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Lehrerin verweigert Schüler den Toilettengang

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Von: Myriam Lenz

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Das Bedürfnis auf Toilette zu gehen, sollte eigentlich keinen Stoff für Diskussionen bieten. An der Limesschule in Altenstadt verwehrte eine Lehrerin einem Schüler den Gang aufs WC. Der Vater wehrt sich. SYMBOL © Red

Wenn es pressiert, pressiert’s. Verweigert die Lehrerin jedoch den Toilettengang wie an der Limesschule in Altenstadt ist das ein Spagat zwischen Schul- und Grundgesetz. Der kann in die Hose gehen.

Der Junge musste mal. Fragte die Lehrerin, ob er auf Toilette gehen dürfe. Die Pädagogin erlaubte es nicht. Der Junge nahm wieder Platz, das Missgeschick nahm seinen Lauf. Mit nasser Hose musste der Elfjährige von der Schule abgeholt werden. Für den alleinerziehenden Vater ist der Vorfall, der sich Freitag, 17. Februar, an der Altenstädter Limesschule abspielte, ein Unding.

Das Beispiel an der Limesschule wirft die Frage auf: Müssen Lehrkräfte ihre Schüler während des Unterrichts auf die Toilette gehen lassen? Es gibt keine konkreten Vorgaben, sagt Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen. »An vielen Schulen gibt es dafür Regeln - die können aber von Schule zu Schule unterschiedlich sein. Zum Beispiel: Die Schüler/innen sollen möglichst in den Zwischenstunden oder in den Pausen auf Toilette gehen.« Dabei mache es natürlich einen Unterschied, ob man mit Grundschulkindern zu tun habe oder mit älteren Schülern oder Schülerinnen, die eher einhalten könnten. »Aber selbst da kann es ›dringende Fälle‹ geben, die die Lehrkräfte dann gehen lassen sollten.« Selbst wenn die Lehrkraft nochmals nachfragt, ob es dringend ist, entspricht das, laut Wesselmann, keinem Verbot. Und natürlich könne dann trotzdem etwas schiefgehen, auch weil vielleicht der Schüler die Situation falsch eingeschätzt habe.

Zahlreiche Anwälte oder auch das Beamten-Info-Portal sehen dagegen eine deutliche rechtliche Marschrichtung: Auf der einen Seite verpflichtet das Schulrecht alle Schüler zur Teilnahme am Unterricht, es sei denn, sie sind davon befreit. Auf der anderen Seite ist im ersten Artikel des Grundgesetzes eine menschenwürdige Behandlung verankert. Darunter fällt auch die Befriedigung dringender menschlicher Bedürfnisse. Das heißt: Wenn es pressiert und ein Schüler wird zum Aufhalten eines dringenden menschlichen Bedürfnisses gezwungen wird, könnte dies sogar zum Vorwurf der Körperverletzung im Amt nach Paragraf 340 des Strafgesetzbuches führen oder gar als Misshandlung von Schutzbefohlenen - Paragraf 171 des Strafgesetzbuches - ausgelegt werden. Bei einem Verbot nimmt der Lehrer billigend in Kauf, dass der Schüler in die Hose macht. Es ist also alles andere als Pipifax.

Rektor bedauert den Vorfall

Mit ihrer Einschätzung, wie dringend, wie glaubwürdig der Wunsch nach dem Toilettengang ist, lag die Lehrerin an der Limesschule falsch. »Wir bedauern zutiefst, dass es zu diesem Ereignis gekommen ist. Selbstverständlich dürfen die Kinder bei uns zur Toilette gehen, sobald sie den Drang verspüren«, schreibt Schulleiter Holger Irnich auf Anfrage dieser Zeitung. Auch eine Nachfrage dieser Zeitung am Gymnasium in Nidda ergibt: Der Wunsch auf Toilette zu gehen, sollte kein Grund für Diskussionen sein. »Wer muss, der darf auf Toilette«, sagt Lehrerin Lisa Hinkel, die für die Öffentlichkeitsarbeit der Schule zuständig ist.

Mit der Scham allein zurechtkommen

Klar ist: Weder simulierte der Elfjährige, noch wollte er sich ein Päuschen verschaffen. Er ging brav wieder an seinen Platz und muss nun seine Scham, die Angst vor einer Wiederholung oder der Reaktion der Mitschüler alleine verarbeiten.

Der Vater hatte, wie er sagte, ein langes Gespräch mit seinem Sohn geführt, ihm gesagt, dass er sich nicht zu schämen brauche und ihn ermutigt, es mit Humor zu nehmen. Sein Junge sei ein selbstbewusster Typ. Und so ließ er die fiesen Sprüche am nächsten Schultag einiger Mitschüler, »ob er seine Windel heute nicht vergessen habe«, an sich abprallen.

Die Lehrerin hatte sich noch am selben Tag beim Vater entschuldigt und eingeräumt, dass sie die Situation falsch eingeschätzt habe. Der Junge hätte ihr nicht gesagt, dass es dringend sei. Die Entschuldigung empfindet der Vater als halbherzig, sie reicht ihm nicht aus. Für ihn steht fest, dass er für seinen Sohn eine andere Schule suchen wird.

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