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Zauberei und Comedy beim »Abend für den Frieden« der Limesschule Altenstadt

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Die »Shining Diamonds« tanzen zum Motto des Abends für die Hilfe der Geflüchteten aus der Ukraine. © Andrea Schinzel

Comedian Boris Meinzer und seine FFH-Kollegin Uta Schmidt moderierten das Programm. Schnell wurde deutlich, dass Ablenkung in diesen Zeiten durchaus guttut.

Altenstadt (asl). In Zeiten, in denen ein Krieg in einem nur zwei Flugstunden entfernten Land den Menschen Tod und Elend bringt, ist es schwer geworden, den Alltag hier sorglos zu gestalten. »Dürfen wir lachen?«, fragt Lucia Puttrich (CDU), Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, beim »Abend für den Frieden« in der Altenstadthalle, einer Benefizveranstaltung zugunsten ukrainischer Flüchtlinge in der Region Altenstadt. Der »Abend für den Frieden« fand auf Initiative des Comedians Boris Meinzer statt. Er hatte den Elternbeirat der Limesschule als Veranstalter gewinnen können. Es gehe darum, ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine zu setzen und Geld für die Unterstützung der Geflüchteten zu sammeln.

Von der Idee zur Tat in drei Wochen

Auf dem von Meinzer und seiner FFH-Radiokollegin Uta Schmidt moderierten Programm stand ein Mix aus Musik, Tanz, Zauberei und Comedy. Und es wurde im Verlauf des Abends deutlich spürbar, dass die Ablenkung durchaus guttat. Die nachdenklichen Worte der Redner erinnerten Mitwirkende wie Besucher, darunter die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl und Limeshains Bürgermeister Adolf Ludwig, immer wieder daran, weshalb sie gekommen waren. »Ja, wir brauchen auch Bilder, die gut sind. Damit wir Kraft tanken, um den Menschen, die Hilfe brauchen, helfen zu können«, gab Puttrich selbst die Antwort auf ihre Frage.

Zuvor hatte sie den Vernichtungskrieg in der Ukraine aufs Schärfste verurteilt. Eine latente atomare Bedrohung sei nicht von der Hand zu weisen. Waffenlieferungen seien noch vor Monaten undenkbar gewesen. Aber Diplomatie allein reiche nicht mehr aus. »Wir können nicht nur beobachten, wir werden den Krieg spüren«. Freiheit habe ihren Preis, sprach sie die wirtschaftlichen Schäden als Folge des Krieges an.

Jörg Grieshaber, Vorsitzender des Elternbeirats der Limesschule, dankte dem Helferteam vom Förderverein der Schule und vielen Eltern, die dem Ruf zur Unterstützung an dem Abend gefolgt waren, Brötchen geschmiert und die Bewirtung übernommen hatten. Die Bäckerei Färber und der Rewe-Markt in Altenstadt hatten die Lebensmittel gespendet und die Gemeinde die Halle unbürokratisch zur Verfügung gestellt. »Eigentlich plant man so einen Abend auf Monate im Voraus. Boris hat mich vor drei Wochen angerufen und mir seine Idee unterbreitet. Wir haben es hingekriegt«, sagte Grieshaber.

Schulsprecher und Abiturient Luca Werner brachte seine Gedanken in einem Poetry Slam vor. »Wir wissen nicht zu sagen, was Krieg wirklich heißt.« Wichtig sei es, niemals zu schweigen und Unrecht zu benennen.

Ludmilla erzählt von ihrer Flucht

Emotional wurde der Abend als Vilena Opel, Ehefrau des Fördervereins-Vorsitzenden Martin Opel, die vor 30 Jahren aus Odessa nach Deutschland kam, eine Geflüchtete interviewte. Ludmilla, die 2014 von Donezk nach Odessa geflohen war, zuletzt nahe Butscha wohnte und seit einigen Wochen bei Familie Opel lebt, gab einen kurzen Einblick in ihre Flucht. Ihr Wunsch sei es, zurück in die Heimat zu kehren. Aber es sei alles kaputt. »Wir haben dort keinen Platz.«

Pater Thaddäus Vos von der katholischen Kirchengemeinde St. Andreas Altenstadt hatte sich »Yesterday« von Paul McCartney für seinen Redebeitrag ausgesucht, sprach und sang von der Hilflosigkeit: »Die Nöte waren weit weg und kamen erst in Form der Bilder und dann der Menschen, die bei uns Schutz suchen, an uns heran.«

Die Veranstaltung eröffneten die Musiklehrer der Limesschule, Eduard Rovner (Akkordeon) und Hans-Peter Müller (E-Piano). Schülerin Paula Markgraf (10 RB) bewies ihr Können am Akkordeon. Magische Momente bescherte der 17 Jahre alte »Magic Laurin« Laurin Kaiser aus Gedern dem Publikum. Die »Shining Diamonds« des Tanzsport- und Carnevalvereins »Aascher Schnooke« aus Eichen erfreuten mit einem Showtanz. Folk-Sängerin Tine Lott sang Stücke von Leonhard Cohen, Bob Dylan und Bob Marley, die zum Thema des Abends passten, wie auch Udo Lindenbergs »Wozu sind Kriege da«.

Frühlingslied aus der Ukraine

Der Frankfurter Mundartpoet Reiner Weisbecker widmete sich musikalisch dem Handkäs, dem »Dahaam, wo jeder sein kann, wie er is« und sang über »Ferz mit Krigge«. Coach und Motivator Holger Gutzeit brachte eine Zusammenfassung zum Thema Energiemanagement. Gerade Menschen, die oft für andere da seien, hätten selten Zeit für sich selbst, mahnte er an. »Passen sie auf sich auf und heben sie Zeit für sich auf.« Boris Meinzer hatte mit den Hitverhörern die Lacher auf seiner Seite.

Einen stimmungsvollen Abschluss bescherten Rovner und Müller dem Publikum mit dem ukrainischen Stück »Shchedryk«, bei uns besser bekannt als »Carol of he bells«, das, obwohl ein Frühlingslied, meist zur Weihnachtszeit erklingt.

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FFH-Moderatorin Uta Schmidt, Comedian Boris Meinzer und die Büdinger Musikerin Tine Lott stellen sich in den Dienst der guten Sache. © Andrea Schinzel

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