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Appell für Frieden in Dauernheims und Ranstadts Kirchen

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Bitte um den Frieden, Absage an Gewalt ist der Inhalt des Lesekonzerts von Inge und Ralf Schneider. © Elfriede Maresch

Um Frieden bitten und ein Zeichen gegen Gewalt setzen, das war die Zielsetzung der beiden Lesekonzerte von Inge und Ralf Schneider in den Kirchen von Ranstadt und Dauernheim.

Ranstadt/Dauernheim (em). Bitte um Frieden, Nein zu Gewalt: Benefiz-Lesekonzerte unter dem Motto »Dona nobis pacem« für das Ukraine-Engagement von »Nidda hilft!« gaben Ralf und Inge Schneider am Samstag in der katholischen Kirche Ranstadt, am Sonntag in der evangelischen Kirche.

Viele Interessierte waren gekommen, darunter auch Geflüchtete aus der Ukraine. Nach dem Gang durch den heißen Sommerabend bot der kühle, abendliche Kirchenraum einen meditativen Rahmen, eine dichte, empathische Atmosphäre baute sich auf.

Schreiben ist ein roter Faden im Leben Inge Schneiders, die als Journalistin, Tanzpädagogin und geistliche Autorin tätig ist. Ihre Eltern erlebten selbst die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und der Flucht. Die Tochter wuchs in einer ökumenisch geprägten Familie auf und ist dieser Tradition treu geblieben. Sie schreibt in Veröffentlichungen beider Kirchen. Konstante in Ralf Schneiders Leben, von Beruf Elektroingenieur, ist Solo- und Chorgesang, Gitarrenspiel, Engagement im örtlichen Gesangverein. Seit Jahren macht das Paar solche Lesekonzerte.

Texte und Musik

gegen Gewalt

Der Kern des aktuellen Programms entstand schon 2015, als die Ankunft vieler Geflüchteter das Elend kriegszerstörter Länder besonders deutlich machte. Traurig genug, dass mit dem Beginn des Ukrainekriegs das Thema aktueller denn je ist. Die kurzen Texte stammen aus Inge Schneiders ökumenischer Publikation »Notizen nach Noten«, der Fastenzeit-Reihe »Auf ein Wort«, sie sind eine Absage an ein einseitiges Gut-Böse-Schema. So die Skizze »Der Feind im Spiegel«, die vom Ärger über die »nervigen, streitsüchtigen« Anderen ausgeht und kippt - wie kann Frieden in der Welt sein, so lang man sich selbst bei nahen Beziehungen als Opfer sieht, das Gegenüber als Feind?

Die Heimatsehnsucht von Caterina Valentes »Wo meine Sonne scheint«, die düsteren Bilder von Peter Maffays »Siehst du die Sonne nicht?« - sorgfältig hatte Ralf Schneider die Lieder gewählt. Das Ziel aufzurütteln, Empathie zu wecken stand im Mittelpunkt, Schrecken und Zerstörung sollte Widerstand entgegengesetzt werden.

So ließ Inge Schneider die Skizze »Von der Kraft des Lachens« folgen, zitierte den Autor Pieter Webeling: »Humor ist nichts weiter als die strikte Weigerung, der Tragödie das letzte Wort zu lassen.« Auch erzählerisch interessant ist die mit wenigen Worten dargestellte Personenkette von »So nah ist mein Nächster«: Das magersüchtige Mädchen, die in Demenz versinkende alte Frau, der kleine Junge, von seinen Eltern abgelehnt, übersehen - niemand sieht ihr Elend, geht solidarisch auf sie zu.

»Mein Land« sang Ralf Schneider, ließ später Reinhard Mays eindringlichen Protestsong »Kai« folgen: Eltern bekommen die Botschaft, ihr Sohn, der als Soldat Hilfsgüter in ein Krisengebiet fliegen sollte, ist versehentlich in den Beschuss der eigenen Leute, in »friendly fire« geraten - ein Verlust, den die Eltern lebenslang betrauern werden, aber: »Es liegt nicht brach, es dörrt nicht aus, das verfluchte Feld der Ehre«. Ein Erfahrungstext folgte. Inge Schneider hatte selbst an einem Friedenscamp im englischen Greenham Common teilgenommen, schilderte eine Szene unter dem Motto »Ein Lied gegen Gewalt«. Nach einem weiteren Lied ihres Mannes ließ sie die Skizze »Begegnung im Maisfeld« folgen. Zwei Soldaten feindlicher Heere stehen sich schussbereit in einem Maisfeld gegenüber - und lassen die Waffen sinken. Fern von der Befehlskette, nicht kontrolliert durch Hierarchien, ist der Wahnsinn des Tötens überdeutlich - jeder geht seiner Wege.

Erinnern an

Kriegsleid

»War ein Land« sang Ralf Schneider und mit »Lichter an der Elbe« erinnerte Inge Schneider an das Lichtermeer beim evangelischen Kirchentag 2011, als sich 150 000 Menschen mit Kerzen in der Hand schweigend an den Ufern der Elbe versammelten, nur der Gesang eines Chors war zu hören - eine Erinnerungsstunde an das Inferno der Zerstörung Dresdens im Februar 1945. Schneiders Mutter war in dieser Nacht um ihr Leben gelaufen, um dem Flammenmeer zu entkommen - eine Erinnerung, die sich in das Familiengedächtnis einbrannte.

Bei Ralf Schneiders Titeln »We shall overcome«, »El Condor pasa« und Cohens »Hallelujah« begannen Zuhörer mitzusingen - es waren die Lieder ihrer Jugend.

Abschließend dankte Kirchenvorsteherin Elke Michel, die eingangs begrüßt und die Ukrainer mit Sätzen ihrer Sprache willkommen hieß, dem Duo für das bewegende Konzert.

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