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Auswirkungen noch ungewiss

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Herchenhainer Höhe: Auch hier zeigte sich die Landschaft Ende März staubtrocken. © Stefan Weil

Der Wintereinbruch zum Monatsende kann nicht darüber hinwegtäuschen: Es war der sonnigste März seit 1951. Und auch einer der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Welche Auswirkungen hat die lange Phase ohne größere Niederschlagsmengen?

Geringe Niederschlagsmengen, dafür reichlich Wind und viel Sonne - der vergangene Monat zeichnet sich vor allem durch eines aus: Trockenheit. Wie sieht es da mit den Auswirkungen aus?

»Die Trockenheit im März hat erhöhte Einsatzzahlen bei den Feuerwehren hervorgerufen«, berichtet der Vogelsberger Kreisbrandinspektor Dr. Jens Holland. Die Zahl der Einsätze hat sich gegenüber den Vorjahren nach seinen Angaben signifikant erhöht. 2022 wurden die ehrenamtlichen Wehren kreisweit acht Mal zu Einsätze auf der Fläche gerufen. Im vergangenen Jahr wurden lediglich sechs Einsätze verzeichnet. »Damit ist die Zahl in diesem Jahr deutlich höher«, so Holland.

Die Gefahr von Waldbränden

Glücklicherweise seien im Wesentlichen nur kleinere und mittlere Flächen von Bränden in Mitleidenschaft gezogen worden. Der größte Flächenbrand ereignete sich am 12. März in Altenschlirf. Hier waren rund 10 000 Quadratmeter in Brand geraten. Das zweite Märzwochenende sei zeitlich der Schwerpunkt gewesen. »Vom 11. bis 13. März gab es die meisten Einsätze«, informiert der Kreisbrandinspektor. Räumlich gesehen hätten sich die Einsatzstellen im Vogelsberger Kreisgebiet verteilt.

»Im März und April ist die Gefahr von Waldbränden ohnehin erhöht«, sagt Hans-Jürgen Rupp, der Leiter des Forstamtes Romrod. »Dann stehen noch das alte Gras und Gestrüpp vom Vorjahr, wdas sich leicht entzünden kann. In diesem Jahr kommt noch die Trockenheit durch die vielen Sonnenstunden hinzu.« Der Oberboden in den Wäldern bis zu einer Tiefe von zehn bis 15 Zentimetern ist stark ausgetrocknet. Nicht unerheblich dazu beigetragen hat der Wind, der meist aus nördlicher und östlicher Richtung an vielen Tagen im März mitunter kräftig geblasen hat. »Die Winde begünstigten auch die Ausbreitung von Brandherden«, ergänzt Feuerwehrchef Holland. Zu den genauen Ursachen konnte der oberste Brandschützer im Kreis in den meisten Fällen keine Angaben machen. »Einzelne Brände standen in Zusammenhang mit Nutzfeuern«, sagt Holland.

Der aktuelle Wintereinbruch zum Monatswechsel hat einen Vorteil. »Die Waldbrandgefahr ist erst einmal gebannt. Wir haben eine geschlossene Schneedecke«, sagt Hans-Jürgen Rupp Ende der vergangenen Woche. In seinem Forstamtsbereich fielen im März rund 20 Liter Niederschlag. Normal sind 60 bis 70 Liter, so dass etwa zwei Drittel der üblichen Niederschlagsmenge ausgeblieben sind. Was das fehlende Wasser für die Vegetation bedeutet, darüber könne man derzeit nur spekulieren. »Das lässt sich noch nicht sagen. Da müssen wir die nächsten Wochen abwarten, wie sich das Wetter entwickelt.«

Auswirkungen könnte es auch auf die Neuanpflanzungen junger Bäume geben. Anfang bis Mitte März haben die Pflanzmaßnahmen begonnen. 130 000 bis 150 000 Pflanzlinge werde in die Waldböden im Forstamt Romrod eingebracht. »Es wird sich im Laufe des Aprils zeigen, wie weit die Maßnahmen erfolgreich sind«, so Rupp. Allerdings - die Startbedingungen seien schlecht gewesen.

Etwas besser ist die Situation in den Hochlagen des Vogelsbergs. Bei einer öffentlichen Pflanzaktion des Forstamtes Schotten auf einer Brachfläche neben dem Skilift an der Herchenhainer Höhe zeigte sich, dass hier die oberen Bereich der Böden gut mit Wasser versorgt sind, wie Amtsleiter Axel Norgall sagt.

Das ist nicht zuletzt dem Wettergeschehen in den Wintermonaten Dezember bis Februar zu verdanken. In den Hochlagen hatte es reichlich geschneit. Ende November betrug die Schneehöhe bereits 20 Zentimeter. Über den Jahreswechsel war die für die Grundwasserneubildung wichtige weiße Pracht komplett verschwunden, aber bis Mitte Februar war die Schneedecke rund um den Taufstein bis auf eine halben Meter wieder angewachsen. Zuletzt kam Neuschnee hinzu.

Auch Hans-Jürgen Rupp hat für die Hochwintermonate eine normale Niederschlagsmenge festgestellt. »Wir hatten in unseren Amtsbereich im Januar und Februar zusammen 160 Liter Schnee und Regen. Das ist sogar leicht über der normalen Menge.«

Das eigentliche witterungsbedingte Problem stecke tiefer in der Erde. »Durch die trockenen Jahre seit 2018 hat sich in einer Tiefe von eineinhalb bis zwei Metern eine sehr harte Schicht gebildet, die kaum noch Wasser durchlässt. Das ist fast wie Beton. Das Wasser kann nicht nach unten abfließen«, betont Rupp. Das zeige sich auch an vielen Gräben und offenen Flächen, wo das Wasser länger stehen bleibt als das früher der Fall gewesen sei. »Darunter leiden vor allem die alten Buchen. Sie haben tief ins Erdreich gehende Wurzeln und können daher aus dem sehr trockenen Bereich nicht mehr genügend Wasser aufnehmen.« Aber auch jüngere Bestände seien schon bedroht. »Wir haben 30- bis 40-jährige Eichen, die langsam absterben. Das bereitet mir Sorgen«, so der Forstamtsleiter.

Entwarnung kann auch Hans-Otto Wack, wissenschaftlicher Berater der Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV), nicht geben. »Die niederschlagsarme Witterung soll sich im Großen und Ganzen auch im April und Mai fortsetzen. »Das wäre dann ein weiteres schlechtes Jahr für die Grundwasserneubildung.« Im hohen Vogelsberg würden die Niederschläge schnell abfließen und kaum noch in den tieferen Erdschichten ankommen. »Zudem sind die Trockenfallstrecken länger als früher ausgeprägt. Das zerschießt auf längere Sicht gesehen den Naturraum. Der Vogelsberg verliert dadurch auch an Attraktivität für den Tourismus«, betont Wack.

Das Problemjahr und fatale Folgen

2018 sei ein großes Problemjahr gewesen. »Die monatelange Trockenheit und dazu die große Hitze mit einem andauernden heißen Wind und dem damit ausbleibenden nächtlichen Feuchtigkeitspolster über den Erdboden haben fatale Folgen. Auch heute ist der Boden in über einem Meter Tiefe noch knochentrocken.«

Um das Wasser zukünftig länger »auf dem Berg« zu halten, empfiehlt der Wissenschaftler das Anlegen von »Vorzeigebiotopen«, wie er betont. Ein gutes Beispiel sei die im Jahr 2019 gebaute Anlage mehrerer Teiche bei Herbstein. »Früher floss hier das Regen- und Oberflächenwasser durch große Gräben schnell ab. Heute sammelt es sich in mehreren miteinander verbundenen Wasserreservoirs. Die gesamte Anlage ist auch ein großes Refugium für die Artenvielfalt.«

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