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Bad Nauheim: »Meine Kunst ist das Sein« - Patrizia Zewe öffnet ihr Atelier

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Von: Kim Luisa Engel

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Künstlerin Patrizia Zewe mit ihren Hunden in ihrer Wohnung in Bad Nauheim. Den Tisch hat sie mit ihrem Motto »Was treibt dich an?« gestaltet. © Kim Luisa Engel

Künstlerin Patrizia Zewe öffnet an diesem Wochenende die Türen zu ihrer Wohnung und darin ihrem Atelier. Unter dem Thema »art and garb«, Kunst und Gewand, zeigt sie gesammelte (Lebens-) Werke,

Von der Bad Nauheimer Stresemannstraße geht es in einen Hinterhof. Der Blick fällt auf das ehemalige Hotel Europäischer Hof. Beim Betreten des Gebäudes fällt auf: Am Ende des Flurs steht ein bemalter Stuhl, darüber hängt ein Bild in ähnlichen Farben. Die Wände des Treppenhauses sind über und über mit bunten Bildern und einigen Skulpturen behängt. Der erste Eindruck: Hier muss eine Künstlerin wohnen.

»Ich habe schon echt viel gemacht«, sagt Patrizia Zewe. Ihre Wohnung im ersten Stock des Hauses spiegelt das wider. Kleine und sehr große Gemälde - selbst gemacht und von befreundeten Künstlern -, Skulpturen, bemalte Möbelstücke, Fotografien und Gewänder hängen und stehen in den Fluren und in allen Zimmern. In Zewes Wohnung befindet sich auch ihr Atelier. Von Freitag, 6. Mai, bis Sonntag, 8. Mai, möchte sie die Türen ihrer Wohnung für Besucher öffnen. »Offenes Atelier - surrounded by art and garb«, also umgeben von Kunst und Gewand, nennt sie das.

Bad Nauheim: Patrizia Zewe öffnet Pforten in eine Traumwelt

»Das ist keine Mode in dem Sinne«, sagt Zewe, die lange Jahre als Stylistin gearbeitet hat. Die Gewänder hat sie auf Flohmärkten gesammelt, einige stammen aus der Zeit, als sie Theater in München eingekleidet hat. »Gesammelte Werke sozusagen, verbunden mit der Malerei.« Auch einige der Kleidungsstücke sind bemalt, hängen neben farblich passenden Bildern. Zum Teil stehen Möbelstücke wie Sessel und Stühle darunter, ebenfalls in denselben Farben gestaltet.

»Die Wohnung ist Kunst«, sagt Zewe. Seit 2019 wohnt die Künstlerin - nach Aufenthalten in Düsseldorf und München - wieder in ihrer Geburtstadt Bad Nauheim. Das offene Atelier ist schon länger in Planung gewesen. Doch dann kam die Pandemie. »Ich habe ein bisschen den Mut und die Vision verloren«, sagt sie. Als Künstlerin sei sie stark abhängig von der Vision, beinahe wollte sie das offene Atelier nicht mehr machen. Doch Freunde aus München hätten sie unterstützt und darin bestärkt.

Bad Nauheim: Fantasie, Begeisterung für Schönes und Selbsttherapie

Jetzt ist es soweit: Am Wochenende öffnet Zewe die Pforten in ihre Traumwelt - ihre Wohnung. Das Konzept: Besucher können während der Öffnungszeiten (siehe Infokasten) einfach bei Zewe in der Stresemannstraße 5 klingeln. Im ersten Stock erwarte sie dann ein Prosecco, Kaffee oder Kuchen sowie eine Führung durch Wohnung und Atelier. Wenn den Besuchern etwas gefällt, können sie es kaufen.

Ein Mal muss ich das alles noch zeigen, hat Zewe sich gedacht. Die Pandemie hat sie nachdenklich gestimmt. Für Kunst und Kultur sei es keine gute Zeit gewesen, alles sei obsolet geworden. Jeder verändere und verkleinere sich, sie habe ein ganzes Leben in ihrer Wohnung. »Im Moment stelle ich das alles infrage«, sagt die 71-Jährige. Vielleicht öffne sie deshalb ihre Türen für die Öffentlichkeit, um »das Kapitel zu beenden und einen anderen Weg zu finden«. Zewe beschreibt ihr Werk als eine Mischung aus Fantasie, Begeisterung für Schönes und als Selbsttherapie. »Mit Kunst kann man das Unsichtbare in sich sichtbar werden lassen.«

Ihr Motto »Leben ist Kunst. Kunst ist Eigensinn. Eigensinn macht Spaß« hat sie schon früh gewählt. Der letzte Satz ist von Hermann Hesse, mit dem sie sich identifiziert. Zewe definiert sich auch über den Satz: »Jedes Ding wird zur Kunst, wenn es eigen ist.«

Bad Nauheim: Kreativität stammt vom Hintergrund in der Mode

Ihre Kreativität, glaubt Zewe, kommt von ihrem Hintergrund in der Mode. Als Marion Patrizia Pfeffer wurde sie in eine Bad Nauheimer Mode-Dynastie hineingeboren. Ihre Eltern führten das Modehaus Pfeffer in der Parkstraße. »Ich bin zwischen Kleidern geboren, habe zwischen Stoffen gesessen, damit gespielt«, sagt sie. Schon früh habe Zewe gemerkt, dass das Leben sinnlos sei - sie den Sinn aber selbst finden müsse. »Das hat mir meine Großmutter vorgelebt, den Selbstentwurf des Lebens.« War es doch ihre Großmutter Christine Pfeffer, die einst die Mode in die Kurstadt brachte.

Man muss eigene Möglichkeiten finden und diese ausgestalten, sagt Zewe. Das tut sie in ihrer Kunst. Und doch sehe sie das manchmal zwiespältig. Man wolle sich selbst nicht so wichtig nehmen, aber wie soll man sich der Welt präsentieren? »Alles, was man zeigt, kann gegen einen verwendet werden«, sagt Zewe. Doch sie entscheidet sich dafür, das Leben mit Kunst zu bewältigen, weil »es einfacher ist.«

Das Ergebnis können Interessierte beim offenen Atelier in ihrer Wohnung sehen. Je nachdem wie das ankommt, möchte Zewe weitere Termine anbieten. Sie sagt: »Mein ganzes Leben ist Kunst. Meine Kunst ist das Sein.«

Info: Öffnungszeiten

Künstlerin Patrizia Zewe öffnet ihr Atelier in der Bad Nauheimer Stresemannstraße 5 an folgenden Tagen:

Freitag, 6. Mai: 19 bis 21 Uhr

Samstag, 7. Mai: 15 bis 19 Uhr

Sonntag, 8. Mai: 15 bis 19 Uhr

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Im Flur von Zewes Wohnung wird der Name ihres offenen Ateliers »art and garb« - Kunst und Gewand - lebendig. © Kim Luisa Engel

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