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So ist es gewesen: Marcus Meyer und Werner Müller (von rechts) erzählen Anne-Bärbel Blähs-Eiser ihre Geschichten.

Deutsche Stiftung Organtransplantation und Gesundheitsminister

Auszeichnung für Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik

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Transplantation ist der Kerckhoff-Klinik Herzenssache, um Schwerstkranken neue Perspektiven zu geben. Für seinen Einsatz wurde das Krankenhaus durch die Deutsche Stiftung für Organtransplantation (DSO) und das hessische Gesundheitsministerium ausgezeichnet. Bei der Feierstunde äußerten sich auch Betroffene zu ihren Erfahrungen.

Gebannt sitzen Marcus Meye und Werner Müller in der ersten Reihe bei der Feierstunde, zu der die Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik, Deutsche Stiftung für Organstransplantation (DSO) und das hessische Gesundheitsministerium eingeladen haben. Meye ist Herztransplantierter, Müller Ehemann einer verstobenen Organspenderin. Sie lauschen der geschäftsführenden Ärztin der DSO, Ana Paula Barreiros. Sie erklärt, warum die Stiftung und Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) die Klinik gemeinsam auszeichnen.

„Uns beeindruckt, wie in Bad Nauheim ein Zusammenspiel von Organspende und Organtransplantation besteht.“ Zum einen liege das an Manfred Richter, Leiter des Transplantationsprogramms, der sich des Themas seit Jahren intensiv annehme. Er zeige besonderen Einsatz, werde von der Klinikleitung sehr unterstützt. Sein Team setze sich ebenso ein. Weiterer Grund sei ein bestimmter Anlass, so die DSO-Ärztin weiter, die den Fall eines Patienten schildert, der in Bad Salzhausen im Krankenhaus lag und hirntot war. „Dort konnte das Organ nicht entnommen werden“, erzählt sie. Die Kerckhoff-Klinik habe geholfen und diesen Patienten aufgenommen, obwohl gerade kein Intensivbett frei gewesen sei.

Platz im Aufwachraum wurde geschaffen, Mitarbeiter kamen außerhalb ihrer Dienstzeit und versorgten den hirntoten Patienten. Tags darauf wurde ein OP-Saal von Routine-Operationen freigehalten, um das Organ zu entnehmen. „Vierzehn Stunden wurde der Verstorbene außer der Reihe durch das Personal betreut“, lobt Barreiros.

Meye und Müller gehen aufs Podium, wo sie ihre Geschichten schildern. Während das Bild der verstorbenen Beate Müller eingespielt wird, erzählt ihr Ehemann von den traurigen Tagen, als die 52-Jährige eine Hirnblutung erlitt und daran starb. Der heute 64-Jährige wusste, dass seine Frau Organspenden befürwortet hatte, weshalb er seine Zustimmung zur Organentnahme gab. Später bekam er einen anonymisierten Brief mit der Mitteilung, dass es den fünf Organempfängern gut gehe. Bewegt blickt Müller nach oben, so wie er damals zum Himmel schaute und sich sagte: „Mein liebes Mädchen auf Wolke sieben, du hast noch Menschen geholfen.“

Meye war 27 Jahre alt, als er eine Grippe verschleppte und im Zusammenwirken mit einer Vorbelastung schwer am Herzen erkrankte. Ein Jahr lang lebte er in der Kerckhoff-Klinik auf der Überwachungsstation mit einem Herzunterstützungssystem und wartete auf ein Spenderorgan. Wie der 32-Jährige der FNP erzählt, war damals der Organspende-Skandal ein großes Thema, worauf die Spenderbereitschaft schlagartig zurückgegangen war. Er habe große Angst gehabt, doch Transplantationsarzt Richter habe ihn beruhigt.

An den Moment, in dem er realisierte, dass die Verpflanzung bevorstehe, kann er sich noch gut erinnern. „Die Krankenschwester kam spätabends und sagte mit bebender Stimme, dass sie mir Blut abnehmen müsse.“ Sie durfte nicht sagen, weshalb, doch ihm sei klar gewesen, warum. Er habe gezittert, seine Eltern angerufen. Kerckhoff-Chirurg Tibor Ziegelhöffer musste das Spenderherz noch in der Entnahmeklinik holen, Richter und Chefarzt Thomas Walther operierten ihn. In den ersten zehn Tagen sei es zu Komplikationen gekommen, doch nun sei alles in Ordnung.

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