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Auf den Spuren von Ostern

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Der Kirchgarten neben der evangelischen Kirche in Ranstadt schlägt Brücken zwischen Leben und Tod. © Ingeborg Schneider

Der folgende Streifzug durch die Region begibt sich bewusst auf die Suche nach Zeichen der Freude, des Aufbruchs und der christlichen Osterhoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

Zwischen Vogelsberg und Taunus gibt es viele liebevoll angelegte Kirch- und Bibelgärten. Und Werke längst verstorbener oder noch lebender Künstler, die sich des Themas Auferstehung angenommen haben. Das Ergebnis einer Suche nach Zeichen der Freude, des Aufbruchs und der christlichen Osterhoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, ist dementsprechend reichhaltig.

An der evangelischen Kirche in der Ortsmitte von Busenborn, unweit des Hoherodskopfs, befindet sich seit 2010 Hessens höchster Bibelgarten. Auf nur 150 Quadratmetern gibt es rund 90 Blüten-, Heil-, Gewürz-, Nutz- und Färbepflanzen, wie sie im antiken Israel wuchsen, darunter die in der Bibel häufig erwähnten Weizen und Gerste, Weinstock und Granatapfel, Myrte und Olive, aber auch Wildtulpen, Klatschmohn und Kamillenarten. Hinzukommen, ähnlich wie im sehenswerten Mariengarten an der Ortenberger Marienkirche, solche Pflanzen, die sich auf biblische Gestalten und Ereignisse beziehen - Aaronstab, Engelwurz, Marienblatt, Passionsblume und natürlich Osterglocke.

Wendungen, aber keine Sackgassen

Der Bibelgarten zieht Einheimische, Besucher, Pilger, Radfahrer und Wanderer gleichermaßen an, die Bank um die uralte Linde mit der Doppelkrone als Symbol für Liebe, Frieden und Familie verheißt Ruhe und Erholung. Regelmäßig finden Andachten statt. Die Gewürzkräuter des Gartens werden zur Aromatisierung von Tote-Meer-Salzen und Tees verwendet, die man in der offenen Kirche kaufen kann. Der Busenborner Bibelgarten ist Teil des kirchlichen Gartennetzwerks »Hortus Oecumenicus«.

Über die Steinberger Weidenkirche im zarten Frühlingsgrün sowie den Ortenberger Mariengarten führt der Streifzug zum Ranstädter Kirchgarten. Ab dem Frühjahr 2012 entstand dort nach Ideen und Plänen von Ellen Breitsprecher ein Kleinod, das Brücken zwischen Leben und Tod, Natur und bewusster Gestaltung, künstlerischen Skulpturen, Grab- und Mahnmalen schlägt und zu jeder Jahreszeit sowie vielen Anlässen ein neues Gesicht zeigt.

Die ausgedehnte Wiese neben der evangelischen Kirche Nieder-Florstadt beherbergt seit einigen Jahren ein Rasenlabyrinth, dessen Wege mit den für Florstadt so charakteristischen kleinen Basalt-Pflastersteinen begrenzt wurden. Das Labyrinth ist ein vermutlich über 4000 Jahre altes, vorchristliches Symbol, das oft als Sinnbild für das menschliche Leben mit seinen Wegen und Umwegen interpretiert wird.

Positiv, hoffnungsvoll und heilsam kann beim Begehen eines Labyrinthes die Tatsache empfunden werden, dass es wohl unerwartete Wendungen gibt, aber keine Sackgassen. Im Gegensatz zum Irrgarten führt der Weg des Labyrinthes in die Mitte und somit zu einem Ziel. Seit etwa 30 Jahren erleben Labyrinthe in Deutschland eine Renaissance, neue Anlagen wie die in Nieder-Florstadt werden begründet.

2023 feiert die Ilbenstädter Basilika Maria, Sankt Petrus und Paulus ihr 900-jähriges Bestehen. So verwundert es nicht, dass sie mit einem Osterfresko aus dem Jahr 1350 eines der ältesten derartigen Kunstwerke in der Wetterau beherbergt. Der Zustand des Gemäldes ist allerdings schlecht. Erkenntnis bringt erst ein Blick in den von Pfarrer Bernd Richardt anlässlich des Jubiläums herausgegebenen Kirchenführer, der neben vielen Erläuterungen zu den Schätzen des spätromanischen Kirchenbaus auch eine durch den Gemeinde-Katecheten Johannes Braun kolorierte Skizze des Freskos enthält. Grundlage dieser farbigen Darstellung ist wiederum eine Schwarz-Weiß-Pause des Bildes, die im Hessischen Landesarchiv aufbewahrt wird.

Hier erkennt man den Stifter der Basilika, den Ritter, Laienmönch und später heiliggesprochenen Gottfried von Cappenberg (1096/1097 bis 1127), der sich am Ostermorgen zu den drei Frauen am leeren Grab gesellt und gemeinsam mit ihnen aus dem Mund zweier Engel die Botschaft von der Auferstehung Christi vernimmt. Hinzukommt die berühmte »Noli me tangere«-Szene: Die Begegnung zwischen Maria Magdalena und dem Auferstandenen, bei der dieser Maria bittet, ihn nicht zu berühren.

Auferstehung und Himmelfahrt

Quasi aus dem Fresko heraus erhebt sich das moderne Auferstehungsfenster aus dem Jahr 1920. Um den Auferstandenen gruppieren sich die Propheten Hosea und Micha, der Löwenbezwinger Simson und der Prophet Jona, der, vom Wal ausgespien, ins Leben zurückkehrt - in neutestamentlicher Deutung ein Symbol für die Auferstehung.

Ergänzend zu den zum Teil sehr alten Kunstwerken im »Dom der Wetterau« kann man im Eingangsbereich die Geschichte von Passion und Auferstehung auch in Form digitaler Abbildungen von Kirchenfenstern nachvollziehen.

Auferstehung und Himmelfahrt in einem einzigen Bild vereint das Kirchenfenster des Eichelsdorfer Künstlers Rainer Prokasky (1943 bis 2019) in der evangelischen Kirche in Echzell. Entstanden 2011, ist es Teil eines Triptychons und befindet sich direkt über dem Eingangsportal des Gotteshauses. Der Auferstandene erhebt sich, umgeben von einem Regenbogen, in Siegespose gen Himmel und ins Licht der Dreifaltigkeit.

Flankiert wird dieses Motiv von zwei anderen Fenstern mit Symbolen des Abendmahls sowie der Herabkunft des Heiligen Geistes und der Taufe. Die Kirche beherbergt zudem ein (viel besser erhaltenes) Fresko aus dem 14. Jahrhundert.

Als zeitgenössischer Künstler hat sich Jens Dörr-Radewaldt aus Bruchenbrücken auf den Bau von Osterkrippen spezialisiert. Während die sogenannten Fasten-, Passions- oder Osterkrippen mit der Darstellung der letzten Tage Jesu im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreitet waren, weiß Dörr-Radewaldt heute zwar von Herstellern, die Modelle als Massenware anbieten - aber von keinem einzigen Kollegen in der nahen und weiteren Region, der wie er selbst von Hand arbeitet. Der gebürtige Frankfurter bietet seit 2010 in seinem Geschäft »Natürlich Kunst« in der Friedberger Schirngasse Kunstobjekte, Schmuck und Dekoratives aus edlen Hölzern, Steinen und weiteren Naturmaterialien an.

Seine Osterkrippen mit Kreuz und dem leeren Gartengrab sind in diversen Größen, manchmal ergänzt durch einen Engel und ein Licht, zertifizierte »Wetterauer Originale«. Für Grundplatte, Kreuz und Engel verwendet Jens Dörr-Radewaldt Olivenholz aus Bethlehem. Das Grab ist häufig in schwarzer, jahrtausendealter Mooreiche gestaltet. Die Anregung zum Bau von Osterkrippen verdankt er einer Kundin, die vor zehn Jahren als Erste ein solch ungewöhnliches Modell bei ihm bestellte. Heute werden seine Osterkrippen auch nach Berlin und München versandt.

Garten der Begegnung

Derweil herrscht auf der Kinderfarm »Jimbala« zu Füßen des Friedberger Rosentalviadukts reges Treiben bei den jüngsten Wetterauer Künstlerinnen und Künstlern, die sich dort mit dem Filzen bunter Ostereier, dem Formen von Tonhasen und dem Herstellen von Löwenzahnpesto aus dem eigenen Garten auf das Fest vorbereiten. Die »Jimbala«-Beete sind Teil des viel größeren Friedberger »Gartens der Begegnung«, der nicht nur von der Kinderfarm, sondern auch vom evangelischen Dekanat Wetterau, vom Bildungsträger RDW sowie vom Verein »Mensch mach mit« getragen wird, wie »Jimbala«-Gründungs- und Vorstandsmitglied Karin Rogalski erläutert. Sie selbst betreibt einen Färbergarten direkt neben dem kleinen Bibelgarten des Dekanates, der unter anderem bereits von Konfirmandenjahrgängen gepflegt wurde.

Neben den ersten frischen Lauchzwiebeln sieht man dort einen Weinstock sowie sattgrüne Blätter vom Ysop, der in der Passionsgeschichte erwähnt wird. Zum Aufenthalt und zur Mitarbeit im »Garten der Begegnung« ist man jederzeit willkommen, sagt Rogalski. Der Zusammenschluss der verschiedenen Institutionen hat sich Offenheit, respektvolle Begegnung und Austausch, Selbstversorgung und Wertschätzung für die Natur auf die Fahnen geschrieben. VON INGE SCHNEIDER

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