Sind stolz auf die Neuerscheinung (von links): Autorin Barbara Hauck und Verlegerin Beatrix van Ooyen.
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Sind stolz auf die Neuerscheinung (von links): Autorin Barbara Hauck und Verlegerin Beatrix van Ooyen.

Barbara Hauck erzählt in „Capriolen“

Das Doppelleben des Großherzogs

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Im Vorfeld des 150. Geburtstags von Großherzog Ernst Ludwig und der zweiten Ernst-Ludwig-Buchmesse in Bad Nauheim präsentiert der dortige Booy-Verlag ein neues Buch. In Barbara Haucks Werk „Capriolen“ geht es um Ernst Ludwigs Liebesbeziehungen zu Männern.

„Ich habe in Darmstadt Jugendstilführungen gemacht und gemerkt, dass die Leute am Privatleben der historischen Persönlichkeiten interessiert sind“, schildert Barbara Hauck, wie sie auf die Idee zu ihrem Buch „Capriolen. Die Männerfreundschaften des letzten hessischen Großherzogs Ernst Ludwig“ kam.

Damals recherchierte die frühere Lehrerin und Redakteurin im Internet und erhielt so Hinweise auf die geheimen Männerbekanntschaften Ernst Ludwigs, der in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden wäre. Sie hörte sich um, wollte mehr wissen. „Dann habe ich angefangen zu recherchieren“, erzählt die Griesheimerin. Sie griff dabei auf Archive zurück. „Fast eineinhalb Jahre habe ich mich informiert, dann ein Jahr nachts geschrieben und ein halbes Jahr gebraucht, um Bilder zusammenzutragen.“ Drei Jahre dauerte die Arbeit, die von Rezensenten positiv aufgenommen wurde – mit einer Ausnahme: der regionalen Internetzeitung „Der Neue Landbote“. Chefredakteur Bruno Rieb fragt: „Warum ein Buch über Liebesbeziehungen, die heute längst nicht mehr verboten sind? Wen interessiert das heute noch?“

Hauck sieht das anders: „Ernst Ludwig ist vor 80 Jahren gestorben, er führte ein Doppelleben, was in zeitgenössischen Büchern nie zum Thema gemacht wurde.“ Es sei an der Zeit, den privaten Ernst Ludwig kennenzulernen. „Es ist wichtig, um die Person zu verstehen“, erläutert sie.

Skandalöse Scheidung

Ziel war es auch, seine erste Gattin Victoria Melita zu „rehabilitieren“. Denn ihr wurde nachgesagt, während der Ehe ein etwas zu starkes Interesse an einem russischen Adligen namens Kyrill gehabt zu haben. Das Paar ließ sich 1901 scheiden – damals ein Skandal. „Victoria Melita war vor der Ehe mit Kyrill zusammen und musste Ernst Ludwig auf Vermittlung der englischen Königin Victoria heiraten.

Das wäre auch gutgegangen, wenn sie ihn nicht mit einem Küchenjungen im Bett erwischt hätte.“ Sie habe sich gesagt „So geht’s nicht“ und sich scheiden lassen. Wäre die Sache herausgekommen, sagt Hauck, hätte der Großherzog verurteilt werden können, denn Homosexualität war nach dem diskriminierenden Paragrafen 175 damals noch strafbar.

Alle Informationen hat Hauck mit Fußnoten und Quellen belegt, auch die Informationen zu dem Gedicht-Album von Ernst Ludwig und Alexander von Frankenberg und Ludwigsdorf. Die beiden verfassten die Poeme als junge Männer. Wie der damals 18-jährige Ernst Ludwig laut Hauck in einem Gedicht schrieb, würde er die Liebe zu Alexander nie ausleben können, worüber er unglücklich war.

Interessant findet sie, dass das Wahrzeichen von Darmstadt, wo die Familie residierte, der Hochzeitsturm ist. Er wurde anlässlich der Vermählung von Ernst Ludwig mit seiner zweiten Frau Eleonore errichtet, sei ein Symbol der Liebe zu einer Frau. Viele homosexuelle Männer hätten damals geheiratet, Max von Baden etwa habe aber auch nach einem Jahr die Ehe noch nicht vollzogen gehabt. „So war es bei Ernst Ludwig nicht“, stellt Hauck fest.

Kontakt hergestellt

Der Kontakt zur Bad Nauheimer Verlegerin Beatrix van Ooyen kam zustande, da diese im Vorfeld der Ernst-Ludwig-Buchmesse, die sie am 24. und 25. März erneut in Bad Nauheim organisiert, über das Angebot eines Ernst-Ludwig-Menüs nachdachte. „Ich stöberte nach dem Deckblatt einer Original-Menükarte und stellte bei der Suche im Digitalarchiv fest, wer der Eigentümer der Karte war.“ Jener, ein Buchhändler namens zu Megede, ist bereits verstorben, doch es ergab sich ein Kontakt mit seiner Frau, die gerade Haucks Manuskript Korrektur las. Sie erzählte van Ooyen, worum es geht und stellte den Kontakt her.

„Ich wollte das Buch verlegen, damit es unter die Leute kommt“, sagt van Ooyen. Ernst Ludwig gehöre zu Bad Nauheim ebenso wie zu Darmstadt. Er sei ein Ästhet, eine äußerst interessante Persönlichkeit gewesen. „Da fügten sich mein Verlag, die Ernst-Ludwig-Buchmesse und die Bekanntschaft mit Barbara Hauck zu einem harmonischen Ganzen zusammen.“ Das Leidenschaft zum Thema vereint Verlegerin und Autorin.

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