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»Außergewöhnliche Leistungen«

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69 Abiturientinnen und Abiturienten der Gesamtschule Konradsdorf verabschiedete man nun im Bürgerhaus Ortenberg. Schulleiterin Birgit Bingel betonte, dass mehr als ein Drittel einen Notenschnitt von unter 2,0 haben. © Oliver Potengowski

Ortenberg (ten). Erstmals nach einer zweijährigen Corona-Zwangspause konnte die Gesamtschule Konradsdorf wieder ihre Abiturientinnen und Abiturienten in einer öffentlichen Feier verabschieden. Schulleiterin Birgit Bingel betonte, dass die Schülerinnen und Schüler trotz der Einschränkungen außergewöhnliche Leistungen erbracht hätten. So hätte mehr als ein Drittel einen Notenschnitt, bei dem eine »Eins« vorne stehe.

69 Abiturientinnen und Abiturienten bestanden in diesem Jahr die Prüfung. Allerdings konnten zwei nicht persönlich an der Feier im Bürgerhaus Ortenberg teilnehmen. Dass man sie über das Internet zuschalten konnte, war ein positives Resultat der Corona-Pandemie.

In ihrer Begrüßungsrede zitierte Bingel eine Reihe negativer Schlagzeilen. Sie zeichneten vielfach ein negatives Bild einer »Generation Corona«, deren »Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigt« sei. Dem stellte sie ihre Erfahrungen mit dem Abiturjahrgang entgegen. 26 der 69 Abiturientinnen und Abiturienten hätten einen »Eins-Komma-Schnitt«, lobte sie. Fünf Schülerinnen sogar ein Abitur mit 1,0. »Das ist ein phänomenales Ergebnis. Sie schafften es, sich auf die Prüfungen zu fokussieren.« Dabei sorge das Landesabitur mit hessenweit denselben Aufgaben für Vergleichbarkeit.

Erfolg für Konzept Gesamtschule

Bingel betonte, dass dieser Jahrgang auch wieder ein Beleg für das erfolgreiche Konzept Gesamtschule sei. Mit 20 Schülerinnen und Schülern entschied sich nahezu ein Drittel, erst nach dem Realschulabschluss das Abitur zu machen. Eine sei mit einem Notenschnitt von 1,0 unter den fünf Besten.

Auch dass die Persönlichkeitsentwicklung der 69 jungen Menschen durch die Pandemie eingeschränkt sei, wollte Bingel nicht bestätigen. Sie habe die Schülerinnen und Schüler nicht nur als eigenständige Persönlichkeiten kennengelernt. Vielmehr könne die Flexibilität, die durch die sich ständig ändernden Bedingungen der Pandemie notwendig war, »in Zukunft von Vorteil sein, wenn Sie Ihre weiteren Ziele, Ihre weitere berufliche Ausbildung angehen werden«. Abschließend forderte sie die Schülerinnen und Schüler auf, im Gegensatz zu pauschalen Urteilen der Schlagzeilenmacher zu differenzieren, auch wenn das mehr Mühe und Zeit erfordere.

Dass sie eigenständige Persönlichkeiten sind, bewiesen einige Abiturientinnen und Abiturienten in einer Aufführung ihres Prüfungsbeitrags im Fach Darstellendes Spiel. In einer gelungenen zehnminütigen Inszenierung setzten sie sich mit dem Druck auseinander, den Schönheitsideale, das soziale Umfeld und das Internet erzeugen. Die Aufführung überzeugte nicht nur durch drastische Wendungen, sondern durch kreative und gelungene Inszenierungsideen.

Glauburgs Bürgermeisterin Henrike Strauch würdigte, dass die jungen Leute trotz schwieriger Bedingungen sehr gute Leistungen gezeigt hätten. Sie forderte sie auf, mit offenem Geist und Augen, Instinkt und Mut durchs Leben zu gehen. Nur so könne man alle Möglichkeiten und Chancen sehen, die sich einem bieten. »Tun Sie das, was Sie vorhaben, nur aus dem Grund, dass Sie es gerne machen und es für wichtig halten«, riet sie. »Schlagen Sie sich nicht mit Arbeiten herum, an die Sie nicht mehr glauben können.«

Etwas Wehmut zum Abschied

Etwas Wehmut schwang in der Rede der Abiturientinnen Jella Kraft und Shakira Perez-Kraft mit. Es sei »eine Zeit voller vieler letzter Male«, stellte Jella Kraft fest. Dazu gehörten auch Abschiede. »Wir werden nicht mit allen in Kontakt bleiben.« Daneben stellten die beiden Hoffnung und die gereiften Persönlichkeiten, von denen Bingel sprach. »Ich hätte gerne mit 16 gewusst, dass das Einzige, was zwischen uns und unseren Träumen steht, die Angst ist und dass man sie nicht füttern darf«, erklärte Shakira Perez-Kraft. Die Abiturienten haben erkannt, dass man »Veränderungen mit Angst bezahlen« muss. Eine Erkenntnis, die man möglichst vielen Menschen, nicht nur Abiturienten wünscht.

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