Familiensportfest

Wenn die Meerjungfrauen um die Wette schwimmen

Nachdem die sechste Auflage des Familiensportfestes im vergangenen Jahr wegen Starkregens nur wenige Besucher anzog, werden diese diesmal mit bestem Wetter und einigen neuen Sportarten entschädigt. Bei einer wird man zum halben Fisch, bei einer anderen zum Bogenschützen auf der Suche nach seelischer Ruhe.

Manchmal schauten die Leute komisch, sagt Merle. Doch gegen befremdete Blicke schützt die Zehnjährige eine dicke Haut aus Schuppen, auch wenn diese schwer an- und noch schwerer auszuziehen ist. Und wenn es Merle am Beckenrand zu bunt wird, nimmt sie Reißaus. Mit ihren Flossen ist sie schneller als jeder andere Schwimmer im Brentanobad. Viele Badegäste hält es allerdings sowieso nicht lange im Wasser. Im Brentanobad in Rödelheim und im benachbarten Stadion steigt an diesem Samstag die siebte Auflage des Familiensportfestes. Rund 40 Sportarten werden dabei präsentiert. Und Merles Leidenschaft ist dabei wohl die exotischste.

Meerjungfrauenschwimmen nennt sich der Sport, bei der die junge Frankfurterin und andere Mädchen es der Disney-Figur Arielle gleichtun können. Im Brentanobad bietet die Schwimmschule Seedrache aus Bad Nauheim einen Schnupperkurs an. „Meine Eltern haben davon im Fernsehen erfahren und mir zum Geburtstag eine Flosse gekauft“, erzählt Merle, robbt sich wieder ins Wasser und erschreckt ein paar Badegäste.

Den zweit-exotischsten Sportdress dürfte Andreas Naumann von Kyudojo Frankfurt tragen, auch wenn der Kimono ihm kaum sportlichen Vorteile bringt. Pfeil und Bogen in seinen Händen lassen auf eine martialische Sportart schließen. Doch mit Kampfsport hat Kyudo, das japanische Bogenschießen, nichts zu tun. Kyudo fördert stattdessen die Körperspannung, die Konzentration und die geistige Ruhe.

„Den Bewegungsablauf hat man schnell raus. Ihn zu verfeinern, ist jedoch eine Sache von Jahrzehnten“, berichtet Naumann. Er und seine Mitstreiter nehmen zwar zum ersten Mal am Familiensportfest teil, neu ist die Sportart in Deutschland aber nicht: Die Bogenschützen von Kyudojo Frankfurt verschießen ihre Pfeile bereits seit Ende der 1980er Jahre. Derzeit trainieren sie in der Ziehenschule in Eschersheim.

Weniger meditativ und dafür umso anstrengender ist die Sportart, der Eurek Lindner und Sam Maliki nachgehen. Beim sogenannten Footbag, einer Mischung aus Fußball, Tennis und Volleyball, befördern sie ein mit Sand gefülltes Stoffsäckchen über ein anderthalb Meter hohes Netz. Eine Herausforderung ist Footbag vor allem, weil das Säckchen vom Spieler nur vom Knie abwärts berührt werden und nicht auf den Boden fallen darf. Lindner und Maliki sind Mitglieder beim Verein Frankfurt Footbag, der im Elisabethen-Gymnasium im Nordend sowie in der Fachhochschule am Nibelungenplatz trainiert.

Nicht annähernd so verausgabt wie Eurik und Sam sieht Mats (4) aus, auch wenn er bereits zum dritten Mal durch den anspruchsvollen Rugby-Parcours der Rugby-Abteilung der Frankfurter Eintracht sprintet. Aber er kann sich nicht zurückhalten. Im Gegensatz zu vielen anderen, die beim Familiensportfest eine neue Sportart für sich entdecken wollen, sind Mats’ Eltern nicht auf der Suche nach einem neuen Hobby für ihren Sohn. „Er spielt bereits Hockey und hat einen so hohen Bewegungsdrang, dass wir immer froh sind, wenn er diesen irgendwo ausleben kann. Das Familiensportfest ist dafür ideal“, sagt Mutter Janina.

Beim Sportkreis Frankfurt, der das Fest gemeinsam mit der Sportklinik Bad Nauheim, den Bäderbetrieben Frankfurt, dem Sportamt und der TG Bornheim ausrichtet, ist man froh, dass in diesem Jahr im Brentanobad und ihm benachbarten Stadion wieder ordentlich geschwitzt wird. „Die sechste Auflage im letzten Jahr ist wegen starken Regens etwas ins Wasser gefallen“, sagt Jasmin Czogalla vom Sportkreis. In diesem Jahr sei man mit dem Zuspruch wieder sehr zufrieden, sagt sie, trotz Ferienzeit. Die Beliebtheit des Festes zeige sich auch daran, dass einige Besucher schon eine Stunde vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung erschienen.

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