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Wer hier gelehrt werden will, muss in Zukunft zahlen: Die Sankt-Lioba-Schule führt das Schulgeld ein.

Bildung

Katholische Schule Sankt-Lioba bittet Eltern zur Kasse

Der Unterricht an der Bad Nauheimer Sankt-Lioba-Schule wird kostenpflichtig. Das teilte der Träger des Gymnasiums, das Bistum Mainz, mit. Der Elternbeirat bedauert die Entscheidung.

Zunächst wird das Schulgeld für die neuen Fünftklässler des Schuljahres 2019/20 eingeführt. Ab dem Schuljahr 2020/21 gilt die Regelung dann für alle rund 950 Schüler, hieß es. 90 Euro im Monat werden dann als Schulgebühr fällig, für einige Familien bedeutet das einen tiefen Griff in den Geldbeutel. Immerhin: Für das zweite Kind werden nur 50 Euro, für das dritte Kind nur zehn Euro pro Monat fällig. Familien mit geringem Einkommen haben die Chance auf eine Sonderregelung.

Als Begründung führte das Bistum die finanziellen Prognosen für die Kirchensteuer an. Bisher wurden die jährlich aufzuwendenden zehn Millionen Euro aus den Kirchensteuereinnahmen bestritten. „Auf Dauer sind diese Summen durch die Kirchensteuer allein nicht aufzubringen“, heißt es in der Erklärung des Bistums. Dort rechnet man durch die Schulgebühren mit Einnahmen von 3,5 Millionen Euro; die restlichen 6,5 Millionen würden weiter über die Einnahmen der Kirchensteuer und Spenden finanziert. Die Bezuschussung der Landesregierung sei so gestrickt, dass private Schulträger eine Gebühr erheben müssten, um ihre Kosten zu decken, erklärte Tobias Blum, Pressesprecher des Bistums Mainz auf Nachfrage. Dies sei in ganz Hessen längst üblich, auch bei anderen Diözesen.

An der Sankt-Lioba-Schule wurde das kommende Schulgeld mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Schulleiter Bernhard Marohn verwies auf Nachfrage auf die Pressestelle des Bistums. Konkreter wurde Rupert Pfeiffer, stellvertretender Vorsitzender des Schulelternbeirats: „Wir bedauern diese Entscheidung“, sagte er. Bislang sei es allen Familien möglich gewesen, ihre Kinder auf die Sankt-Lioba-Schule zu schicken, unabhängig von ihrer finanziellen Situation.

Klar sei aber auch, dass sich Eltern an Privatschulen finanziell beteiligen müssten. „Deswegen haben wir in den vergangenen Jahren den Träger mit freiwilligen Elternspenden unterstützt und dies auch intensiv in der Elternschaft beworben“, sagte Pfeiffer.

„Elternspenden sind aber kein Betrag, mit dem wir rechnen können“, sagte dagegen Blum. „Um sicher planen zu können, hat man sich entschieden, das Schulgeld einzuführen.“

Die Entscheidung wurde der Schule nun „fertig gekocht“ serviert. Zwar wird das Thema Finanzierung schon seit Jahren diskutiert, über das Schulgeld wurde mit Schulen und Eltern aber nicht verhandelt, heißt es. „Wäre das Bistum auf uns zugekommen mit dem Betrag, den sich brauchen, hätten wir das irgendwie hinbekommen“, glaubt Pfeiffer.

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