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Viele Baufirmen sind auf Monate ausgebucht ? und die Preise steigen ständig. Das beeinträchtigt auch die kommunalen Finanzen, wie sich am Beispiel Bad Nauheim zeigt.

Hohe Kosten

Bauboom macht Kommunen zu schaffen

Wie heißt es so schön: In der Marktwirtschaft bestimmen Angebot und Nachfrage die Preise. Die Grundregel stimmt, wie der aktuelle Bauboom zeigt. Nicht nur private Hausbesitzer haben Probleme, überhaupt noch einen Handwerker zu finden und das nötige Geld aufzubringen, um die gesalzene Rechnung bezahlen zu können. Gleiches gilt für die Kommunen. Das Beispiel Bad Nauheim.

Seit Jahren werden die Handwerkerpreise ständig angehoben, besonders im Baugewerbe. 2018 wurde die größte Steigerung seit zehn Jahren erzielt. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, in einem überschaubaren Zeitraum eine qualifizierte Firma für einen Auftrag zu finden. Über diese Entwicklung stöhnen nicht nur private Bauherren oder Hausbesitzer, auch Kommunen leiden darunter.

Beispiel Kita Lee Boulevard. Die Tagesstätte braucht einen Anbau, weil der Turn- und Mehrzweckraum für andere Zwecke benötigt wird. Die Stadtverwaltung kalkulierte mit Kosten von 240 000 Euro – das schien ein stolzer Preis zu sein. Doch dieser Haushaltsansatz reichte bei Weitem nicht aus. "Wir mussten 33 Prozent draufsatteln und zahlen letztlich 320 000 Euro", sagt Erster Stadtrat Peter Krank (parteilos). Mit einem solchen Betrag konnte vor Jahren ein kleines Einfamilienhaus errichtet werden.

In kürzeren Abständen

Beim Kita-Anbau seien die Kosten lange vor der Auftragsvergabe berechnet worden. "Die Preissprünge erfolgen in immer kürzeren Abständen", erklärt der Kämmerer. Nicht selten liegen Angebote für Bauaufträge deutlich über dem Ansatz, der im Haushalt steht. Dann greift die Verwaltung oft auf eine Neuausschreibung zurück. Etwa beim Umbau des ehemaligen Balneologischen Instituts zur Musikschule, wo sich die Suche nach Firmen für zwei Einzelaufträge in die Länge zog. Das kann zu Verzögerungen bei der Fertigstellung führen und belastet die Verwaltung mit Zusatzarbeit.

Auch in Sachen Musikschule ist eine deutliche Überschreitung der kalkulierten Kosten nicht auszuschließen. Vorsorglich hat die Politik die Mittel im Etat um 250 000 Euro erhöht. Bei der Debatte über die Finanzierung des Umbaus fand Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, deutliche Worte zur Lage in der Branche. "Manche Baufirmen überziehen völlig. Die Preise sind nicht angemessen." Das betreffe weniger Großaufträge, wie etwa im Straßenbau, sondern kleinere Vergaben. Teilweise lägen die Angebote sogar um 100 Prozent über der Kalkulation.

Neu ausschreiben

Manchmal bringt die Neuausschreibung das gewünschte Ergebnis, etwa bei der Sanierung der Usabrücke am Sprudelhof. Im zweiten Anlauf lag das günstigste Angebot um 100 000 Euro niedriger als im ersten. Die längere Dauer des Verfahrens führte in diesem Fall aber ebenso zu einer Verzögerung wie bei der Instandsetzung des Windmühlenturms zwischen den Gradierbauten IV und V. Für diese Arbeiten hatte die Verwaltung 160 000 Euro angesetzt, die Preisvorstellungen der Firmen, die sich um den Auftrag bemühten, lagen zunächst weit darüber. "In unserer Verwaltung sitzen Fachleute, die sich auf dem Markt auskennen und entsprechend kalkulieren. Wir wissen ja, dass es teurer wird und die Preise immer weiter steigen. Als Kommune sind wir aber verpflichtet, den realen Wert einer Leistung abzubilden", sagt Erster Stadtrat Krank. Schließlich gehe es um Steuergelder.

Allerdings sei die Nachfrage so hoch, dass sich die Handwerker aussuchen könnten, welchen Auftrag sie annehmen. "Früher haben sich Firmen gegenseitig unterboten. Meist gab es acht bis zehn Bewerbungen. Heute sind es zwei oder drei, manchmal nur eine", betont Krank. Wie bei der Instandsetzung der Volkssternwarte auf dem Johannisberg, kann das erhebliche Verzögerungen verursachen. Dort war die Suche nach einer Firma für Holzarbeiten ergebnislos verlaufen. Nur ein Betrieb hatte ein Angebot abgegeben – nach Ansicht der Stadt überteuert. Erst der zweite Anlauf war erfolgreich. Die Neuausschreibung trug mit dazu bei, dass die Sanierung nicht, wie vorgesehen, im August, sondern erst im Dezember 2018 abgeschlossen wurde.

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