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Altenstädter Verein setzt sich für schwerstkranke Kinder ein

Hand-in-Hand braucht starke Hände

Eigennutz, Prestige oder gar Ruhm? Für den Verein Hand-in-Hand aus Altenstadt sind das Begriffe wie aus einer anderen Welt. Sein alleiniger Zweck ist es, schwerstkranken Kindern zu helfen.

S eit 2008, dem Gründungsjahr von Hand-in- Hand, hat es sich der Altenstädter Verein auf die Fahne geschrieben, Familien mit krebskranken und schwerstkranken Kindern und Jugendlichen bis zum 28. Lebensjahr zu helfen.

Nicht nur durch Spenden, sondern auch durch andere Unterstützung, etwa bei Behördengängen. Jahr für Jahr leistet der Verein Bemerkenswertes. Von Hand-in-Hand initiierte Spendenaktionen ermöglichen kostenintensive Therapien, helfen Familien bei der Betreuung ihrer kranken Kinder oder finanzieren spezielle Fahrzeuge für den Transport.

Das ist die eine Seite. Die andere ist die Aufrechterhaltung der Vereinsarbeit, die Sorgen bereitet. Geld zur Hilfe wird zwar erfolgreich akquiriert. Doch es fließt ausnahmslos in die jeweiligen Projekte. Für Hand-in-Hand ist die finanzielle Lage schwierig, wie der kommissarische Vorsitzende Sven Schöning und Pressesprecherin Andrea Weber deutlich machen.

Wie würden Sie die Lage des Vereins beschreiben?

Andrea Weber: »Eurem Verein geht es finanziell doch super«, höre ich immer wieder. Dem ist aber leider gar nicht so. Die Reaktion ist jedoch nicht verwunderlich, liest man doch immer wieder von tollen Unterstützungen. Auto finanziert, Badezimmer behindertengerecht umgebaut, Lift installiert, 5000 Euro hier, 13 000 Euro da, 20 000 Euro dort.

Sven Schöning: Das Problem ist folgendes: Der Verein hat - was natürlich gut ist - eine Dimension erreicht, die einen großen Verwaltungsaufwand bedeutet. Spenden für kranke Kinder lassen sich anders beschaffen als Gelder für den Verein selbst. Die Organisation nimmt immer komplexere Strukturen an, und dieser administrative Apparat muss bezahlt werden.

Wie war die Entwicklung des Vereins über die fast 14 Jahre seines Bestehens?

Weber: Der Verein hat sich seit seiner Gründung durch Günther und Hilu Knies 2008 ganz toll entwickelt. Das fing an mit kleinen Festen im eigenen Garten, das »Büro« war im Wohnzimmer, und heute ist es ein gemeinnütziger Verein mit 229 Mitgliedern und sechsstelligen Jahresumsätzen - eine große Erfolgsgeschichte.

Schöning: Als logische Konsequenz dieses Erfolgs wurde der Verein vor ein paar Jahren auf die nächste Stufe gehoben. Die Aufnahme in den Paritätischen Wohlfahrtsverband und die konsequente Erweiterung des Betreuungskonzepts waren die Folge. Zum schnellen Wachstum gehört aber auch eine starke Zunahme des Verwaltungsaufwands.

Spenden für Kinder und deren Familien werden mit großem Elan eingeworben. Hand in Hand ist kein bloßes Motto - Sie leben das. Woran liegt es, dass sich der Verein so schwer tut, wenn er um sein eigenes Überleben kämpft?

Weber: Danke für das tolle Lob. Das hören wir immer wieder, und darauf sind wir als Team sehr stolz. Oberste Priorität hat für Spender, dass ihr Geld dem eigentlichen Zweck - den schwerstkranken Kindern - zukommt. Das sehen wir selbstverständlich genauso. Aber: Hinter vielen Vereinen für krebskranke Kinder stehen Unikliniken, Stiftungen oder die Stadt. Die kommen komplett für alle internen Kosten auf. So etwas würden wir uns auch wünschen.

Schöning: Diesen finanziellen Rückhalt haben wir nicht. Ein fester Betrag, mit dem man regelmäßig rechnen kann, würde uns mehr Freiraum für die weitaus wichtigere Arbeit mit den kranken Kindern und übermäßig belasteten Familien geben. Eine Idee dazu gibt es schon, aber auch die gelingt nur »Hand in Hand«.

Wie hat sich die Arbeit des Vereins verändert? Sie kann auf rein ehrenamtlicher Basis gar nicht mehr geleistet werden, oder?

Schöning: Das gewollte Wachstum sorgt dafür, dass ständig neue Aufgaben dazukommen. Durch die Aufnahme in den Paritätischen Wohlfahrtsverband bekamen wir quasi ein »Gütesiegel«, das uns sorgsame Professionalität abverlangt.

Weber: Rein ehrenamtlich ist das Ganze wirklich nicht mehr zu bewältigen. Die Arbeit ist dafür zu viel geworden. Und nicht jede Aufgabe kann von jedem übernommen werden. Wir beschäftigen zum Beispiel eine Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie führt bei uns viele Gespräche mit den Kindern, aber auch mit den Eltern. Ihre Honorarrechnung wird von der RTL-Stiftung »Wir helfen Kindern« finanziert.

Wie ist der Verein personell strukturiert?

Weber: Kurz gesagt: Es ist wie in fast jedem Verein. Der zehnköpfige Vorstand und ein bis zwei Hände voll Helfern machen die Arbeit.

Schöning: Wir haben auf der Geschäftsstelle vier feste Arbeitsplätze. Das Team in unserem Secondhand-Laden besteht aus fünf Personen, die sich den Dienst aufteilen.

Welche laufenden Kosten belasten vor allem das Vereinsbudget?

Weber: Ich nenne es mal »Lebenshaltungskosten«. Wir zahlen Miete für unsere Räume, plus Strom, Wasser, Heizung, Müllabfuhr, Telefon, Internet, Versicherungen, Büromaterial.

Schöning: Neben unserem Vereinsbus unterhalten wir noch zwei Autos, denn die Zahl der Gespräche bei Familien hat sich deutlich erhöht. Dazukommen Dinge wie Rechts- und Steuerberatung, Mitgliedsbeiträge, etwa im Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Über welche regelmäßigen Einnahmen verfügt Hand-in-Hand?

Schöning: Die Coronakrise hat deutlich gezeigt, dass unser bisheriges Finanzierungskonzept nicht mehr funktioniert, denn von heute auf morgen war der Hand-in-Hand-Veranstaltungskalender leer. Sonst hatten wir weit über 30 Termine im Jahr. Nehmen wir mal geschätzt 500 bis 1000 Euro Einnahmen pro Veranstaltung an, reden wir hier über 15 000 bis 30 000 Euro, die man nicht einfach mal so ersetzen kann.

Weber: Wir hatten tolle Ideen für neue Formate und Projekte. Das treibt einem die Tränen in die Augen, wenn man das alles in die Tonne kloppen kann. Genauso traurig war es, unseren Kinder-Secondhand-Laden für ein halbes Jahr coronabedingt dichtzumachen.

Was auf der anderen Seite toll war: Menschen standen plötzlich vor der Tür, um Geld abzugeben. Da wurden Waffeln gebacken und auf dem Markt verkauft, Kinder haben ihr Spielzeug zu Geld gemacht, und sogar kleinste Familienbetriebe ließen sich etwas einfallen, um uns zu unterstützen.

Womit können Sie denn fest planen?

Schöning: Mitgliedsbeiträge stellen eine feste Größe dar. Unsere Mitgliederzahl von 229 ist aber zu klein, um von »finanzieller Entspanntheit« zu reden. Daher wollen wir 2022 die Mitgliederzahl deutlich erhöhen: 500 zum Jahresende wäre ein großer Erfolg.

Dann sind natürlich die Spendengelder zu nennen, der größte Posten auf der Einnahmenseite. Doch kann man hier nur bedingt von Einnahmen sprechen. Denn die Spenden sind nur für kranke Kinder da. Zweckgebundene Gelder sind für den gemeinnützigen Zweck zu verwenden und zeitnah wieder auszugeben, so steht es im Gesetz. Um die Existenz unseres Vereins zu sichern, braucht es aber auch Einnahmen für den Verein.

Weber: Um es ganz deutlich zu sagen, wenn wir als Verein selbst kein Geld haben, das wir für unser Überleben einsetzen dürfen, dann können wir kranken Kindern auch nicht mehr helfen.

Schöning: Wir gehen sehr sorgsam mit den uns anvertrauten Geldern um. Und wir arbeiten ständig an neuen Ideen, um die Einnahmeseite zu stärken. Ein Beispiel ist ein neues Projekt in Schlüchtern - »Das Kleinod«. Ein kleiner Antiquitäten-Laden mit Nachhaltigkeitskonzept. 50 Prozent der Einnahmen gehen dankenswerter Weise an uns.

Welche neuen Iden gibt es, um die Finanzierung zu sichern?

Weber: In letzter Zeit haben wir Unterstützung von größeren Unternehmen bekommen.

Schöning: Diese Finanzierungsmöglichkeit wollen wir ausbauen. Dafür haben wir uns auch schon etwas überlegt: den Hand-in-Hand-Unterstützungsfonds. Oder einfacher gesagt: ein Sponsoring-Projekt mit dem Ziel, einen weiteren planbaren Betrag zur Verfügung zu haben. Erste Gespräche mit lokalen Unternehmern wurden bereits geführt.

Hat sich Hand-in-Hand auch um eine öffentliche Förderung bemüht?

Weber: Na klar. Ganz oben auf unserer Liste steht die Gemeinde Altenstadt. Wir haben Bürgermeister Norbert Syguda, ein Ehrenmitglied unseres Vereins, die schwierige Situation erklärt. Er hat seine Hilfe angekündigt und will das Anliegen in die entsprechenden Gremien einbringen. Wir versuchen wirklich überall, Hilfe zum Helfen zu bekommen.

Wenn Sie die Leserinnen und Leser direkt ansprechen könnten, was würden Sie ihnen sagen?

Weber: Mir als Pressesprecherin ist die Öffentlichkeitsarbeit natürlich enorm wichtig. Je mehr Leute uns kennenlernen, unsere Arbeit wertschätzen und unsere Situation verstehen, umso mehr dürfen wir auf Hilfe hoffen.

Eine weitere tolle Möglichkeit ist uns auch schon dazu eingefallen: der Hand-in-Hand-Botschafterkreis - eine Gruppe von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und mit ihren Netzwerken unsere Arbeit bekannter machen. Einen ersten Botschafter haben wir schon: Tim Frühling vom Hessischen Rundfunk.

Schöning: Wir freuen uns über jede Unterstützung unserer Arbeit und sind dafür jedem und jeder Einzelnen sehr dankbar. Wenn die Lage es wieder erlaubt, können Interessierte uns natürlich auch immer während unserer Geschäftszeiten in der Stammheimer Straße 2 in Altenstadt besuchen. Da gibt es auch einen Kaffee.

Spendenkonto

Wer den Verein Hand-in-Hand für schwerstkranke und krebskranke Kinder in Altenstadt unterstützen möchte oder dessen Hilfsprojekte, kann das jederzeit tun. Sämtliche Spenden kommen in voller Höhe den kranken Mädchen und Jungen und ihren Familien zugute. Privatpersonen, Vereine und Initiativen können sich engagieren. Das gleiche gilt natürlich auch für Unternehmen. Spenden erreichen Hand-in-Hand e. V. über folgende Bankverbindungen:

VR Bank Main-Kinzig-Büdingen;

IBAN: DE20 5066 1639 0001 6936 20;

Sparkasse Oberhessen

IBAN: DE50 5185 0079 1027 1960 94

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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