+
Ohne Maske geht Sebastian Laux nicht mehr ins Bett. Wie sie funktioniert, können er und andere Betroffene in der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Limburg-Weilburg lernen.

Schlafapnoe

Wenn der Schlaf gefährlich wird

Die Angehörigen leiden vor allem unter dem Krach, für den Schnarcher ist die Stille gefährlich: Die Schlafapnoe kann fatale Folgen für Gehirn, Herz- und Kreislauf haben. Was den Betroffenen hilft, können sie in der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Limburg Weilburg erfahren.

Geschnarcht hat er eigentlich schon immer. Als kleines Kind sorgte Sebastian Laux dadurch für Unterhaltungsstoff bei Familienfeiern. Vielleicht hat er damals auch schon unter dem Schlafapnoe-Syndrom gelitten. Das ist aber nicht bekannt; Kinder und Jugendliche haben meist noch genug Energie, um den Schlafmangel irgendwie auszugleichen.

Doch als Sebastian Laux Anfang 20 war und immer öfter vor dem Fernseher, im Kino oder beim Meeting einschlief und sich beim Autofahren manchmal fragte, wo er die letzten drei Sekunden war, ging er zum Arzt. Der stellte die Diagnose Schlafapnoe-Syndrom und verpasste ihm eine Schlafmaske. Sebastian Laux konnte mit der Überdruck-Beatmungsmaske zwar besser schlafen, aber er trug sie nicht lange, da er mit der Maske immer wieder Probleme hatte.

Heute ist Sebastian Laux 35, er trägt nachts wieder eine Maske – wenn auch eine viel kleinere. Und er will anderen Betroffenen zeigen, welche Hilfen es gibt. Seit ein paar Wochen leitet der die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Limburg-Weilburg. Insgesamt 44 Mitglieder hat sie – ziemlich viele dafür, dass es sie erst seit ein paar Monate gibt.

„Es sind eben viele Menschen von der Krankheit betroffen“, sagt Sebastian Laux. Und es gebe großen Informationsbedarf. Weil es keine Medikamente gibt, weil es immer wieder Probleme mit den Masken geben kann. „Und weil die Aufklärung durch die Ärzte oft nicht so optimal ist.“

Drei Mal hat die Gruppe sich bislang getroffen, meist ging es um die Masken. Um die verschiedenen Modelle, um den richtigen Gebrauch, die Hygiene und was man gegen das Verrutschen tun kann. Sie kann für Menschen mit nächtlichen Atemaussetzern überlebenswichtig sein. Sebastian Laux erklärt die häufigste Form der Schlafapnoe, die obstruktive Form, so: Während des Schlafs erschlafft die Schlundmuskulatur, beim Einatmen entsteht ein Unterdruck, der die Atemwege verengt. Die Folge sind Atempausen. In diesen sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut. Und das hat fatale Folgen: Der Gehirn-, Blut- und Lungen-Gefäßdruck nimmt zu, das Herz leistet Schwerstarbeit.

Irgendwann startet der Körper eine „Weckreaktion“. Er aktiviert abrupt die Atemmuskeln von Zwerchfell und Brustkorb, auch das Herz erhöht seine Leistung und der Blutdruck steigt. Der Schlafende wacht kurz auf und das Spiel beginnt von vorne. Am nächsten Morgen fühlt er sich wie gerädert, an das Geschehene in der Nacht kann er sich aber nicht mehr erinnern. Das kann die Maske verhindern. Der Überdruck bewirkt, dass die Weichteile im Hals die Luftröhre nicht mehr blockieren können. Das Schnarchen geht weg, die Atemaussetzer auch. Ganz still schläft Laux noch immer nicht neben seiner Frau. Aber das Brummen des Geräts und die Luftgeräusche seien immer noch besser als das Schnarchen, sagt er.

So hilfreich die Maske ist, so kompliziert kann die Handhabung sein. Und dabei soll die Selbsthilfegruppe helfen, sagt Sebastian Laux. Es geht vor allem um die Vermittlung von Informationen. „Wir wollen nicht im Stuhlkreis sitzen und jammern“, sagt er. Aber nach den Vorträgen sei natürlich immer noch genug Zeit und Gelegenheit für ein persönliches Gespräch.

Zur Gruppe gehören auch eine Ärztin und eine Medizinisch-Technische Assistentin. Sie kennen sich mit der Erkrankung und den Behandlungsmöglichkeiten aus, sind in der Gruppe, um ihr Wissen zu vermitteln. Zwar hätten alle Mitglieder der Gruppe eine Diagnostik hinter sich und wüssten auch schon etwas über die Apnoe und ihre Folgen. „Aber wer aus dem Schlaflabor kommt, hat in der Regel noch jede Menge Fragen“, sagt Sebastian Laux. Und das neue technische Gerät im Schlafzimmer ist ebenfalls eine Herausforderung.

Die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Limburg-Weilburg trifft sich das nächste Mal am 27. November um 19 Uhr im Krankenhaus Weilburg (Raum: Konzentrationszentrum). Neben allgemeinen Fragen hält an diesem Termin ein Hersteller von Atemgeräten einen Vortrag über „Der therapierte Patient mit Überdrucktherapie, Vielfalt der Auswahl“. Weitere Informationen gibt es bei Sebastian Laux, Telefon:  01 71-4 78 32 80, E-Mail an shg.schlafapnoe.lm@gmail.com .

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare