 14 bis 18 Uhr samstags und von 11 bis 17 Uhr sonntags vereinbart, „wenn länger Betrieb ist, bleiben die Kollegen nach Möglichkeit auch länger“, so der TL. Die Wachhütte ist dann mit mindestens zwei, nach Möglichkeit aber fünf Helfern besetzt. Fünf ist besser als zwei, denn im Notfall wird jede Hand gebraucht.

Um in Wassernot geratene Badegäste zu erreichen, ist die DLRG mit ihren Rettungsbrettern unterwegs. Sie liegen bäuchlings auf den Boards und paddeln mit beiden Armen parallel. „Das geht richtig fix und ist meist schneller als hingelaufen, schließlich sind wir gleich bei dem Verunglückten und müssen nicht erst vom Ufer aus hinschwimmen“, erklärt Steinsberger das bevorzugte Rettungsverfahren, das natürlich über die Wintermonate im Schwimmbad trainiert wird.

Badeunfälle durch Erschöpfung oder Krämpfe gebe es auch am Hattsteinweiher, sie seien sogar gar nicht so selten. Auch leistet die DLRG am Ufer Erste Hilfe bei Wespenstichen, Hitzschlägen oder ähnlichem, auch Herzinfarkten. „Todesfälle hat es leider auch schon gegeben, zum Glück aber nur sehr selten“, sagt Steinsberger, der immer froh ist, „wenn wir die Hilfesuchenden noch an der Wasseroberfläche erwischen. Sind sie untergegangen, ist es wie in jedem Naturbadesee sehr schwierig, sie rechtzeitig zu finden.“ Notfalls und wenn die eigenen Rettungstaucher nicht gerade zufällig Wachdienst haben, müssten Kollegen aus Frankfurt angefordert werden, „was das für das Opfer bedeutet, muss man nicht erklären.“

Badegästen gegenüber weisungsbefugt sind die Usinger Lebensretter nicht, sie können, so ihr Chef, nur „beraten“ und sie auf gefährliches oder rücksichtsloses Fehlverhalten hinweisen. „Die meisten sind ja auch einsichtig“, sagt Steinsberger. Es gebe aber auch beratungsresistente Erwachsene und Eltern, die sich jede Einmischung verbitten. Notfalls muss die DLRG das Ordnungsamt, nötigenfalls sogar die Polizei einschalten, was aber, so sagt der Technische Leiter der Kreisgruppe, zum Glück nur selten vorkommt.

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