Großprojekt

Dem alten Gutshof in Ilbenstadt wird neues Leben eingehaucht

Im Dezember hatten die Freiburger Investoren den Bau von 30 Wohnungen auf dem Klosterhof neben der Basilika angekündigt. Am Mittwochabend informierten sie die Ilbenstädter über Details. Die hörten zu, applaudierten – und nannten Probleme.

Im Weißen Saal gingen die Stühle aus. Fast zehn Prozent der 2800 Ilbenstädter drängten sich im ersten Stock des ehemaligen Klosters neben der Basilika. Sie wollten wissen, was die Oekogeno-Genossenschaft aus Freiburg im Zentrum ihres Dorfes vorhat. Denn der Bau von 30 Wohnungen für etwa 70 Neubürger ist eine Zäsur in der langen Geschichte des Klosterhügels. Sichtlich angespannt erwarteten der Genossenschafts-Vorstand Joachim Bettinger und der Projektleiter Jörg Weber die Gäste. Es hatte Kritik gegeben. Würde man dem Projekt Steine in den Weg legen? „Auf der kommunalen Ebene muss es gewollt werden“, sagte Bettinger. „Wenn es ein zäher Prozess wird, muss man sich zurückziehen.“

Die Oekogeno will 15 Millionen Euro auf dem historischen Gelände investieren. Sie hat den ungenutzten Klosterhof gegenüber der Basilika vom Land Hessen gekauft. Das Pächterhaus an der Straße und das quer dazu stehende Kutscherhaus bleiben stehen. Die dahinter liegende Scheune wird abgerissen. An ihrer Stelle wächst ein neuer Trakt auf dem leicht abschüssigen Gelände zwischen Dorf und Basilika. Der L-förmige Bau ist so abgewinkelt, dass der kürzere Riegel schräg auf die Kloster-Straße trifft. Der Neubau mit drei Vollgeschossen und Walmdächern soll 30 Genossenschafts-Wohnungen aufnehmen. Für das Kutscherhaus plant die Oekogeno einen Dorfladen mit Bio-Produkten aus der Region und ein Café oder eine Weinstube.

Man sei kein gewöhnlicher Bauträger, machte Joachim Bettinger deutlich. „Wir suchen die Bewohner nicht nach ihrem Geld, sondern nach ihrer Motivation aus“. Die aus der Ökobank hervorgegangene Genossenschaft will nun ihr nördlichstes Projekt in Angriff nehmen. Denn in Frankfurt sei sie auf viele Wohn-Interessenten für Ilbenstadt gestoßen. Ihnen ermögliche das „Leben in den Klostergärten“ barrierefreie Wohnungen mit flexiblen Zuschnitten und bei Bedarf auch Pflege-Leistungen. Etwa ein Drittel der Bewohner sollen Familien und Senioren sein, weitere Wohnungen sind für Singles und Alleinerziehende geplant. Etwa sechs Wohnungen nehmen pflegebedürftige Menschen auf. Die Wärme kommt von einem Blockheizkraftwerk. Nebenan sollen Kinder spielen und Anwohner das „Urban Gardening“ praktizieren können.

Die Finanzierung läuft zu 60 Prozent über Banken, zu 40 Prozent aus Eigenmitteln. Staatliche Zuschüsse für das inklusive und ökologische Wohnen beantragt die Genossenschaft nicht, betonte Joachim Bettinger. Man wolle die Kontrolle behalten. Und nur wer in die Hausgemeinschaft passt, könne einziehen. Diese Leute kaufen für etwa 160 Euro Anteile der neuen Genossenschaft. Dann zahlen sie ein Drittel des Eigenkapital-Anteils für ihre Wohnung an die Genossenschaft. Die restlichen Drittel bringen Fördermitglieder der Genossenschaft als verzinsliche Anlagen ein.

Die Mieten der neuen Wohnungen sollen ortsüblich sein – also ungefähr bei neun Euro pro Quadratmeter. Gebaut wird frühestens 2019. Dann kam der spannende Moment, in dem Bettinger die Ilbenstädter um Fragen bat. Ein älterer Mann meldete sich: „Das ist ja eine dramatische Ensemble-Änderung. Ein gewaltiger Baukörper, den Sie da hinstellen wollen. Spielt der Denkmalschutz da denn mit?“ Bettinger nickte. Man habe von Anfang an mit der Denkmalbehörde kommuniziert. Und weil im Vorfeld schon kritisiert wurde, dass der Neubau die Sicht aus dem Dorf auf die Basilika-Türme verwehren würde, änderte man den Plan ab.

An zwei Stellen weicht das Giebeldach, damit die Ilbenstädter weiter die Uhrzeit ablesen können. Aber wo parken die Anwohner und ihre Besucher? Die gut 50 Stellplätze vor dem ehemaligen Klosterhof reichen jetzt schon nicht aus. Denn die Katholische Bildungsstätte im Kloster hat jährlich 16 000 Gäste, und neben der katholischen Kita plant die Stadt einen weiteren Kindergarten. Der Platz vor der Basilika muss für Autos tabu sein, meinte Bauherr Bettinger.

Er bietet eine Tiefgarage mit 46 Plätzen unter den Neubauten an, die durch eine neue Zufahrt von der Hanauer Straße angefahren werden müsste. Eine Frau machte schließlich den weitreichenden Vorschlag, das sanierungsbedürftige Bürgerhaus in das von der Genossenschaft gekaufte Klosterhof-Pächterhaus zu verlegen und die neue Kita ins jetzige Bürgerhaus einzuquartieren. Er werde die Idee Bürgermeister Bernhard Hertel vortragen, kündigte Bettinger an.

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