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Beim Kraulen ist die Schwierigkeit, den richtigen Atemrhythmus zu finden.

Rebstockbad

Wettbewerb der Förderschulen: Auf die Plätze, fertig, nass!

Jedes Jahr treten beim Schwimmwettbewerb der Frankfurter Förderschulen im Rebstockbad Kinder und Jugendliche in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an. 65 Schüler waren es gestern. Den Organisatoren geht es dabei nicht nur um die sportlichen Leistungen.

Letizia muss sich die Nase zuhalten, auch wenn ihr Sportlehrer das nicht will. Sonst kommt ja Wasser rein, wenn sie vom Ein-Meter-Brett des Rebstockbades springt. Den Lehrer von der Bürgermeister-Grimm-Schule überzeugt das nicht. Nach jedem Sprung der Zehnjährigen schnauft er. Beim ersten Versuch wollte Letizia kerzengerade ins Becken hüpfen, was nur beinahe klappte. Die Beine fuhren zwar elegant ins Wasser. Der fast 90 Grad angewinkelte Oberkörper klatschte aber weniger elegant auf die Wasseroberfläche. Für den zweiten Versuch überlegte sie sich etwas anderes. In ihrem orangenen Badeanzug stand sie zitternd auf der Mitte des Brettes, rannte los und sprang ab. In der Luft streckte sie alle Glieder von sich. Patsch! Der Lehrer schüttelt den Kopf.

Die Schülerin teilt eher die Philosophie des Betreuers am Beckenrand, der sagt, das Wichtigste beim Schwimmwettbewerb der Frankfurter Förderschulen sei das Dabeisein. Auch Michael Schmitt geht es nicht darum, dass die Förderschüler hier Bestzeiten schwimmen. Er ist sportlicher Leiter an der Bürgermeister-Grimm-Schule. Das Ziel der gestrigen Veranstaltung sei es, die Zehn- bis 16-Jährigen an das Wasser zu gewöhnen, sagt Schmitt. „Manche unserer Schüler sind körperlich beeinträchtigt. An den Sport müssen sie erst herangeführt werden.“ Außerdem kämen viele der Förderschüler aus finanziell eher schlecht gestellten Familien. Wenn sich Eltern die rund 15 Euro für ein Drei-Stunden-Familienticket fürs Schwimmbad nicht leisten könnten, hätten die Kinder wenig Gelegenheit, routiniertes und selbstsicheres Schwimmen zu lernen.

Letizia ist in diesem Jahr das erste Mal dabei. Manchmal hat sie noch Angst, dass sie im Wasser untergeht, sagt sie. „Aber nur ganz selten.“ Mit ihren Eltern geht sie nicht so oft in ein Hallenbad. Dafür ist sie aber an der Schule in einem Schwimmkurs. Einmal die Woche kommt sie so ins Rebstockbad. Hier bereitet sie sich auch auf den Wettbewerb vor. In vier Disziplinen treten die Schüler gegeneinander an: Kraulen, Rücken- und Brustschwimmen sowie Staffel. Jeweils eine Bahn mit 25 Metern schwimmen die Kinder. In zwei Altersgruppen geht es um die beste Zeit. Wie schnell Letizia bei ihren bisherigen Rennen war, weiß sie nicht. „Ich glaube ich war aber die letzte“, sagt sie.

Man merkt, dass das die Schülerin nicht sonderlich stört. Das ist auch in Ordnung. Schließlich sollten die Kinder bei dem Wettbewerb Selbstbewusstsein gewinnen, sagt Schmitt. Auch sei es normal, dass die Schüler erst im Laufe der Jahre in den Schwimmstilen besser werden.

Einer der Routiniers ist etwa Ben. Der 15-Jährige von der Weißfrauenschule ist bereits das fünfte mal dabei und spricht über das Schwimmen ganz anders als Letizia. Er benutzt Wörter wie Atemrhythmus und sagt, dass man den beim Schwimmen gut trainieren könne. Auch hadert er über seine Badehose. Die locker sitzende Short erzeuge Widerstand und verschlechtere so seine Zeiten. „Eigentlich müsste ich eine eng anliegende Badehose tragen. Das geht aber nicht. Style ist einfach wichtiger.“ Ben kam in den vergangenen Jahren trotz Hosen-Handicap auf den zweiten oder dritten Platz. Auch gestern brauchte er weniger als 30 Sekunden für die 25 Meter-Strecke. Ob es für den ersten Platz reicht, weiß er aber nicht. Für Letizia steht noch der Spaß im Vordergrund. Vor ihrem dritten und letzten Sprung vom Ein-Meter-Brett gibt der Lehrer ihr noch ein paar Tipps. Rücken durchdrücken, Nase nicht zuhalten, solche Sachen. Letizia hört konzentriert zu. Nach dem Absprung wedelt sie wieder mit Armen und Beinen. Es sieht genauso aus wie der vorherige Versuch. Der Lehrer wirkt verzweifelt und schreibt ihre Note auf. Leticia strahlt dagegen über beide Ohren, als sie wieder auftaucht. „Das hat Spaß gemacht“, ruft sie.

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