Tiere verfangen sich

Weidezaun wird für Hirsche und Rehe zur Todesfalle

Zwei Monate schleppte ein Hirsch Teile eines Weidezauns, die sich in seinem Geweih verfangen hatten, mit sich herum. Für das Tier bedeutete das eine zweimonatige Leidenszeit, bis es durch Notabschuss erlegt wurde. Das ist leider kein Einzelfall, weiß man bei der Unteren Naturschutzbehörde.

Ist es Achtlosigkeit, Bequemlichkeit, Ignoranz, oder doch nur Unwissen? Für verantwortungsvolle Tierhalter ist es nur schwer nachvollziehbar, warum einige Weidenutzer ihre Einzäunungen in nicht e tierschutzgerechtem Zustand belassen. Der Hochtaunuskreis verweist daher darauf, dass eine unsachgemäß installierte Weidezaunlitze oder auch lediglich ein verbleibender, einwachsender Draht eine große Gefahr für das Wild darstellen. Denn für Tiere, die sich in einer solchen Drahtkonstruktion verfangen, ziehen sich oftmals schwere Verletzungen zu, die auch zum Verenden führen können.

Trotz entsprechender Informationskampanien sid auch im Hochtaunuskreis eine ganze Reihe derartiger Fälle bekannt. Dabei liegt die Dunkelziffer ist vermutlich weit höher. Für die verfangenen Tiere endet die Situation zumeist tödlich, und deren Leiden in den letzten Stunden lässt sich nur erahnen. Ganz aktuell war es ein Rothirsch im Bereich von Weilrod, den ein solches Schicksal ereilte. Das Tier wurde bereits vor rund zwei Monaten entdeckt und fotografiert. Erst jetzt gelang es, den Hirsch mittels Notabschuss von seinem Leiden zu erlösen.

Gründe für die besondere Betroffenheit von Rehbock und Rothirsch ergeben sich aus deren Biologie und Lebensweise. Sobald das neue Geweih von Rothirsch beziehungsweise das Gehörn des Rehbocks im Frühjahr vollständig ausgebildet ist, „fegen“ die Geweihträger die Basthaut hinunter. Das teils ungestümes Reiben und Wetzen der Geweihe und Häupter an Büschen und Bäumen dient zudem der Reviermarkierung, und wird auch gerne als Imponiergehabe gezeigt. Genau hier stellen durchhängende, teils eingewachsene Litzen und Drähte eine verhängnisvolle Gefahr da – denn auch der Weidepfosten werden von den Tieren zum Fegen genutzt. „Wenn sich die Tiere einmal verfangen haben, sind sie selten in der Lage, sich noch zu befreien – nicht selten führen stunden- bis tagelange Todeskämpfe als Resultat von Stress und Erschöpfung, Strangulation oder Genickbruch zum qualvollen Ende“, weiß Wildbiologe Dr. Dr. Dieter Selzer, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Hochtaunuskreises.

Doch selbst, wenn sich das Tier befreien kann, bleiben meist Teile des verhedderten Materials im Geweih zurück, die das Tier bei Flucht und Nahrungsaufnahme so stark behinderten, dass ein Notabschuss notwendig wird.

Aus diesem Grund fordert Umweltdezernent Uwe Kraft (CDU) eine größere Aufmerksamkeit von den Weidetierhaltern: „Zäunen Sie Ihre Weiden nur unmittelbar während der Tierhaltung auf diesen Flächen ein. Ein ordnungsgemäßer, gespannter Zustand von Litzen und Drähten oder aber die Nutzung von breiten Gummigurten oder Holzeinzäunungen kann das Risiko für unser Wild deutlich senken, dass diese darin zu Schaden kommen“.

Zäune als bauliche Anlagen stellen übrigens gemäß Bundesnaturschutzgesetzes einen Eingriff in Natur und Landschaft dar, und bedürfen einer Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Widerrechtlich errichtete Einfriedungen können sogar mit entsprechenden Bußgeldern geahndet werden.

(red)

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