+
100 Kilometer pro Tag: Mit diesem Schnitt wollen Harry Jung (links) und Heinz Gerd Büchel die Route 66 in 59 Tagen komplett abfahren.

4000 Kilometer Abenteuer

Harry Jung und Heinz Gerd Büchel starten Radtour durch Amerika

Die legendäre und 4000 Kilometer lange Route 66 quer durch Amerika wollen Harry Jung und Heinz Gerd Büchel mit dem Rad bewältigen. Damit erfüllen sie sich einen Traum.

Wenn Harry Jung (74) und Heinz Gerd Büchel (71) heute im Flieger sitzen, ist die Aufregung hoffentlich verflogen. Denn zuletzt hatten die beiden doch sehr am Reisefieber zu leiden. Jung lag zuletzt sogar nachts wach und überlegte, ob er wirklich an alles gedacht hat. Werkzeug, Reisepass. 15 Kilogramm pro Person, mehr wollen Harry Jung aus Steinfurth und Heinz Gerd Büchel aus Bad Nauheim nicht mitnehmen, wenn sie sich auf ihre 4000-Kilometer-Fahrradtour machen. Außerdem sind sie ja in den USA – was vergessen worden ist, lässt sich schon irgendwo auftreiben.

Gut, die Route 66, die die zwei für ihre Fahrradtour ausgesucht haben, gehört längst nicht mehr zu den belebtesten Strecken des nordamerikanischen Kontinents. Der 74-jährige Harry Jung und der 71-jährige Heinz Gerd Büchel werden an vielen Geisterstädten und verwaisten Tankstellen vorbeikommen. „Wir haben für alle Fälle ein Zelt dabei“, sagt Büchel. Falls einmal viele Kilometer kein Motel in Reichweite sein sollte, muss auch das einmal gehen.

Aber da sind die zwei nicht sehr wählerisch. Abenteuerurlaub eben, ein bisschen

Risiko gehört dazu

. Ähnlich halten sie es mit der Verpflegung: Irgendwas wird sich auf dem Weg schon finden, und wenn es ein Baguette von der Tankstelle ist. „Ab und zu werden wir abends auch mal in ein Restaurant gehen, aber wir sind keine Gourmets. Wir gucken einfach mal, was kommt.“

Knapp 4000 Kilometer liegen vor den zwei Wetterauern, wenn sie in Chicago landen. Dort, im Bundesstaat Illinois, beginnt die Route 66. Sie führt, wie Büchel erzählt, durch drei Klimazonen und durch acht Staaten. 100 Kilometer pro Tag bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 bis 20 km/h will das Duo zurücklegen. Wenn es mal 20 Kilometer weniger sind, ist das auch okay. Dafür wird dann an einem anderen Tag Gas gegeben.

Die zwei wollen jedenfalls flexibel bleiben und haben Pufferzeiten eingeplant – 59 Tage haben sie, dann hebt der Flieger wieder in Richtung Heimat ab. Wegen eventueller Probleme auf der Fahrt machen sich die zwei keine Sorgen („Wir hoffen einfach, dass wir nicht auf schießwütige Amerikaner treffen“). Die beiden sind erfahrene Radfahrer. „Ich fahre an die 12 000 Kilometer im Jahr“, schätzt Jung. Ausgerüstet sind sie auch für alle Eventualitäten: Jeder Platten mitten im Nirgendwo kann geflickt werden; Ersatzschläuche sind ebenso im Gepäck wie Werkzeug.

Dass die Räder allerdings Ärger machen, ist unwahrscheinlich, Harry Jung und Heinz Gerd Büchel nehmen ihre eigenen Tourenräder mit, die sie einen Abend vor Abflug aufgeben und die natürlich auf Vordermann gebracht sind. „Wenn alle Stricke reißen, fahren wir eben mit der Eisenbahn.“

Bis zum Start des Abenteuers kam wohl doch noch der ein oder andere „Habe ich an alles gedacht?“-Augenblick. Aber selbst wenn nicht, das wichtigste sind ohnehin die Fahrräder – auch wenn der Klassiker eigentlich die Motorradtour ist. „Mit dem Fahrrad nimmst du die Landschaft viel intensiver wahr“, sagt Büchel. Und Jung ergänzt: „Das wollte ich schon als Achtjähriger machen“ – damals las er das Buch „Ich radle um die Welt“ von Heinz Helfgen – „seither ist die Idee wohl in meinem Kleinhirn verborgen.“ Als dann vor drei Jahren eine Dokumentation über die Route 66 im Fernsehen kam, war alles klar. Mitfahrer Heinz Gerd Büchel, Tourenleiter beim ADFC, war sofort gefunden und begeistert (er hat bereits eine ähnliche Erfahrung in Kuba gemacht) – im November haben sie die Flüge gebucht.

Für die Tour wünschen sie sich, dass sie auf ein paar Leute treffen, vielleicht andere Radfahrer, mit ihnen ins Gespräch kommen. Und wenn auch viele einsame Kilometer vor ihnen liegen, am Ende wird es noch einmal sehr lebhaft; die Route 66 endet auf dem Pier in Santa Monica/Los Angeles. „Da stoßen wir dann erst mal an.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare