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Die BI Therme, vertreten durch Günter Hofmann, Gisela Steller und Albert Scherer (von rechts), überreichen die Unterschriften an Bad Nauheims Stadtverordnetenvorsteher Friedrich-Karl Feyerabend.

Bad Nauheimer Thermalbad

6100 wollen, dass Therme bleibt

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Zwei Ordner mit insgesamt 6100 Unterschriften von Bürgern für die Sanierung des mittlerweile geschlossenen Bad Nauheimer Thermalbads hat die BI Therme am Park gesammelt. Sie wurden in der Stadtverordnetensitzung übergeben. Diese Zusammenkunft ist am Donnerstagabend auch aus anderen Gründen anders als üblich verlaufen.

Gisela Steller wartet vor der Bad Nauheimer Trinkkuranlage auf ihre Mitstreiter von der BI Therme am Park, die zwei dicke Mappen an Parlamentschef Friedrich-Karl Feyerabend (CDU) überreichen wollen. Enthalten sind 6100 Unterschriften von Thermalbad-Nutzern, die sich für eine Sanierung des geschlossenen Schwimm-Tempels aussprechen – auch, wenn von der Politik längst ein Neubau beschlossen wurde.

Gleich beginnt die Stadtverordnetensitzung. Die Stimmung dort ist etwas anders als sonst, schließlich hat die Grünen-Fraktion zwei Tage zuvor mit der CDU gebrochen (die FNP berichtete). Streit ist etwas, das Gisela Steller nicht will – womit die BI übrigens auf einer Linie mit der Bevölkerung sei, wie die Seniorin erklärt.

Mit ihrem Lächeln strahlt die zierliche Dame Harmonie aus, wobei ihre Stimme indes energisch ist: „Es ist ein letztes Aufbäumen, um die Parlamentarier zur Einsicht und Einigung zu bringen – zum Wohl von Bad Nauheim.“ Der BI sei zwar bewusst, keine direkte Handhabe zu haben, man wolle aber trotzdem die Stimmen der Bürger hörbar machen.

Die Unterschriften, fährt Kollege Albert Scherer fort, hat die BI seit September 2014 vor der Therme gesammelt, was sie mit Schützenhilfe des Verwaltungsgerichts Gießen durchsetzen konnte. Scherer ist Architekt, hatte den Sanierungsvorschlag der BI erarbeitet. Die Gruppe betritt nun den Saal, wo Parlamentschef Feyerabend die Unterschriften entgegennimmt.

Die Themen der Sitzung sind allerdings andere. So geht der Grünen-Fraktionsvorsitzende Martin Düvel ans Pult. Er erwähnt das Scheitern der schwarz-grünen Koalition nicht – aber den Anlass: „In der Sondersitzung des Verkehrsausschusses von Dienstag wurde mehrheitlich beschlossen, das Thema Tempo 30 erst nach der Kommunalwahl zu debattieren.“ Es geht weiter mit der Frage nach sozialem Wohnungsbau im geplanten Baugebiet Bad Nauheim-Süd, das die Stadt zwischen der Friedberger und der Homburger Straße entwickeln will.

Dort sollen Geschosswohnungen und Einfamilienhäuser entstehen. Die SPD beantragt, stattdessen verdichtete städtische Bauweise zu schaffen und 30 Prozent für den sozialen Wohnungsbau vorzusehen. „In Bad Nauheim wurden in den letzten Jahren fast ausschließlich Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen geschaffen“, bemängelt Johannes Krautwurst.

Bürgermeister Armin Häuser (CDU), der mit seiner Fraktion zerstritten sein soll und „bewusst“ ein grünes Hemd trägt, weist ihn auf die 350 Sozialwohnungen der Wohnungsbaugesellschaft hin. Tenor der übrigen Redner: Die Sache ist wichtig, sollte aber nicht übers Knie gebrochen, sondern mit dem Aufstellungsbeschluss verbunden werden, der in Kürze gefasst wird. Die einzigen, die sich diesmal nicht zu Wort melden, sind die Grünen. „Grundsätzlich sehen wir es ähnlich wie die Sozialdemokraten“, sagt Fraktionschef Düvel später gegenüber der FNP.

Die Senioren der Bürgerinitiative folgen dem Geschehen der Sitzung von ihren Plätzen aus, wo sie vom Workshop zum Thermen-Raumprogramm hören, der in Kürze beginnen solle. Hinausbegleitet werden sie am Ende vom 39-jährigen Christian Kallenbach aus Altenstadt, der sie mit Web- und Facebook-Seite unterstützen will. „Eventuell wird man noch mehr von der Bürgerinitiative hören“, sagt er.

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