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Die Nidda bei Alt-Dortelweil: Anwohner fürchten Kahlschlag an den Ufern, der Wasserverband dementiert.

Dortelweil

Anwohner sorgen sich wegen angekündigter Baumfällungen an der Nidda

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Neue Furcht vor massenhaften Baumfällungen an der Nidda kommt aktuell bei Fluss-Anwohnern in Dortelweil auf. Ganz unrichtig liegen sie zwar nicht. Doch so schlimm wie befürchtet wird es wohl nicht kommen – und es scheint gute Gründe zu geben.

Wenn Shaila Thies den Blick von der Terrasse aus schweifen lässt, überblickt sie direkt vor sich die wunderschöne Landschaft der Nidda. Zwar noch kanalisiert und kerzengerade kommt der Fluss von Gronau her geflossen. Doch Bäume zieren das Gewässer beiderseits. Selbst jetzt im Winter ist unschwer vorstellbar, welch herrlich Idyll hier vor der Kulisse Alt-Dortelweils während der grünen Zeit des Jahres über zu erleben ist.

Shaila Thies, ihr Mann Dieter Kress und die Nachbarn fürchten allerdings, dass dieses grüne Idyll bedroht ist. Schon vor Jahresfrist hatten sie lilafarbene Markierungspunkte an diversen Bäumen entlang des Trampelpfads am Nordufer des Flusses entdeckt. Der Wasserverband Nidda hatte anstehende Fällungen bestätigt – allerdings erst für die nächste Fällperiode. "Jedes Jahr werden hier 20, 30 Bäume gefällt", erzählt Shaila Thies. Sie wohnt seit Jahrzehnten hier. "Überall haben wir jetzt einen freien Blick." Auch "tolle Bäume" wurden umgehauen. Das schade auch der Tierwelt. "Wir haben hier immer weniger Vögel", hat die Dortelweilerin beobachtet.

Termin vor Ort

Anwohner in Dortelweil fürchten massenhafte Baumfällungen am Nidda-Ufer, wie Dieter Kress und Shaila Thies.

Schon vor einem Jahr schlugen die Anwohner deshalb in der FNP Alarm. Es folgte ein Vor-Ort-Termin mit Vertretern des Wasserverbands, der für die Gewächse am Ufer und auf dem Hochwasserdamm zuständig ist, mit der Stadt und der Naturschutzbehörde. Für den Herbst – nach dem Ende der Brut- und Setzzeit – wurde sie terminiert. Mitte November folgte dann ein zweiter Info-Termin. Vergangene Woche gab es einen dritten. Die Besprechungen hätten allesamt nichts gebracht, sagt Dieter Kress. "Jedes Argument, das wir brachten, wurde zunichte gemacht", erinnert er sich. "Man fühlte sich komisch, als Querulant – wie ein kleiner Junge."

Auch Shaila Thies ist ernüchtert nach den Vor-Ort-Terminen. "Den Bürgern wurde nicht entgegen gekommen", findet sie. Lediglich sei die Meinung des Wasserverbands "verfestigt" worden. Vergangene Woche kündigte der Wasserverband an: Noch im Februar fallen die Bäume. Verbandsingenieur Manfred Tunkowski bestätigt das. Allerdings gehe es nur um zehn Bäume und diese würden nur vereinzelt entnommen. Zur Verkehrssicherung seien die Fällungen notwendig, betont er. "Das ist uns von der Versicherung auferlegt."

Gefällt würden "in die Jahre gekommene" Bäume entlang des stark genutzten Pfades sowie im Bereich der Alt-Dortelweiler Nidda-Brücke. Bei einigen der Bäume drohe "Altholzabwurf", andere könnten jederzeit umstürzen. Und am Brückenkopf wüchsen die vier Bäume zu nahe an einen unterirdischen Kanalschacht heran. "Wir müssen hier tätig werden, haben keine Wahl", sagt Tunkowski. "Wir können nicht warten, bis sie umfallen. Es könnte ja gerade jemand darunter vorbeilaufen." An Standorten ohne Publikumsverkehr dürften Bäume auch "ganz natürlich umfallen", betont der Verbandsingenieur – zum Beispiel an Feldrändern. "Dann räumen wir anschließend nur das Altholz weg."

Jährlich geprüft

"Der Wasserverband ist zu forsch unterwegs", findet dagegen Shaila Thies. Vor ihrem Grundstück fiel auch bereits ein Baum. Über Jahre hinweg sei versäumt worden, die Bäume zu schneiden. Das lässt Manfred Tunkowski nicht auf sich sitzen: Jährlich prüfe der Wasserverband die Bäume an seinen 280 Gewässer-Kilometern. Beschwerden gebe es nur sehr vereinzelt. Der Fall in Dortelweil gerade sei, was das betreffe, schon außergewöhnlich.

Denn der Verband entnehme nur vereinzelt Bäume und auch nur, wenn die Verkehrssicherheit in Gefahr sei. Just dieses bedächtige Auslichten sei für die benachbarten, standfesten und oft jüngeren Bäume wichtig. "Dann können diese sich besser entwickeln", erklärt der Verbandsingenieur. Die Lücken seien meist schon nach wenigen Wochen nicht mehr sichtbar, wenn die anderen Bäume wieder Blätter trügen.

Ein "abgestufter Baumbestand" aus Gewächsen verschiedenen Alters sei "ökologisch am wertvollsten", sagt Manfred Tunkowski. "Dann bekommen wir mehr Artenvielfalt." Bei den Anwohnern in Dortelweil allerdings stoßen die Erklärungen auf kein Verständnis. Diese seien "für uns keine nachhaltigen und nachvollziehbaren Argumente, die eine Fällung nötig machen", sagt Shaila Thies. "Das wird jetzt so ein typischer Kahlschlag", ahnt sie. Die Nachbarn aus dem Bereich der Untergasse überlegen nun, eine Bürgerinitiative gegen die Baumfällungen zu gründen. Denn die Anwohnerin fürchtet: "Wenn das jedes Jahr passiert, sind bald alle Bäume weg."

Niddaradweg gesperrt

Wegen Baumarbeiten wird morgen (Dienstag) auch der Niddaradweg zwischen Dortelweil und Gronau gesperrt. Das kündigt die Stadt an. Weder Radfahrer noch Fußgänger kommen dort durch. Umfahren werden kann die Sperrung über die Wege am anderen Niddaufer im Bereich Gronauerhof, Golfplatz, Lehnfurther Weg und via Alt-Dortelweil.

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