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Ärger um geplante Photovoltaik-Anlage: Projekt in Bindsachsen droht zu scheitern

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Auf der etwa sechs Hektar großen Fläche bei Bindsachsen könnte eine Photovoltaik-Anlage entstehen, die bis zu 1160 Haushalte im Jahr mit Solarstrom versorgen könnte. © pv

Jürgen Bach möchte gerne auf seinem Privatgrund bei Bindsachsen eine Photovoltaik-Freiflächenanlage bauen. Wie es aussieht, wird die Gemeindevertretung das Vorhaben jedoch ablehnen.

Die Energiewende gehört zu den zentralen Themen der heutigen Zeit. Bis 2050 soll nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz nur noch treibhausgasneutraler Strom in Deutschland erzeugt und genutzt werden. In ihrem Koalitionsvertrag einigte sich die neue Bundesregierung auf eine drastische Beschleunigung im Ausbau, mehr dezentrale Anlagen und einen enormen Anstieg des durch Photovoltaik (PV) gewonnenen Stroms bis 2030.

Jürgen Bach aus Bindsachsen verfolgt ein Vorhaben, das zu diesen Zielen gut passt: Auf seinem Privatgrundstück will er eine große Photovoltaik-Freiflächenanlage bauen lassen. Mit Einnahmen für sich und die Gemeinde sowie Blühflächen für den Naturschutz sieht der 55-Jährige viele Vorteile. Zunehmend für Verärgerung sorgt bei ihm aber die Gemeinde: Da den politischen Gremien die Planungshoheit über die Bodennutzung im Gemeindegebiet obliegt, geben sie die finale Erlaubnis. Auf die wartet Bach seit nunmehr einem Jahr und fürchtet inzwischen eine Absage. Die Entscheidung soll diesen Donnerstag fallen.

Sechs Hektar große Fläche

»Es liegt auf der Hand, dass etwas getan werden muss, betrachtet man Klimawandel und steigende Erwärmung«, sagt Jürgen Bach im Gespräch mit dem Kreis-Anzeiger. »Die Energie muss ja irgendwo herkommen.« Dafür will der gebürtige Bindsachsener sein Grundstück bereitstellen, das sich über sechs Hektar hinter dem Ortsausgang in Richtung Gelnhaar auf der linken Seite erstreckt. »Früher hat mein Vater die Fläche bearbeitet, derzeit ist sie an einen Landwirt aus Bindsachsen verpachtet«, erklärt Bach, der als Systemtechniker bei der Telekom arbeitet und selbst unweit des Grundstücks wohnt.

Mit Firma Energetic Solar

»Für den Pächter ist die Fläche aufgrund ihrer Größe entbehrlich, das ist bereits abgesprochen.« Gegen Ende 2020 wandte sich der 55-Jährige an die Firma Energetic Solar, die sich mit Sitz bei Würzburg auf Bau und Betrieb von Photovoltaik-Freiflächenanlagen spezialisiert hat. Wie sich zeigte, ist Bachs Fläche gut geeignet: Einerseits liegt sie in einem Gebiet, das unter anderem durch den Bodenertrag als landwirtschaftlich benachteiligt gilt - für solche Flächen ermöglicht das Land Hessen seit 2018 die Nutzung für Solaranlagen. »Ein Antrag bei der Ovag ergab zudem, dass der nächste Einspeisepunkt ins Stromnetz nur etwa 300 Meter weiter am Sportplatz liegt«, schildert Bach.

Solarstrom für 1160 Haushalte

»Nach einer ersten Planung stellte die Energetic Solar am 6. Januar 2021 einen Antrag bei der Gemeindeverwaltung.« Wie aus dem Antrag hervorgeht, ist auf einer Fläche von 48 000 Quadratmetern eine PV-Anlage in einem fest montierten Modultisch-System geplant. Pro Jahr sollen etwa 4640 Megawatt-Stunden Solarstrom erzeugt, 1160 Haushalte versorgt und 2199 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Die Fläche werde eingezäunt, der Grad der Bodenversiegelung solle unter einem Prozent betragen, so der Plan. Darüber hinaus gibt Energetic Solar an, ein Drittel des Geländes als Blühwiese zu gestalten sowie heimische Büsche und Sträucher anzupflanzen.

Nabu sagt Unterstützung zu

Wie Jürgen Bach erzählt, habe er mit Alfred Leiß, dem Vorsitzendem der Nabu-Ortsgruppe in Bindsachsen, bereits über das Vorhaben gesprochen: »Er war begeistert und würde die Sache unterstützen.« Bach plant, zusätzliche Blühwiesen auf der Fläche anzulegen, Nistkästen anzubringen und Raum für weitere Lebewesen zu schaffen. Auch die Gemeinde hätte einen Nutzen von der Anlage: Laut einer Berechnung von Energetic Solar würden bei einem Betrieb über 30 Jahre Gewerbesteuern in Höhe von fast 173 000 Euro fällig. Dazu kommt eine Prämie des Bundes, über die Gemeinden 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Ökostrom erhalten, was sich laut der Firma auf weitere 185 000 Euro summiere.

»Das Thema ging in die Ausschüsse, dann ist lange nichts passiert«, erzählt Jürgen Bach. Er und ein Vertreter der Firma hätten das Projekt im September der Gemeindevertretung vorgestellt. In der vergangenen Woche ist die Sache unter Ausschluss der Öffentlichkeit abschließend beraten worden. Wie Bach sagt, wisse er von Martin Grundl, Leiter des Amtes für Bau- und Liegenschaften in der Gemeindeverwaltung, dass der Beschluss gegen den Bau von PV-Anlagen auf privaten Flächen gefallen sei. »Dabei hat die Gemeinde gar keine eigenen Flächen in der Nähe von Einspeisepunkten«, sagt Bach. Neben seinem gibt es noch ein weiteres derartiges Vorhaben auf einer kleineren Fläche in Hitzkirchen. »Es gibt nur diese zwei Flächen, auf denen eine PV-Anlage optimal umsetzbar wäre.« Mit einer Absage wäre auch im Hinblick auf die finanzielle Situation nicht im Sinne der Gemeinde entschieden, findet der 55-Jährige. »Scheinbar gönnt die Gemeinde Privatleuten die Pachteinnahmen nicht«, vermutet er.

Reaktion der Bürgermeisterin

Sie sehe ein, dass man mit der Zeit gehen müsse, sagt Bürgermeisterin Kirsten Frömel (parteilos) auf Nachfrage dieser Zeitung. Die Ausschüsse hätten einen klaren Beschluss gefasst, zu dem sich Frömel vor Donnerstag jedoch nicht äußern wolle. »Wenn wir das für jeden freigeben, gehe ich davon aus, dass es nicht bei diesen zwei Anfragen bleiben wird«, sagt Frömel und fügt an, dass Einnahmen aus PV-Anlagen durchaus als Einnahmequellen im Konsolidierungskonzept des kommunalen Haushalts vorgesehen seien. Persönlich finde sie Solarparks störend, da sie oftmals blenden. Dennoch sehe sie die Notwendigkeit, wobei es klare Regelungen geben müsse und weiterhin Flächen für die Landwirtschaft bereitstehen müssten.

Das Thema ist auf der Tagesordnung der nächsten Gemeindevertretersitzung am kokmmenden Donnerstag, 27. Januar, ab 19 Uhr im Bürgerzentrum Holzwich (Frankfurter Straße 13) in Helfersdorf vorgesehen.

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