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Aus Liebe zum Gesang

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Die Mitglieder des Männerchors freuen sich auf die Feier zum runden Vereinsgeburtstag. © Aljosha Deen

Gelnhaar (een). Der 140. Geburtstag ist auf jeden Fall ein Grund zum Feiern, dachten sich die Verantwortlichen des Männergesangvereines »Concordia« Gelnhaar. Zwar kein richtiges Jubiläum, aber ein runder Geburtstag. Da die Vereinsgründung am 1. Juli 1882 erfolgte, findet die Feier ebenfalls am 1. Juli im Bürgerhaus in Gelnhaar statt.

Zur Zeit der Vereinsgründung baute man erstmals die Straßen von Gelnhaar nach Bindsachsen und in Richtung Wenings aus. Der damalige Kreisrat Klietsch aus Büdingen soll gesagt haben: »Die Gelnhaarer sind zwar ein armes, aber lustiges Völkchen!« Tatsächlich feiert man seit jeher gerne und ausgiebig im Dorf. Der Heimatbote vom 1. Juni 1912 berichtet über die Feier zum 30-jährigen Vereinsbestehen, das man als großen Waldfests beging. Damals kamen befreundete Gesangvereine der näheren Umgebung zum Singen und Feiern in den Ort. In einem Festzug marschierte man »mit flatternden Fahnen und klingendem Spiel« zum Kirchwäldchen und feierte das Ereignis auf dem Festplatz.

Keine Mühen fürs Singen gescheut

In den ersten Jahrzehnten übernahmen wechselnde, ortszuständige Lehrer die Chorleitung. Ab 1906 leitete Karl Greul den Chor. Eine Unterbrechung bewirkte der Erste Weltkrieg. Als Greul Ende 1919 aber aus englischer Gefangenschaft heimkehrte, ging es mit den Singstunden weiter. Für die gemeinsame Hobby nahm man damals große Mühen auf sich. Karl Greul etwa marschierte damals bei Wind und Wetter nach der Arbeit bei Buderus in Hirzenhain nach Gelnhaar, und leitete die Singstunde. Danach musste er erneut zwei Stunden bis nach Hause marschieren. Er blieb dem Verein viele Jahrzehnte freundschaftlich verbunden, weshalb man ihn zum Gelnhaarer Ehrenbürger ernannte.

Der Zweite Weltkrieg forderte dann einige Opfer unter den Sängern. Auch die Vereinsprotokolle der »Concordia« zu dieser Zeit gingen verloren. Nach dem Krieg musste man in Bezug auf die Vereinsarbeit Wiederaufbau betreiben. Doch schon bald gab es wieder Grund zum Feiern, und zum großen Sängerfest 1952 waren 22 Gesangvereine zu Gast. Der weithin bekannte Chorleiter Adam Gensert führte den Takt-stock von 1954 bis 1996. Der Chor nahm an unzähligen Veranstaltungen teil, organisierte Ausflüge und Kurzreisen, »denn die Männer verließen immer gerne mal ihr Dorf«, ist in der Vereinschronik zu lesen. 1973 etwa ging es mit drei voll besetzten Bussen zum Bundeschorkonzert nach Frankfurt-Höchst, für das sich der Chor über einen Wettbewerb qualifiziert hatte. In dieser Zeit war Heinrich Kromm 32 Jahre lang als Vorsitzender aktiv und eine wichtige Säule des Vereins.

Festwoche zum 100-Jährigen

Das 100-jährige Bestehen feierte man ebenfalls groß. Damals hielt man gemeinsam mit Turnverein (75-jähriges Bestehen) und Fußballverein (50-jähriges Bestehen) eine komplette Festwoche ab. Es gab Sportwettbewerbe, Musik- und Tanzveranstaltungen, Showdarbietungen, einen Pokalwettstreit für Gesangvereine und einen großen Festzug. Nach Adam Gensert übernahm Thomas Löffler als junger, noch unerfahrener Dirigent die musikalische Leitung. Anlässlich des 120. Geburtstags bot man ein hochkarätiges Gala-Konzert. Unter Mitwirkung eines Orchesters waren Stücke der klassischen und neueren Musikgeschichte zu hören. 2005 ging der musikalische Weg des Vereins mit Chorleiter Alexej Gubin weiter und 2007 feierte man mit 18 Gastvereinen das 125-jährige Bestehen. Eines ihrer musikalischen Highlights erlebten die Sänger 2014 in einem Aufnahmestudio des HR, wo man für eine Radiosendung einige »Lieblingslieder« aufzeichnete.

Auch die »Sängerfrauen« blieben nicht untätig und gründeten in den 70er Jahren ebenfalls einen Chor. 1999 formierte sich dann »Cantando«, ein gemischter Chor mit »Concordia«-Sängern und neuen Mitgliedern.

In den vergangenen Jahren musste der Chor den Verlust einiger Sänger durch Krankheit oder Tod verkraften. Trotzdem ist der Hauptchor weiter mit zurzeit 16 Sängern aktiv und hält bei Wettbewerben qualitativ mit den besten Laien-Chören mit. Die Singstunde leitet seit 2019 montags von 20 Uhr bis 21.30 Uhr wieder Thomas Löffler. Seinen Geburtstag feiert der Verein am 1. Juli ab 19 Uhr mit einem Festabend im Bürgerhaus Gelnhaar. Der Eintritt ist frei.

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