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2G-Kontrolle: So sieht das Einlassbändchen (»Nidda macht glücklich«) für geimpfte oder genesene Kunden aus.

2G-Türöffner am Handgelenk

Wer in nächster Zeit nach Nidda kommt und auffallend viele Passanten mit pinkfarbenen Bändern am Handgelenk sieht - der womöglich erste Gedanke wird der falsche sein. Nein, hier gab es keine gemeinschaftliche Rückkehr aus dem Club-Urlaub in sonnigen Gefilden. Die Niddaer haben sich was einfallen, wie die 2G-Regel im Einzelhandel möglichst effektiv und einfach kontrolliert werden kann.

Für Ladenbetreiber wie für Kunden.

Der Gewerbeverein Nidda hat auf die vorgeschriebene 2G-Regel schnell reagiert. Mitgliedsbetriebe können an nachweislich geimpfte oder genesene Kundinnen und Kunden spezielle Einlassbänder verteilen. Beim Einkauf im nächsten Geschäft entfällt die erneute Prozedur der Kontrolle. Der Status des Kunden ist durch das Tragen des Bandes bereits dokumentiert.

Wer seit Montag dieser Woche im Einzelhandel einkaufen möchte, muss nachweisen, dass er geimpft oder genesen ist. Das hatte die hessische Landesregierung am Dienstag der Vorwoche als Konsequenz aus zuletzt massiv gestiegenen Corona-Zahlen und medizinischem Personal an der Leistungsgrenze beschlossen. Inzwischen gilt diese Regel bundesweit. Das bedeutet: Menschen, die nicht gegen das Coronavirus geimpft (sofern nicht ein gesundheitlicher Grund vorliegt) oder von einer Infektion genesen sind, bleibt der Besuch in Läden und Geschäften verwehrt. Ausgenommen sind der Einkauf von Lebensmitteln für den täglichen Bedarf oder etwa der Besuch von Apotheken.

Im Handel ist die Neuerung alles andere als mit Beifall bedacht worden. »Die 2G-Regel wird eingeführt, um den Druck auf Ungeimpfte zu erhöhen. Handel und Gastronomie müssen ausbaden, dass die Politik nicht überzeugender agiert und mehr Menschen zu einer Impfung bewogen hat. Es hätte einer besseren Kampagne bedurft, um auch die Zweifler zu überzeugen. Zudem fehlen gerade jetzt der nötige Impfstoff sowie die erforderliche Infrastruktur, um allen Willigen eine Impfung zu ermöglichen. Das schlägt dem Fass den Boden aus«, hatte Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbandes Hessen und Mitinhaber von Modegeschäften in Bad Nauheim und Friedberg, vor wenigen Tagen im Interview mit dieser Zeitung gesagt.

Immer wieder Thema ist im Handel die Frage der Kontrolle. Kunden um das Vorzeigen von Impfnachweis beziehungsweise -zertifikat zu bitten und im Zweifel sich auch noch den Personalausweis zeigen zu lassen, wird als kein leichtes Unterfangen angesehen. Kleinere Geschäfte mit vielleicht nur ein, zwei Beschäftigten sehen Probleme, das leisten zu können. In größeren Läden mit mehr als nur einem Eingang muss entsprechend Personal abgestellt werden, so die Argumentation.

Der Gewerbeverein Nidda versucht, einen anderen Weg zu gehen. Für die Idee standen ähnliche Beispiele in Großstädten und Outlets sozusagen Pate. Peter Schuster (Firma Henrich) hatte sie vorgebracht, wie Maximilian Häßner, Textilium-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Gewerbevereins, im Gespräch mit dieser Zeitung sagt. Übers vergangene Wochenende hin hat der geschäftsführende Vorstand schnell entschieden und gehandelt. Die Mitgliedsbetriebe des Gewerbevereins erhalten pinkfarbene Einlassbänder mit der Aufschrift »Nidda macht glücklich«.

Diese Bänder können bei Kontrollen im ersten Geschäft an genesene oder geimpfte Kunden ausgehändigt werden. Alle weiteren Geschäfte erkennen dann direkt anhand der Armbänder, dass bereits eine Kontrolle stattgefunden hat und können die Kunden direkt eintreten lassen. Das, so Häßner, erleichtere die Handhabung der 2G-Regel ungemein. So einfach die Lösung auch klingt, dahinter steckt ein ausgeklügeltes Vorgehen: »Die Bänder werden beim Ausziehen beschädigt. Eine Weitergabe an Ungeimpfte ist so nicht möglich«, sagt Häßner. Durch eine Nummerierung ist auch rechtlich klar nachvollziehbar, in welchem Geschäft die Kontrolle stattgefunden hat.

Einzig Jugendliche müssen in jedem Geschäft ihr Testheft vorzeigen, da das Band mehrere Tage getragen werden kann und nicht sichergestellt ist, dass die Aushändigung maximal 24 Stunden zurückliegt. Häßner: »Das Band wird auch nicht über mehrere Monate hinweg halten. So ist sichergestellt, dass nicht über den Ablauf des Impfstatus hinaus eine Nutzung möglich wäre. Man kann aber mit dem Band am Arm schon zwei-, dreimal unter die Dusche gehen. Das halten die schon aus.« Die Nutzung des Bandes macht in seinen Augen nicht nur im Ladengeschäft Sinn. Steinmetz Martin Röhling etwa hält nach Häßners Worten die Lösung auch beim Blick auf Beratungsgespräche mit Kunden für sehr praktikabel.

3000 Bänder hat der Gewerbeverein Nidda, dem 135 Mitgliedsbetriebe angehören, zunächst einmal im ersten Schritt geordert. Seit Mittwoch werden sie ausgegeben. Zehn Mitgliedsbetriebe haben sich sofort bereit erklärt, mitzuwirken. Maximilian Häßner geht davon aus, dass es zügig mehr werden, sobald die Bänder von Kunden genutzt werden und in aller Öffentlichkeit sichtbar im Umlauf sind.

Start der Bänderaktion auf dem Marktplatz im Herzen Niddas: (v.l.) Jessica Mörschel (Gesundheitspark), Antje Schmidt-Wolf, Vorsitzende des Gewerbevereins, und Maximilian Häßner (Textilium, Gewerbevereinsvorstand).

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