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Altes Krankenhaus in Schotten: Überraschende Wendung

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Die angekündigten Umbauarbeiten sind bisher ausgeblieben. © Stefan Weil

Das Projekt »Altes Krankenhaus« in Schotten hat eine Wendung genommen. Wie Bürgermeisterin Susanne Schaab (SPD) auf Anfrage mitteilt, hat die Stadt den Kaufvertrag zurückgenommen.

Ende September vergangenen Jahres schien bei einem Ortstermin noch alles im grünen Bereich zu sein. Doch jetzt hat das Projekt »Altes Krankenhaus« in Schotten eine überraschende Wendung genommen. Laut Bürgermeisterin Susanne Schaab hat die Stadt den Kaufvertrag zurückgenommen. Das begründet sie im Gespräch mit dem Kreis-Anzeiger mit einem kurzen, aber prägnanten Satz: »Es sind keine Zahlungen seitens des Käufers erfolgt.« Trotz mehrmaliger Mahnungen sei die vertragliche Verpflichtung nicht erfüllt worden.

V or etwas mehr als einem Jahr hatte der Schottener Magistrat dem Unternehmen Körner Immobilien GmbH aus Langenselbold den Zuschlag für den Kauf erteilt. Der Preis betrug 628 000 Euro. »Wir haben leider voll danebengegriffen. Aber das war so nicht abzusehen«, betont die Bürgermeisterin.

B ei besagtem Ortstermin Ende September vergangenen Jahres hatte Firmenchef Alexander Körner angekündigt, dass die umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten noch im Jahr 2021 beginnen sollten. Etwa ein Jahr sollten die Arbeiten dauern, dabei sollten auch Handwerksbetriebe aus der Region zum Zug kommen. Etwa für die Gewerke Heizung und Dach, um in Notfällen schnell Unterstützung erhalten zu können.

Monatelang tut sich - nichts

Der Bauunternehmer hatte für das mehr als 8000 Quadratmeter große Areal in der Karl-Weber-Straße ein Konzept präsentiert, das auch die Bürgermeisterin überzeugte. In dem rund 62 Meter langen und 13,50 Meter breiten dreistöckigen Gebäude mit zusätzlichem Kellergeschoss sollten 21 moderne, barrierefreie und seniorengerechte Wohnungen entstehen. Die sollten zwischen 55 und 100 Quadratmeter groß werden und zwei bis vier Zimmer umfassen. Jeweils eine Wohnung in jedem Stockwerk sollte sogar über 110 Quadratmeter groß werden.

Auch Verkaufspreise hatte der Unternehmer bereits genannt, zwischen 137 500 und 252 000 Euro, und für die größten Wohnungen knapp 300 000 Euro. Das hätte einem Quadratmeterpreis von 2500 bis 2700 Euro entsprochen.

Der Unternehmer war zuversichtlich, genügend Käufer zu finden. »Die Nachfrage nach Wohnraum in ländlichen Regionen ist sehr hoch«, hatte er damals wissen lassen. Insbesondere für Interessenten aus dem Rhein-Main-Gebiet sei sein Angebot verlockend. Auch modernen energetischen Standards sollte das umgebaute Haus genügen - mit einer »dicken Dämmung« von außen und Luft-Wärme-Pumpen als Heizung ohne fossile Brennstoffe. Jede Wohnung sollte auf der südöstlichen Seite in Richtung Schotten einen Balkon bekommen und über einen Laubengang auf der gegenüberliegenden Seite einen Zugang. Schottens Bürgermeisterin sah in den Plänen, barrierefreie Eigentumswohnungen anzubieten, eine zukunftsweisende Nutzung.

Doch aus all den schönen Plänen ist - vorerst - nichts geworden. Eigentlich hatte der Unternehmer den Umbau des Gebäudes im Zuge einer Winterbaustelle angehen wollen, doch wochen- und monatelang waren keine Aktivitäten zu erkennen. Lediglich am Ende des Winters wurden zwei große Baucontainer auf dem Gelände abgestellt, mehrere Bäume gefällt und Bewuchs beseitigt.

Gespräche mit neuem Investor

Laut Schaab gibt es aber bereits einen neuen Investor, der das große Gebäude durch barrierefreie Wohnungen in unterschiedlichen Größen einer neuen Nutzung zuführen will. Die Gespräche mit der Stadt seien schon weit gediehen, berichtet Schaab. Wenn alle Formalitäten geklärt seien, könne möglicherweise noch vor den Sommerferien mit den Umbau begonnen werden. Das Projekt sei nach wie vor sehr interessant für Schotten. »Mich erreichen immer wieder Nachfragen, wann denn die Wohnungen fertig würden«, sagt die Bürgermeisterin.

INFO:

Das Gebäude hat eine fast 100-jährige Geschichte. Einst galt es als erstes »richtiges Krankenhaus« in Schotten. Ende der 1960er Jahre stand es kurz leer. Damals zog das Krankenhaus in die ehemalige Lungenheilstätte um, wo sich heute das vor einigen Jahren neu gebaute Kreiskrankenhaus des Wetteraukreises befindet. In das Haus in der Karl-Weber-Straße zog einige Jahre später ein privat geführtes Alten- und Pflegeheim ein. Danach wurde es von der Schottener Reha, den heutigen Schottener Sozialen Diensten, genutzt. Seit dem Umzug der Einrichtung in das neue Gebäude in Schottens Stadtmitte am großen Parkplatz im Februar 2015 steht das Gebäude leer. Auch die Pläne des chinesischen Managers Yuen Christ, der ein chinesisches Kulturzentrum einrichten wollte, scheiterten. VON STEFAN WEIL

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