Missliche Lage

Besucherin wird im Bad Nauheimer Inhalatorium eingeschlossen

Die ewigen Zweifler glauben nicht daran, doch der regelmäßige Besuch des Bad Nauheimer Inhalatoriums im Gradierbau I in der Zanderstraße stärkt tatsächlich Lunge und Bronchien. Der Name "Meeresbrise", den die Stadt dem Bauwerk aus Holzbalken und Schwarzdorn verpasst hat, ist passend. Zu den Stammgästen gehört Rosemarie A. (Name ist der Redaktion bekannt) aus Friedberg, die den Aufenthalt in der salzhaltigen Luft als "einzigartig vitalisierend" empfindet. Kürzlich hatte die Dame einen Kurzbesuch geplant, erst um 17.45 Uhr traf sie am Gradierbau I ein. Die nette Mitarbeiterin an der Kasse ließ Kurkarten-Inhaberin Rosemarie A. rein, obwohl das Inhalatorium um 18 Uhr schließt.

Die ewigen Zweifler glauben nicht daran, doch der regelmäßige Besuch des Bad Nauheimer Inhalatoriums im Gradierbau I in der Zanderstraße stärkt tatsächlich Lunge und Bronchien. Der Name "Meeresbrise", den die Stadt dem Bauwerk aus Holzbalken und Schwarzdorn verpasst hat, ist passend. Zu den Stammgästen gehört Rosemarie A. (Name ist der Redaktion bekannt) aus Friedberg, die den Aufenthalt in der salzhaltigen Luft als "einzigartig vitalisierend" empfindet. Kürzlich hatte die Dame einen Kurzbesuch geplant, erst um 17.45 Uhr traf sie am Gradierbau I ein. Die nette Mitarbeiterin an der Kasse ließ Kurkarten-Inhaberin Rosemarie A. rein, obwohl das Inhalatorium um 18 Uhr schließt.

"Ich machte es mir in der ersten Nische links gemütlich, schloss die Augen und entspannte", erzählt die Friedbergerin. Von der Aufsichtsperson blieb sie dort bei deren Kontrollgang "versehentlich unbemerkt", wie die Stadtverwaltung wissen lässt. Als sich die innere Uhr von Rosemarie A. meldete, war es bereits 18.20 Uhr, die Tür der Kammer verschlossen. Was tun? Zunächst rief die Dame laut, um auf sich aufmerksam zu machen – und wurde jenseits der Schwarzdorn-Wand tatsächlich erhört.

Die Passantin suchte allerdings vergeblich nach der Dame mit dem Schlüssel, eine Notrufnummer war auch nirgends zu finden. Dann startete Rosemarie A. einen Befreiungsselbstversuch. Am Gradierbau gibt es nämlich einen Nebeneingang, der zwar mit einem drei Meter hohen Holzgitter verschlossen ist, das man aber überwinden kann – theoretisch. Der Kletterversuch misslang, die Friedbergerin entschloss sich, den roten Notrufknopf zu drücken. "Er löste nur ein blaues Blinken am unbesetzten Kassenhäuschen und ein nicht allzu lautes Pfeifen aus", schildert Rosemarie A. die Wirkung. Zum Glück hatte sie ihr Handy dabei, konnte die Polizei und ein befreundetes Arztehepaar, das in der Nähe wohnt, benachrichtigen.

Die Hoffnung auf schnelle Befreiung aus der misslichen Lage erfüllte sich allerdings nicht. Es wurde Nacht und immer kälter. Rosemarie A. bekam in der Kammer, in der ständig das Solewasser von den Wänden rieselt, nasse Füße, begann zu frieren. Als erste Unterstützerin traf die befreundete Adelheid Deuser ein, wenig später der Grünen-Stadtverordnete Martin Düvel. Er schien die Erlösung zu bringen. Düvel, der sich zufällig in der Nähe aufhielt, hatte nämlich eine Leiter dabei, um Landtagswahlplakate seiner Ehefrau und Grünen-Kandidatin Brigitta Nell-Düvel aufzuhängen. Doch die Leiter erwies sich als zu kurz.

Inzwischen waren zwei Polizeibeamte aufgetaucht, die mit Taschenlampen vergeblich nach einer Notrufnummer suchten. Eine Wärmedecke für die durchgefrorene Rosemarie A. oder einen Schraubenzieher, um das Türschloss abzuschrauben, hatte die Streife nicht dabei. Düvel konnte immerhin mit Decke und Jacke aus seinem Auto aushelfen. "Er hat sich wirklich rührend um mich gekümmert", sagt die Friedbergerin. Einen Kreuzlochschraubenzieher holte Annemarie Deuser, der verrostete Türriegel ließ sich damit allerdings nicht lösen.

Laut Rosemarie A. entfernten sich die Polizisten schließlich mit der Aussage, sie würden sich kümmern. Das war allerdings nicht mehr nötig. Denn Düvel kam auf die Idee, bei seiner Frau nachzufragen, ob sie als ehemalige Erste Stadträtin von Bad Nauheim noch über Telefonnummern des Bereitschaftsdienstes verfüge.

Das führte zum Ziel. Bauhof-Mitarbeiter Jürgen Schmidt hatte am Sonntagabend Notdienst, eilte herbei und konnte die Frau befreien. Vom Ehepaar Deuser wurde sie mit Leberwurst- und Käseschnittchen samt hervorragendem Rotwein schnell wieder aufgepäppelt. Dramatisieren möchte Rosemarie A. den Vorfall nicht. Hätte sie ihr Handy nicht dabei gehabt, wäre es allerdings wirklich ungemütlich geworden.

Bei besonders sensiblen oder gesundheitlich geschwächten Personen, beispielsweise mit einem Herzfehler, wären ihrer Ansicht nach schlimme Folgen denkbar gewesen. "Kann sich die Stadt mangels Vorsorge eine Leiche im Inhalatorium leisten?", fragt die Friedbergerin.

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