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Auch am Nidda-Stausee fällt täglich der Wasserspiegel tiefer

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Die Nidda-Talsperre ist ein wichtiges Wasserreservoir, um in Trockenzeiten die abfließende Nidda am Leben zu erhalten. © Stefan Weil

Die fehlenden Niederschläge dsind auch am Nidda-Stausee deutlich sichtbar. Braune Uferränder sind dafür ein anschauliches Zeugnis. Etwa zweieinhalb Meter niedriger ist der Wasserpegel, als es für die Jahreszeit normal wäre.

»In den vergangenen Jahrzehnten hatten wir nur mit Ausnahme von 2021 immer Trockenjahre«, sagt Stauseemeister Armin Hudetz. Von Trockenjahren spricht man, wenn der Niederschlag zehn Prozent und mehr unter dem üblichen Jahresdurchschnitt liegt. Am Stausee sind das 800 bis 850 Liter pro Quadratmeter. Aktuell sind vom 1. Januar bis Mitte Juli erst 303 Liter Regen gefallen.

»Ich denke, bis zum Jahresende wird der normale Jahresdurchschnitt nicht mehr erreicht werden.« Oder gar die Menge, die ein Nassjahr kennzeichnet. Zehn Prozent mehr als der durchschnittliche Niederschlag wären dafür nötig. »So ein richtiges Nassjahr hatten wir schon lange nicht mehr«, so der Mitarbeiter des Wasserverbandes Nidda, der die Anlage betreibt.

Der zu niedrige Wasserstand hat auch Auswirkungen für die Tierwelt im Stauseegewässer. »Viele Weiden am Ufer sind nicht mehr mit Wasser umspült. Ein Schutz für Fische und Amphibien fällt dadurch weg«, so Hudetz.

Vier Zentimeter pro Tag schwindet derzeit der Wasserstand - eine Folge des unausgeglichenen Verhältnisses von Zulauf und Wasserverlust. Nur fünf Liter pro Sekunde fließt aktuell aus der Nidda in den Stausee. »Das ist verschwindend gering«, betont der Stauseemeister.

Stromerzeugung über eine Turbine

Die Läunsbach, der zweite große Zubringer, ist sogar - wie viele andere Bäche auch - komplett ausgetrocknet. Andererseits wird unterhalb der Staumauer pro Sekunde 100 Liter in die Nidda als Mindestmenge abgegeben. »Sonst wäre die Nidda bereits in Rainrod ausgetrocknet. Wir halten das Bachbett am Leben«, betont Hudetz.

Der Wasserabfluss wird zudem über eine Turbine geleitet und so noch Energie erzeugt. Nicht nur die Pflichtabgabe führt zu Wasserverlusten. Die Verdunstung infolge der intensiven Sonneneinstrahlung und die Versickerung sind weiter Faktoren, die für den ständigen Wasserverlust maßgeblich sind.

Zusammen sind das rund 150 Liter pro Sekunde. »Beim Versickern kommt das irgendwann dem Grundwasser zugute. Das ist auch eine wichtige Funktion des Stausees«, sagt Hudetz.

Zeitversetzte Wasserabgab

Bewährt hat sich die Talsperre auch bei dem entgegengesetzten Wetterextrem. Beim »Jahrhunderthochwasser« Ende Januar des vergangenen Jahres wurden große Wassermassen durch den Staudamm aufgehalten. Noch Schlimmeres konnte dadurch für viele Menschen in den Gemeinden entlang der Nidda unterhalb der Talsperre verhindert werden. »In solchen Situationen halten wir das Wasser zurück und geben es dann zeitversetzt wieder ab«, sagt Hudetz.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Nidda-Stausee zu einem beliebten Freizeitzentrum der Region und darüber hinaus entwickelt. Gerade in den heißen Tagen der zu Ende gehenden Woche herrschte Hochbetrieb, wie der Stauseemeister mitteilt.

»Die Talsperre ist als Badesee stark frequentiert.« Nicht nur Schwimmer kommen hier auf ihre Kosten, auch für Wassersport verschiedenster Art ist das angestaute Gewässer ein Eldorado. Segeln, Surfen, Schlauchbootfahren, Tretboot oder Stand-up-Paddeln sind gefragt.

Hervorragende Möglichkeitgen für Sportaktivitäten

Die Qualität des aktuell 24 Grad warmen Wassers ist gut, so Armin Hudetz. Trotz der hohen Temperaturen sei genügend Sauerstoff vorhanden und keine Algenbildung zu erkennen.

Hervorragende Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung bietet auch der knapp fünf Kilometer lange durchgängig asphaltierte Rundweg zum Radfahren, Inline-Skaten, Skirollern, Laufen oder einfach nur zum Spaziergehen.

Der Stausee ist auch Ausgangspunkt für Wanderungen, etwa zu den Mammutbäumen oder zum Alteburgskopf. Der städtische Campingplatz, der in diesem Jahr 50 Jahre alt wird, ist ein Anziehungspunkt für viele Dauer- und Tagesgäste.

2018 wurde der Staudamm mit einem Kostenaufwand von 4,46 Millionen Euro in einer mehrmonatigen Maßnahme saniert. Die Kosten waren nur etwa halb so hoch, wie vor mehr als 50 Jahren bei dem Bau der gesamten Talsperre.

»Durch diese Investition ist die Betriebssicherheit der Anlage mit dem Hochwasserschutz und dem Wasserreservoir in Trockenzeiten für die kommenden Jahrzehnte gesichert«, betont Joachim Arnold, Vorsteher des Wasserverbandes Nidda.

Info: Nidda-Talsperre

Die Nidda-Talsperre hat ein maximales Fassungsvermögen von rund 7 Millionen Kubikmetern. Dann ist eine Fläche von 65 Hektar überflutet. Aktuell sind 3,26 Millionen Kubikmeter Wasser auf einer Fläche von 37 Hektar angestaut. Das normale Sommerstauziel beträgt 4,2 Millionen Kubikmeter.

Die 1970 eingeweihte Stauanlage hat aus wasserwirtschaftlicher Sicht im Wesentlichen zwei Funktionen. Bei Hochwasser wirkt sie als Rückhaltebecken, um Überschwemmungen in den Regionen entlang der Nidda zu verhindern oder abzumildern. Umgekehrt wird in Dürrezeiten durch ständiges Wasserablassen einem Austrocknen der Nidda und damit schweren Schäden für die Ökologie des Gewässers entgegengewirkt.

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