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Abriss der Therme in Bad Salzhausen: »Ein Schlag in die Magengrube«

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Hans Joachim Schwarz © Myriam Lenz

Per Facebook meldete diese Zeitung gleich nach der Pressekonferenz, dass die Liebig-Therme in Bad Salzhausen abgerissen werden soll. Die Reaktionen folgten unmittelbar.

VON KLAUS NISSEN

Bad Salzhausen. Per Facebook meldete diese Zeitung gleich nach der Pressekonferenz, dass die Liebig-Therme in Bad Salzhausen abgerissen werden soll. Sofort kam die erste Reaktion: »Ein weiterer Sargnagel für Bad Salzhausen!!« postete Andreas Fieweger. Bestürzt ist auch Bettina Hess: »Die Therme gehört dazu und genau dorthin, wo sie steht.« Und Thomas Maul schreibt: »Schade. Sind im Winter mehrmals dort. Wird uns fehlen.«

Anita Steringer macht sich Sorgen darüber, wie es nach der Schließung ab 1. Oktober für die Thermen-Benutzer weitergeht: »Schade für alle, die eine Verordnung für Funktionsgymnasitik haben. Wo sollen die jetzt kurzfristig einen Platz finden? Wir sind schon über zehn Jahre dort - Ältere aus der Region, die keinen Führerschein haben.«

Der Bad Salzhausener Ortsvorsteher Hans Joachim Schwarz und das Ortsbeiratsmitglied Achim Andersch erfuhren von Bürgermeister Thorsten Eberhard persönlich, dass die Therme keine Zukunft mehr hat. »Man ahnte, dass etwas passieren muss, sagt Schwarz nun. »Aber der Abriss-Beschluss hat uns überrascht. Das ist schon hart!«

Nicht gut findet der ehrenamtliche Interessenvertreter der etwa 600 Stadtteilbewohner, dass der Ortsbeirat vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. Das siebenköpfige Gremium befasse sich doch seit Jahren mit der Thermen-Problematik. Bei den Beratungen über die Zukunft des Hauses wäre man gern eingebunden gewesen. Schwarz will nun das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen.

Der Ortsvorsteher verkniff sich die Forderung, dass Thermalbad trotz seiner horrenden Kosten geöffnet zu lassen. Die könne man ja nicht ignorieren. Andererseits: »Es ist eine Attraktion weniger, die wir jetzt haben.« Die Schließung hätte die Stadt vielleicht vermeiden können, wenn sie anstehende Sanierungen nicht immer wieder auf die lange Bank geschoben hätte. Auf jeden Fall werde es für den kleinen Kurort in Zukunft schwerer, genug Gäste anzuziehen.

Das befürchtet auch Hans-Jürgen Eckhardt - der Besitzer des Kurhaus-Hotels. Seine Gäste könnten ab Oktober nicht mehr über die Kurstraße ins warme Becken spazieren. Das senke die Attraktivität des Ortes. Die Schließungsnachricht sei für ihn ein »Schlag in die Magengrube«. Man müsse nun verstärkt überregional Werbung für Bad Salzhausen machen. Immer noch gebe es etwa in Frankfurt viele Leute, die keine Ahnung davon haben, welch Kleinod in ihrer Nähe liegt.

Für die Zukunft des Ortes muss die Politik nun klare Perspektiven nennen, fordert Eckhardt. »Mir geht das nicht schnell genug.« Genau wie der Ortsvorsteher sorgt er sich um Bad Salzhausen. »Der Ort sieht in fünf Jahren völlig anders aus«, sagt Eckhardt und meint die kommenden Baustellen. Da sei das Neubaugebiet an der Berstädter Straße, die Sanierung der Stahlquelle und des Areals am Landgrafenteich. Und dann der Thermen-Abriss mit dem Nachfolge-Wellness-Zentrum, von dem noch keiner wisse, wie es einmal aussieht. Die Zeit, in der Salzhausen ein ruhiges Kleinod ist, laufe wohl ab. FOTOS: LENZ

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Hans-Jürgen Eckhardt © Myriam Lenz

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