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Altenstadts Tafel befürchtet im Herbst einen Anstieg der Bedürftigenzahlen

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Seit Anfang des Jahres leiten Helmut Merten und Lisa van Bonn die Ausgabestelle Altenstadt der Büdinger Tafel. © SEIPEL

Fast 300 Menschen versorgt Altenstadts Tafel mit Lebensmitteln und stößt an ihre Kapazitätsgrenze. Wenn im Herbst die Heizkostenabrechnungen kommen, werde der Bedarf steigen, befürchtet man.

Der Krieg Putins gegen die Ukraine zwingt Menschen in die Flucht, die Inflationsrate treibt die Preise in die Höhe. Das Weltgeschehen wirkt nach unten fort und kommt als Notlage in den Städten und Gemeinden an. Zum Beispiel bei den Tafeln. Viele der insgesamt 58 Tafeln in Hessen haben deshalb einen Aufnahmestopp verhängt.

Auch die Ausgabestelle Altenstadt der Büdinger Tafel unter dem Dach des Evangelischen Dekanates Büdinger Land nimmt aktuell keine neuen Kunden auf. »Das liegt in erster Linie an unserer räumlichen Auslastung und an der Warenknappheit«, sagt Helmut Merten, der seit Beginn dieses Jahres den Tafelladen in der Obergasse 31 im alten Ortskern Altenstadts leitet. »Die Märkte und Discounter disponieren angesichts steigender Preise schärfer«, vermutet Mertens Stellvertreterin Lisa van Bonn, weshalb die Tafel momentan weniger Lebensmittelspenden erhält. Margot Ossowski, die gemeinsam mit Claudia Knies die Ausgabestelle in Altenstadt aufgebaut und 15 Jahre lang geleitet hat, befürchtet derweil einen Ansturm: »Ich denke, wenn die Menschen im Herbst die ersten Abrechnungen für ihre Energiekosten kriegen, steigt die Nachfrage schnell an.« Sie weiß aus Erfahrung: »Wir haben noch viel zu tun.«

Verlässliche

Arbeit im Team

Gut, dass die Verantwortlichen sich auf ihr Team verlassen können. Das funktioniere richtig gut, freuen sich Merten und van Bonn. Mehr als 40 engagierte Leute, die verlässlich Hand in Hand arbeiten. Ehrenamtlich, versteht sich. Jeden Mittwoch ist in der Obergasse Großkampftag. Vier bis fünf Helfer sortieren in der Ausgabestelle die Lebensmittel, die Fahrer seit dem frühen Morgen bei umliegenden Märkten abgeholt haben, in Kisten für die Ausgabe.

200 Frauen, Männer und Kinder aus 82 Haushalten versorgt die Altenstädter Tafel derzeit, die in zwei Gruppen wechselweise mittwochs ab 14 Uhr mit Lebensmitteln bedacht werden. Das Einzugsgebiet entspricht den Gemeinden Altenstadt, Limeshain und Glauburg. Anspruchsberechtigt sind beispielsweise Bezieher von Hartz IV oder von Rente mit Wohngeld. Dazu kommen seit einigen Monaten 85 Flüchtlinge aus der Ukraine, die alle drei Wochen in der Obergasse ihre Lebensmittelkisten abholen können. »Anders wäre das sonst nicht zu schaffen«, sagt Merten.

Um die Körbe für ihre Kunden auch in Zeiten rückläufiger Lebensmittelspenden der Händler gut - »und möglichst gerecht« - füllen zu können, haben Tafelmitarbeiter am vergangenen Wochenende mit der Aktion »Eins mehr ist nicht schwer« vor dem Rewe-Markt in Rommelhausen und dem Tegut-Markt in Lindheim für ihre Sache geworben und um haltbare Lebensmittelspenden gebeten: Wer einkauft, sollte auch einen Artikel für die Tafel in seinen Korb legen. »Das war wirklich herzerwärmend«, berichtet Lisa van Bonn, »eine tolle und erfolgreiche Aktion«. Viele Menschen hätten, je nach ihren finanziellen Möglichkeiten, für die Tafelkunden eingekauft. Auffällig sei gewesen, dass sich gerade jene Menschen, die es nicht »dicke« haben, solidarisch gezeigt hätten.

Überfluss

und Mangel

Die Tafel-Idee ist es, einen Ausgleich zu schaffen zwischen Überfluss und Mangel. Margot Ossowski ist es in diesem Zusammenhang wichtig, mit einem Vorurteil aufzuräumen: »Unsere Aufgabe ist es nicht, die Leute zu ernähren. Wir sammeln einwandfreie Lebensmittel und geben sie zu einem symbolischen Betrag (Erwachsene zahlen in Altenstadt zwei Euro pro Person Anm.d.Red.) an benachteiligte Menschen weiter.«

Eine staatliche Förderung erhalten die Tafeln übrigens nicht. Die anfallenden Kosten für Miete, Treibstoff, Strom, Telefon und Müll würden aus Spenden bestritten, erklärt Helmut Merten. Der Seniorenclub Altenstadt beispielsweise hat seine Kasse nach der Auflösung der Tafel vermacht, Knapp 2 000 Euro landeten so auf dem Konto. »Davon wollen wir unsere alten Kühlschränke ersetzen«, ergänzt Lisa van Bonn. Zu schaffen macht den Verantwortlichen die Altersstruktur der Helferinnen und Helfer. Viele seien schon über 70 und aufgrund ihres Alters weniger belastbar. »Auch ihnen gegenüber haben wir eine Verantwortung«, so Ossowski. Das trifft besonders auf den Pool der Fahrer zu. »Wir wünschen uns dringend Verstärkung«, so Merten, um zuverlässig jeden Mittwoch den Bestand auffüllen zu können.

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