1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Auf dem Herrnhaag gewagt und gewonnen

Erstellt:

Von: Myriam Lenz

Kommentare

myl_Spendenuebergabe_2501_4c_1
Spendenübergabe im Saal der Lichtenburg auf dem Herrnhaag: Andreas Marx von Lotto Hessen (2. v. l.), Gabriele Gillner von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit dem Scheck, Jörg Ladeburg (l.), Bodo Preißer (3. v. r.), Karl-Wilhelm Marth und Bernd Leitner von der Führungsriege des Vereins. © Myriam Lenz

Arbeit ohne ein ersichtliches Ende haben die Freunde des Herrnhaags. Fröhliche Anlässe sind damit ebenfalls verknüpft. Da sind zum einen die Baufortschritte, zum anderen Spenden.

Bereits zum dritten Mal unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Arbeiten am Herrnhaag mit Geld aus der Glücksspirale. Der Verein der Freunde des Herrnhaags erhielt gestern einen symbolischen Scheck über 90 000 Euro.

Das Grafenhaus - oder auch Lichtenburg genannt - ist die älteste erhaltene Modellanlage einer Herrnhuter Niederlassung. »Dieses geschichtsträchtige Gebäude muss erhalten werden und ich finde es toll, wenn Leute einfach die Schaufel in die Hand nehmen. Sie haben von Anfang an sehr viel Arbeit hier reingesteckt«, bemerkte Gabriele Gillner. Sie ist Leiterin des Ortskuratoriums Frankfurt am Main der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die über 260 Projekte in Hessen fördert. Sie sei immer auf der Suche nach Gemeinsamkeiten in den Spielarten der Religion. »Hier kommen Geschichte, Ideen und Gefühle - es gehört sich, dass man sich gegenseitig unterstützt - zusammen.« In den vergangenen Jahren habe sich hier sehr viel getan. Dies sei auch der Grund für diese dritte Spende.

Denkmalpflege ist Nachhaltigkeit

»Frau Gillner hatte bereits beim ersten Mal gesagt, hier muss es weitergehen. Da besteht das Interesse, dass das Projekt zu einem Ende gebracht wird«, erzählte Bodo Preißer, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, und fügt hinzu: »Ich habe mich nicht getraut, ihr zu sagen: Hier gibt es kein Ende.«

Denkmalpflege sei gelebte Nachhaltigkeit und in aller Interesse, führte Andreas Marx, Vertriebsleiter von Lotto Hessen, aus. Damit werde ein Stück Kulturgeschichte, ein Stück Hessen auch für künftige Generationen erhalten. Und dazu brauche es einen langen Atem.

Schaffenskraft scheint auf dem Herrnhaag beheimatet. Bodo Preißer erinnerte daran, dass die Brüdergemeine ab 1738 auf dem Haagberg innerhalb von zwölf Jahren 17 Häuser gebaut hatte. Die Lichtenburg wurde 1744 als Gemein-Haus mit dem großen Saal sowie den Wohnräumen der Familie des Grafen Zinzendorf errichtet. »Die Leute haben sich geplagt, aber fröhlich geplagt«, zitierte er eine Strophe des Herrnhaag-Liedes. Seit Gründung des Vereins begleite dieses Lied von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf Menschen, die nach Herrnhaag kamen, mit anpackten und sogar herzogen. Immer wieder stehe die gegenseitige Ermunterung im Vordergrund: »Wir woll’n uns gerne wagen.« Die Ehrenamtlichen hätten dank ihrer Unterstützer nicht verzagt. Dazu gehöre die Stiftung Denkmalschutz. »Ich hoffe, dass Sie uns noch lange gewogen bleiben«, brachte Preißer seinen Dank zum Ausdruck. Über die Spende freue sich der Verein riesig.

Vierter Bauabschnitt steht jetzt an

Nun befindet sich die Lichtenburg im vierten Bauabschnitt der Restaurierung. Vorstandsmitglied Jörg Ladeburg beschrieb die kommenden Vorhaben. Unter anderem soll im Saal der Brüstungsspiegel ergänzt werden. Dabei wird die Jugendwerkstatt Herrnhaag unterstützen. Auf den Stirnseiten sind die Arbeiten aufwendiger und werden von einem Schreiner erledigt. Die Holzpfeiler müssen ergänzt werden. In den Saalnebenräumen in der Empore wird an der Unterkonstruktion und dem Putz gearbeitet. Im hinteren Treppenhaus fehlen noch Rauchschutztüren. Im Westflügel im Mansardengeschoss ist ein Flur noch nicht durchgängig begehbar. Ziel ist es, zunächst den Südflügel des Hauses fertig zu bekommen, denn dort finden Veranstaltungen statt. Erleichtert sind die Akteure, dass in der unmittelbaren Nachbarschaft Firmen sind, die ihr Handwerk und den Umgang mit der historischen Substanz verstehen.

»Wir wollen uns gerne wagen, in unsern Tagen, der Ruhe abzusagen, die’s Tun vergisst«, dichtete von Zinzendorf. Der Graf blickt von einem Gemälde im Besprechungsraum auf die Köpfe. Über allen Schwierigkeiten und Herausforderungen, die die Vereinsmitglieder erfahren haben, ob Schwamm in den Wänden, die Auflagen des Brandschutzes, oder generell in Anbetracht dieser Mammutaufgabe, steht sehr viel Zuversicht. Keine Frage: Auf dem Herrnhaag geht’s weiter.

Auch interessant

Kommentare