Wollen sich für eine Realisierung der Pläne starkmachen (von links): Jürgen Wegener und Klaus Ritt von der neugegründeten Bürgerinitiative ?Pro Sprudelhofbebauung?.
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Wollen sich für eine Realisierung der Pläne starkmachen (von links): Jürgen Wegener und Klaus Ritt von der neugegründeten Bürgerinitiative ?Pro Sprudelhofbebauung?.

Bürgerinitiative

Kämpfen für die Sprudelhof-Bebauung

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Der städtebauliche Entwurf für den Bad Nauheimer Sprudelhof, den Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) umsetzen will, scheint weitgehend gut anzukommen. Kritische Stimmen gegen das Konzept haben sich allerdings auch schon geregt. Nun will eine neue Bürgerinitiative die Pläne vorantreiben.

Als Klaus Ritt von dem städtebaulichen Konzept des Bad Nauheimer Architekten Johannes Hölzinger für den Sprudelhof hörte, war er begeistert. Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) will diese Pläne umsetzen, wobei er die städtische Politik hinter sich zu haben scheint.

Doch nicht nur Ritt fiel auf, dass kaum nach Bekanntwerden Gegenwind aus der Anwohnerschaft aufkam, beispielsweise auf der Bürgerversammlung der Stadt im November. Bei der Info-Veranstaltung wurde zwar viel gelobt, doch es wurden auch diverse Bedenken geäußert, insbesondere gegen eine befürchtete „Zumauerung“ des Sprudelhofes. Denn Hölzingers Pläne sehen eine Wohnbebauung entlang der Jugendstilanlage in der Ludwigstraße vor. Wenig nützten da die Hinweise auf die regelmäßigen breiten Durchlässe, die die Sicht auf den Sprudelhof weiterhin ermöglichen sollen (diese Zeitung berichtete).

Eine kühne Idee

Aus den Einnahmen, die durch die Verkäufe der exklusiven Grundstücke in die Stadtkasse flössen, könnte die Kommune die neue Therme bauen und die Anbindung des Schwimmtempels an das denkmalgeschützte Badehaus finanzieren. Auch ein Hotel ist Inhalt des Vorhabens, das bereits während der nächsten Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden soll.

Ritt dachte nach der wahrgenommenen Kritik über einen Leserbrief an die Zeitung nach, doch das erschien ihm zu wenig, weshalb ihm als Nächstes der Gedanke einer Bürgerinitiative (BI) pro Sprudelhofbebauung kam. „Ich fand es charmant, eine BI zu gründen, die für etwas ist. Sonst werden Initiativen immer gegen etwas gegründet.“ Was ihm an dem Konzept Hölzingers gefällt, ist der städtebauliche Aspekt: „Es ist eine kühne, gewaltige Idee für die ganze Stadt. Das bringt eine unglaubliche Freiheit, Klarheit in das Objekt, die das ganze Bauwerk betont.“

Seinen Freunden Heike und Jox Reuss geht es ähnlich, weshalb sie sich der BI gleich anschlossen. Reuss sagt: „Bei der Bürgerversammlung kam gleich der Spruch von der ’Einmauerung des Sprudelhofs’. Der richtige Spruch ist aber ’Betonung’ und ’Zelebrierung’.“ Die Gegenargumente stünden allerdings nicht im Vordergrund, sondern die Pro-Überlegung. Jürgen Wegener, ein weiterer Akteur, erklärt das Ziel: „Die BI soll eine Akzeptanz der Pläne fördern und ermöglichen, dass fähige Architekten und Investoren das Projekt umsetzen, unter der Begleitung von Hölzinger.“

Die Initiatoren, darunter auch der frühere Kulturamtsleiter Johannes Lenz, sind oder waren wichtige Persönlichkeiten im Bad Nauheimer Kunstverein. Ritt: „Wir sind es gewöhnt, mit künstlerischem, gestalterischem Blick auf ein Objekt zu schauen. Man muss den Blickwinkel zeigen.“ Schritte, die die Initiativgruppe umsetzen will, sind zunächst eine Gründungsveranstaltung am 30. Januar (Freitag) um 19.30 Uhr im Badehaus 7 des Sprudelhofes. Dabei sollen auch weitere Mitstreiter gewonnen werden. Die zu finden, scheint angesichts vieler positiver Rückmeldungen aber nicht schwer zu fallen.

Gegenwind aushalten

Bei der Gründungsveranstaltung sollen außerdem Arbeitsgruppen gebildet werden, eine Art „Kabinett“ mit Fachkundigen, die ihr Wissen in die jeweilige AG einbringen. Sämtliche Themenfelder sollen besetzt werden, die von dem städtebaulichen Konzept berührt werden: Denkmalschutz, Bäderwesen, Architektur, Kunst und Hotel sind Beispiele. Regelmäßige Informationsveranstaltungen sind weiteres Anliegen.

Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) ist mit der Bildung einer Pro-BI einverstanden, „wir haben vorher Kontakt zu ihm aufgenommen“, schildert Ritt. Es sei für die Politik wichtig zu wissen, dass sie auf solche Weise unterstützt wird – und, dass sie im Falle eines Falles, anders als bei einer Kontra-Initiative, auch die Chance gehabt hätte zu sagen: „Nein, das stört gerade.“ Aber die Rathausspitze sei froh gewesen. Hohe Kosten dürften nicht für die BI anfallen, das Engagement der Menschen ist laut Ritt aber auch viel wichtiger: „Zeit einzusetzen und Gegenwind auszuhalten.“

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