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Abgestorbene Bäume: Waldbegehung zeigt erschreckende Situation

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Verdichtungsfurchen im Boden durch schwere Arbeitsfahrzeuge: Kein guter Platz für Naturverjüngung. Das wurde bei der Waldbegehung am ökumenischen Tag der Schöpfung deutlich. © Elfriede Maresch

Wie steht es um den heimischen Wald? Dieser Frage hat sich jetzt der ökumenische Tag der Schöpfung gewidmet, zu dem seit 2010 die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) jährlich einlädt,

Diese Frage beschäftigt mittlerweile viele Menschen: »Wie kann der Wald im aktuellen Klimawandel überleben?« Rita Stoll von der Fachstelle Diakonie und gesellschaftliche Verantwortung konnte Interessierte aus der Frauenarbeit des Dekanats, Engagierte aus Natur- und Umweltschutzvereinen und auch einen ehemaligen Forstwirt bei einem Rundgang zwischen Breungeshainer Waldsiedlung und Bilstein begrüßen.

»Hitze und Trockenheit belasten unseren Wald, Bäume sterben ab« führte sie in das Thema ein. Als begleitenden Fachmann hatte sie Schottens stellvertretenden Forstamtsleiter Uwe Prihoda gewinnen können.

Fichten von Regenmangel besonders betroffen

Schon am Parkplatz zeigte sich das Problem. Abgestorbene Fichten waren hier gefällt und abtransportiert worden. Ein Blick in die Kronen der noch stehenden Nadelhölzer zeigte dürre, gerade noch an der Spitze mit grünenden Nadeln besetzte Äste. Prihoda machte die Verknüpfung der Ursachen klar.

Viel zu geringe Niederschläge der vergangenen Sommer treffen die Fichten, die kaum tiefer als einen Meter wurzeln, besonders hart. Mangels Feuchtigkeit kümmern die Bäume, Pilzbefall kann auftreten. Borkenkäfer dringen unter die Rinde, wo sie mit ihrer Brut die Wasserversorgung des Baumes weiter stören. Die Rinde fällt, der Baum stirbt komplett ab. Nur das Fällen bleibt, um die Ausbreitung der Käfer zu verhindern.

Zwar kann auch das Holz solcher Bäume bei entsprechender Stammumfang noch wirtschaftlich verwertet werden, aber im Vergleich zu gesunden Fichtenbeständen ist der Ertragsausfall beträchtlich.

Außerdem kann ein zu hoher Wildbestand insbesondere Neuanpflanzungen oder Naturverjüngung schädigen. Die Folgen geschädigten Waldes treffen alle Waldbesitzer, wobei nicht nur Kommunal- oder Staatswald vom Forstamt mitbetreut werden, sondern zum Teil auch Privatflächen. Prihoda hatte eine Karte mitgebracht, die in diesem Bereich des Oberwaldes die Besitzverhältnisse zeigte.

Große Aufgabe für die Gesellschaft

Der Förster berichtete von einer Erfassung zwischen 2018 und 2022, die in den Wäldern Hessens bei insgesamt 39 Forstämtern 65 000 Hektar Schadflächen aufzeigte. Im Forstamt Schotten sind es 1000 Hektar. Das Entfernen toter Stämme und die Wiederaufforstungen unter den Bedingungen sehr trockener Sommer stellen eine große gesellschaftliche Aufgabe dar. Aber so Prihoda: »Wo Wald war, muss Wald bleiben«.

Ein Liedruf wurde dann gesungen. Der Weg führte am Rand der Waldsiedlung entlang In diesem Bereich wurde der Hochwald etwas zurückgenommen, ein gestufter Waldrand mit Blühpflanzen der Ruderalflora und Naturverjüngung soll entstehen. Im Gespräch nannte Prihoda verschiedene Formen der Zustands- und Qualitätserfassung des Waldes, etwa das rechtzeitige Borkenkäfermonitoring.

Die Teilnehmenden schätzten es, dass sie sich mit jeder Beobachtung direkt an den forstlichen Fachmann wenden konnten und Hintergründe erläutert bekamen. Bei einer Aufforstungsfläche fielen ihmen die tief eingedrückten Radprofile eines Arbeitsfahrzeugs auf, eine Verdichtung, die der Bodengare schadet. Prihoda kam auf die forstlichen Vermeidungsstrategien zu sprechen, etwa die Reduzierung solcher Rückegassen und damit der Bodenverdichtung.

Generell werde nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder praktiziert. Dazu gehöre selektives Fällen von Bäumen, die bei entsprechendem Reifegrad günstige Holzerträge bringen sowie die anschließende Neubepflanzung. Das Entstehen großer Kahlflächen soll vermieden werden. Ziel ist der Aufbau eines Generationenwaldes.

Wind- und Hitzeschutz für jüngere Bäume

Bei einem Generationenwald geben die älteren Bäume den jüngeren Wind- und Hitzeschutz und bremsen die Erosion. So bleibt die Bodenqualität erhalten und Naturverjüngung (Selbstaussamen von Bäumen) ist möglich. Nur Holz aus diesem nachhaltigen Anbau kommt mit den Gütesiegeln PEFC oder FSC auf den Markt.

Auf einer Wiederaufforstungsfläche konnte der Förster zeigen, wie man sich dabei von den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte leiten lässt, auf Mischwälder statt auf Fichtenmonokulturen setzt, allenfalls einige Douglasien unterpflanzt, um nicht ganz auf Nadelhölzer zu verzichten.

Gewählt werden vor allem standortgerechte Baumarten des Vogelsbergs wie Bergahorn, Buche und Eberesche. Auf dieser Fläche verzichtete man auf einen Schutzzaun, muss allerdings einen zu hohen Wildbestand und entsprechende Schäden durch Abschüsse vermeiden.

Der Hoffnungsansatz »Wir geben den Wald nicht auf« beeindruckte die Gruppe. Zurück am Parkplatz gab es eine Andacht mit Gesang, Baummeditation und Gebet. Zentrale Aussage war: »Wir sind Teil dieser Schöpfung und dankbar für ihre Vielfalt«. Eine kleinere Gruppe wanderte noch weiter auf den Bilstein.

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