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Gesunde Ernährung gehört zu den Lehren Sebastian Kneipps: Hier gibt Kita-Leiterin Sigrun Teichmann-Krömer den Kindern einen Vitaminschub.

Gesundheit

Kinder lernen in der Kita das Kneipp-Konzept kennen

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Nach Büdingen bietet nun ein zweiter Standort im Wetteraukreis Kneipp-Güsse in der Kindertagesstätte an. Die Initiative geht auf den Kneipp-Verein Bad Nauheim/Friedberg zurück, der mit Bad Vilbel und Bad Salzhausen ein Kneipp-Dreieck einrichten will (siehe Info-Box).

„Jaaa, juhhuu!“ Die Kinder der evangelischen Kita An der Wilhelmkirche laufen durch die Terrassentür nach draußen. Denn auf einer Holzbank haben Kita-Leiterin Sigrun Teichmann-Krömer und eine Mitarbeiterin bereits zwei Wannen mit Wasser hingestellt. Gedacht sind sie für Armbäder, einer der fünf Säulen des neuen Kneipp-Konzeptes: Wasser, Lebensordnung, Bewegung, Ernährung und Kräuter. „Um neun Uhr machen wir in allen Gruppen den Morgengruß nach Kneipp, wo die Kinder mit Wasser oder Bewegung den Tag eröffnen“, sagt Teichmann-Krömer. In den warmen Jahreszeiten wird auch Taulaufen praktiziert, die Kinder laufen barfuß durchs Gras und ziehen anschließend warme Socken an. Was gar nicht so einfach umzusetzen ist, wie die 53-Jährige konstatiert. Ideal wären laut Kneipp Baumwoll- oder Wollsocken, doch Strümpfe strickende Omas sind rar geworden. Und Mütter zu Bastel- oder Stricknachmittagen zu animieren, funktioniert auch nicht mehr. Heutzutage seien die Nachmittage mit Betreuung weitgehend ausgefüllt, werden viele Kinder um 7.30 Uhr gebracht und zehn Minuten vor Toresschluss wieder abgeholt.

Umso wichtiger sind familiäre Strukturen in der Kita. Die Einrichtung arbeitet mit dem sogenannten geschlossenen Modell, nach dem die Jungen und Mädchen einer festen Gruppe zugeteilt sind. Durch die Stammgruppenarbeit lernen die Kinder laut Teichmann-Krömer, dass es nicht nur Spielphasen gibt, sondern auch Lern-, Essens- und Ruhezeiten. Dazu passe das Kneipp-Modell, denn es optimiere diesen Rahmen.

Und so kam es dazu: In Bad Nauheim gibt es einen Gesundheitsgarten mit Kneipp-Becken, den die Kita bei Ausflügen früher gelegentlich besuchte. Als der Bad Nauheimer Kneipp-Verein, mit 1100 Mitgliedern größter Kneipp-Verein in Hessen, davon erfuhr, rief Vorsitzender Lutz Ehnert bei Teichmann-Krömer an. Er wollte sie dafür gewinnen, die Kita zertifizieren zu lassen, doch das Team winkte damals noch ab. „Es lagen gerade andere Dinge an“, blickt die Kita-Leiterin zurück.

Zwei Jahre später änderte sich das nach einer Info-Veranstaltung, „da dachten wir, dass es doch was ist“. Anfang 2016 machten alle Mitarbeiterinnen die Ausbildung zur Kneipp-Gesundheitserzieherin, was der Kneipp-Verein mit 4500 Euro bezahlte. Es folgte die 18-monatige Pilotphase, „und dann wurden wir vom Kneipp-Verein begutachtet und zertifiziert“. Von dem Verein finanziert wurde auch ein Wasserbecken im Garten, das 3000 Euro kostete.

Geändert habe sich gar nicht so viel, aber Dinge wurden verfeinert. Im Lauf des Alltags haben die Kinder Bewegung, sie gehen regelmäßig ins Freie, einmal pro Woche gibt es einen Turntag im Mehrzweckraum. „Wir nutzen die Spielplätze der Umgebung und machen einmal pro Jahr eine Waldwoche.“ Pünktlichkeit spielt jetzt eine größere Rolle. Denn da eine Reihe der Jungen und Mädchen morgens immer recht spät gebracht worden sei, habe die Kita den Morgenkreis ebenfalls spät organisiert. Das ist jetzt anders. „Wir haben die Startphase für den täglichen Ablauf auf neun Uhr gelegt“, erzählt Teichmann-Krömer. Doch nun gibt es erst einmal einen Vitaminschub in Form von Obst, die Kinder greifen zu. „Was wir als nächstes umsetzen, ist Kräuterkunde“, schildert die Kita-Leiterin. Samen werden ausgesät, die Pflanzen beim Aufwachsen versorgt. „Wir haben seit dem Umbau des Außengeländes Pflanzkästen, da haben wir Kräuter gesät.“ Schnittlauchbrote, Quark und Kräutersalz werden daraus hergestellt.

Vereinsvorsitzender Ehnert erklärt seinen Beweggrund, eine Kita zu zertifizieren: „Man denkt, Kneipp-Therapie wäre nur etwas für alte Leute.“ Es sei aber wichtig, die Kinder früh mit der Lehre vertraut zu machen, um sie für die gesunde Lebensweise zu begeistern. Ehnert hat dies als Kind erfahren, da er regelmäßig mit seinen Eltern Urlaub in Bad Wörishofen machte. „Dass wir es geschafft haben, die Kita zu zertifizieren, ist ein Durchbruch“, freut sich der Mediziner, dessen nächste Vision ein Kneipp-Dreieck der Heilbäder Bad Nauheim, Bad Vilbel und Bad Salzhausen ist (siehe Info-Box).

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