1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Alle zwei Stunden kracht es im Wetteraukreis

Erstellt:

Von: Christoph Agel

Kommentare

_144613
Trümmerfeld auf der A 5 zwischen der Anschlussstelle Friedberg und dem Rasthof Wetterau: Bei einem Unfall am frühen Morgen des 19. September 2021, verursacht durch einen Geisterfahrer, sind vier Menschen ums Leben gekommen. Abseits der Autobahnen sind im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen in der Wetterau acht Menschen gestorben. ARCHIVFOTO: EINSATZFOTOS.TV/SSA © pv

Acht Menschen sind 2021 auf Straßen im Wetteraukreis ums Leben gekommen, 137 Personen wurden schwer, 768 leicht verletzt. Insgesamt kam es 2021 zu 4757 Unfällen im Landkreis. Bei diesen Zahlen sind Unfälle auf Autobahnen noch nicht berücksichtigt.

Ein Bild des Grauens bot sich den Ersthelfern am frühen Morgen des 19. September 2021. Auf der A 5 in Richtung Norden erstreckte sich zwischen der Anschlussstelle Friedberg und dem Rasthof Wetterau ein Trümmerfeld. Ein Geisterfahrer hatte dort einen Unfall verursacht, bei dem er selbst, zwei 19-Jährige und ein 68-jähriger Mann ums Leben kamen. Dieses Ereignis ist ein besonders tragisches, das sich auch in der Unfallstatistik des Polizeipräsidiums Mittelhessen niederschlägt. Das Präsidium ist - neben den Landkreises Gießen, Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf - auch für den Wetteraukreis zuständig. Am Dienstag stellte Polizeipräsident Bernd Paul die Unfallzahlen für 2021 und die Entwicklungen im Vergleich zu den Vorjahren vor.

Mit Blick auf die Wetterau ist festzuhalten, dass die Zahl der Unfälle im Jahr 2021 zwar gegenüber dem Vorjahr um fast 300 gestiegen ist, sie aber deutlich unter den Zahlen der Jahre 2017 bis 2019 liegt. Dennoch: 4757 Unfälle mit acht Toten, 137 Schwer- und 768 Leichtverletzten sind Grund für Trauer und Sorge. Unfälle auf den Autobahnen 5 und 45 sind nicht mitgerechnet. Die Zahl der Verkehrstoten in der Wetterau abseits der Autobahnen ist gegenüber 2020 um drei gestiegen. 2017 starben zehn Menschen, 2018 elf, und 2019 waren es sechzehn.

Deutlich weniger Unfälle mit Kindern

»Trotz zuletzt wieder gestiegener Unfallzahlen blieb die Anzahl der leicht- oder schwer verletzten Verkehrsteilnehmer im direkten Vergleich zum Vorjahr auf annähernd gleichem Niveau. Eine ähnliche Entwicklung stellen wir auch bei geschwindigkeitsbedingten Verkehrsunfällen sowie bei Unfällen aufgrund zu geringen Abstands oder unter dem Einfluss von Alkohol oder anderer berauschender Mittel fest«, teilte Jürgen Sill, kommissarischer Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes Wetterau mit. »Erfreulicherweise kam es im Wetteraukreis im letzten Jahr zu deutlich weniger Unfällen, an denen Kinder und Jugendliche beteiligt waren. Auch die sogenannten Schulwegunfälle haben sich um mehr als die Hälfte reduziert.«

Die Polizei präsentierte weitere Zahlen für den Wetteraukreis: Alle zwei Stunden wurde ein Verkehrsunfall polizeilich registriert, alle sechs Stunden beging jemand eine Unfallflucht, alle 9,5 Stunden verunglückte ein Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren, alle siebeneinhalb Stunden wurde ein Wildunfall polizeilich registriert, alle zehn Stunden ein Mensch bei einem Verkehrsunfall leicht oder schwer verletzt, ebenfalls alle zehn Stunden war ein Fahrer der Generation 65 plus an einem Unfall beteiligt, alle zweieinhalb Tage waren Alkohol und/oder Drogen im Spiel, alle 8,3 Tage war ein Kind an einem Unfall beteiligt und alle sieben Tage ein Jugendlicher zwischen 14 und 17 Jahren. Alle 46 Tage starb ein Mensch durch einen Verkehrsunfall.

Präsidiumsweit starben 44 Personen (2020: 42) bei 21 045 Unfällen (2020: 19 637). Insgesamt mehr als die Hälfte davon entfallen auf Wildunfälle (5884) und Unfallfluchten (5288). Die Hauptursache für Unfälle bleibt zu hohes Tempo: »Viele Fahrer überschätzen ihre Fähigkeiten und passen ihre Geschwindigkeit nicht an die Sichtverhältnisse, Wetter und den Zustand ihres Fahrzeugs an«, sagte Polizeipräsident Paul. 1614 Unfälle ließen sich auf die Geschwindigkeit zurückführen.

Die zweite große Unfallursache ist in der Ablenkung durch Smartphones zu finden: »Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wer alles meint, sich während der Fahrt mit dem Handy beschäftigen zu müssen«, sagte Paul. Deshalb will die Polizei in diesem Bereich verstärkt kontrollieren.

148-mal Alkohol oder Drogen

Auf eine andere Unfallursache wies Kriminaldirektorin Antje van der Heide, Leiterin der Polizeidirektion Wetterau, mit Blick auf ihren Landkreis hin: »In 148 Fällen wurden im Zusammenhang mit dem Unfallgeschehen Alkohol- oder Drogenkonsum bei Fahrzeugführern festgestellt. Hier zeigen sich, wie auch im Bereich der folgenlosen Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, steigende Zahlen. Dieser Entwicklung werden wir durch noch intensivere Kontrollmaßnahmen begegnen.«

Die Wetterauer Polizei werde sich in diesem Jahr intensiv der Verkehrssicherheitsarbeit widmen. »Unser Fokus wird sich hier auch auf neuere Phänomene wie die mangelnde Aufmerksamkeit durch Nutzung von Handys oder das Phänomen ›Raser, Poser, Tuner‹ richten, die in besonderer Weise Ausdruck mangelnder Sensibilität und Rücksichtnahme sind.«

Auch interessant

Kommentare