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Niklas Fiedler zeigt sein Max-Weinberg-Portrait vor dem jüdischen Friedhof.

Trauerfeier

Max Weinberg liebte das Leben und Farben

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Vor einigen Tagen ist der Künstler Max Weinberg im Alter von 90 Jahren verstorben. Gestern wurde der Wahl-Frankfurter auf dem neuen Jüdischen Friedhof bestattet.

Als sich die Tür öffnet, durch die der Sarg Max Weinbergs geschoben wird, beginnt es heftig zu regnen. Kurz zuvor, während der Trauerfeier für den Künstler, hatte noch die Sonne geschienen. Weinberg, 1928 in Kassel geboren, war am 18. April im Hospital zum Heiligen Geist, gestorben. Gestern nahmen mehr als 250 Trauergäste von dem Künstler Abschied, der mit großformatigen, grell-bunten Bildern bekannt wurde, die an Graffiti erinnern.

Weinberg liebte abstrakte Gestalten mit vielen Augen, Beinen und Brüsten; sein großer Wunsch war eine Ausstellung im Museum für Moderne Kunst. „Mosche Weinberg malte von klein auf und verkaufte schon mit 13 Jahren Bilder am Strand von Tel Aviv“, erinnerte der Rabbiner Julien Chaim Soussan. Dorthin war die Familie vor den Nazis geflohen. „So exzentrisch er als Künstler war, so traditionell verbunden war er mit den jüdischen Werten“, sagte der Rabbiner über den Maler, Grafiker und Bildhauer, der auch wegen seiner äußerlichen Erscheinung mit langem Haar und Bart, bemalten T-Shirts und mit Kajal umrandeten Augen auffiel. „Er malte aus Berufung bis zum letzten Moment“, so der Rabbiner, und es sei ihm wichtig gewesen, eine traditionell jüdische Beerdigung zu erhalten. Er habe sich gegenüber dem Rabbiner Avichai Apel als tiefgläubiger Mensch gezeigt. In seiner Trauerrede dankte Jonathan Weinberg seinem Vater Max, „weil er nicht nur die Menschen, sondern auch mich, als ich noch ein kleiner Junge war, begeistert hat“. Schon als Kind habe er die Berufung seines Vaters für die Kunst gespürt. „Durch seine Arbeit und sein Engagement für die Menschen wird er noch lange weiterleben“, war sich Jonathan Weinberg sicher.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatte Max Weinberg kurz vor dessen Tod noch im Krankenhaus besucht. „Er war ein Mensch, der eine herausragende und schillernde Persönlichkeit hatte“, so Feldmann. Mit seiner Wahlheimat Frankfurt sei Weinberg eng verbunden gewesen. Künstler und Intellektuelle bildeten das Fundament der weltoffenen Großstadt, so Feldmann über Weinberg, der noch die Goetheplakette hätte erhalten sollen. „Ich verneige mich in Dankbarkeit und Trauer vor ihm“, sagte der Rathauschef.

Nach der Beerdigung gedachten die Trauergäste in der Oberfinanzdirektion Max Weinbergs. Dort ist seine Ausstellung „Monumente und Meilensteine eines Künstlerlebens“ noch bis morgen zu sehen.

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