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Lutz Ehnert beschreibt, wieso Reha-Sport bei einem Herzinfarkt so wichtig ist: Die Bewegung wirke wie ein fünftes Medikament.

High-Tech-Medizin und Reha-Angebote für Infarkt-Patienten

Hier ist das Herz in guten Händen

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Es passt, Bad Nauheim als Schauplatz für die Preisverleihung an eine Herzforscherin auszuwählen (siehe Box). Denn die Kommune gehört zu den führenden deutschen Städten in der Versorgung von Menschen mit Herzproblemen. Wie der heimische Internist Lutz Ehnert erzählt, setzen die Doktoren dabei nicht nur auf High-Tech-Medizin.

Herz- und Kreislauferkrankungen sind immer noch Todesursache Nummer eins – und Bad Nauheim hat sich der Heilung verschrieben. Deshalb ist die Stadt eine gute Kulisse, wenn der Willy-Pitzer-Preis, der jedes Jahr dort verliehen wird, 2017 an eine Herzforscherin geht (siehe Box). Doch welche Angebote gibt es für Patienten, die herzkrank sind, beispielsweise wegen eines Infarktes? Welchen stellenwert hat die Herzmedizin in Bad Nauheim?

Der Bad Nauheimer Internisten Lutz Ehnert (57) betont: „Wir waren ja mal das Weltherzbad mit unserer Glanzzeit und dem örtlichen Kurmittel mit Sole. Deshalb haben wir in Bad Nauheim einen gewissen Stand behalten.“ Deutlich wird das daran, dass die Kerckhoff-Stiftung, das Max-Planck-Institut und die Kerckhoff-Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen, eine der führenden Kliniken in Deutschland, in der Stadt angesiedelt sind.

„Der Herztherapie sind wir in der Gesundheitsstadt Bad Nauheim verbunden geblieben und zwar als Kurstadt, mittlerweile auch als Premium-Kneipp-Kurort seit 2015 und Kneipp-Kurort seit 2011“, schildert Ehnert, Vorsitzender des hessenweit größten Kneipp-Vereins.

Denn neben der High-Tech-Medizin in der Kerckhoff-Klinik, zu deren Spektrum es auch gehört, Herzen zu transplantieren, sei es in Bad Nauheim auch Ziel, die Bademedizin über den Kneipp-Gedanken wiederzubeleben: im Sinne von Prävention und Rehabilitation, mit einem naturheilkundlichen Ansatz und Förderung eines vernünftigen Gesundheitsbewusstseins. „Fünf bis sechs Reha-Kliniken für Herzkranke gibt es in Bad Nauheim“, sagt Ehnert. Zudem bestünden ambulante Möglichkeiten.

Die Gründung des sehr umfangreichen Reha-Sport-Angebots im Kneipp-Verein erfolgte laut Ehnert 2003 durch die Aufnahme von zunächst vier ambulanter Herzsportgruppen in der Klinik Wetterau. Sein Ziel ist es, Bad Nauheim zum Kneipp-Heilbad zu machen – mit einer funktionierenden Therme und Bademedizin-Angeboten im Sprudelhof.

Wieso Reha-Sport so wichtig ist, beschreibt er am Beispiel Herzinfarkt: „Leidet ein Mensch plötzlich unter akutem Beklemmungsschmerz in der Brust oder zunehmender Luftnot unter Belastung, könnte dies unter anderem auf ein Akutes Koronarsyndrom (ACS) hinweisen, das sich in kürzester Zeit zum Herzinfarkt entwickeln kann.“ Der Betroffene sollte in diesem Fall sofort den Arzt aufsuchen, der ein EKG schreibt, Laborwerte nimmt und schnell entscheidet, ob ein ACS vorliege.

„Dann muss sofort notfallmäßig in die Kerckhoff-Klinik eingewiesen werden.“ Dort gebe es die Möglichkeit, einen Infarkt oder ein ACS akut richtig zu therapieren. Idealerweise betrage die Zeit vom Betreten der Klinik bis zur sogenannten Ballon-Dilatation nicht mehr als maximal 30 Minuten. „Das sind Spitzenzeiten in Europa“, erklärt der Doktor. Maximal zwei bis drei Tage blieben die Patienten nach einem Infarkt im Bett und würden dann nach Hause und zum Hausarzt oder bei Komplikationen in die stationäre Reha-Kur geschickt.

„Kommen die Patienten nach diesen drei Tagen zu uns in die Praxis, greift die ambulante Reha nach vier Wochen mittels ambulanten Herzsportgruppen.“ Parallel würden die Patienten vom Hausarzt einem Disease-Management-Programm für koronare Herzerkrankungen zugewiesen. Drei- bis sechsmonatlich überprüfe der Arzt, ob die Therapie richtig angewandt ist und richtig läuft.

„Jeder Herzpatient hat in der Regel vier verschiedene Medikamente, die er lebenslang einnehmen muss.“ Zudem erhalte er Hinweise zu Ernährung, Bewegung und Rauchen. „Regelmäßiger, arztüberwachter Herzsport wirkt als fünfte Therapieoption dabei im Stellenwert wie eines der vier Medikamente.“ Die Studienforschung von Preisträgerin Dimmeler findet Ehnert sehr gut – denn das könnten weitere zukünftige Heilungsoptionen für schwerkranke Herzpatienten sein.

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