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Interview mit Coach: So klappt's mit den guten Vorsätzen

Wieder dieselben guten Vorsätze auf der Liste wie im vorigen Jahr? Da ist man in guter Gesellschaft in der Wetterau. Beim Bad Nauheimer Coach Christian Purschke läuft nach dem Jahreswechsel stets das Telefon heiß. Er begleitet Menschen, die etwas in ihrem Leben ändern wollen – und weiß, wie man seine Ziele erreicht. Eva Diehl hat mit dem Coach gesprochen.

Herr Purschke, Sie sind Coach mit Schwerpunkt Veränderung. Ist um den Jahreswechsel bei Ihnen viel los?

CHRISTIAN PURSCHKE Im Dezember ist es eher ruhig und laufende Behandlungen werden abgeschlossen. Im Januar rufen aber deutlich mehr Menschen als sonst an – viele haben sich fürs neue Jahr vorgenommen, etwas in ihrem Leben zu verändern.

Mit welchen Wünschen und Zielen kommen Menschen zu Ihnen?

PURSCHKE Manche wollen mit dem Rauchen aufhören, andere wollen weniger Naschen, mehr Sport machen oder ihre Höhenangst loswerden. Es kommen aber auch Menschen, die das Gefühl haben, nie etwas zu Ende zu bringen, im Job nicht weiterzukommen oder von anderen übersehen zu werden. Je nach Bedarf arbeite ich auch mit Hypnose und therapeutischen Ansätzen.

Warum klappt es oft nicht mit den guten Vorsätzen?

PURSCHKE Manche Leute sagen im Erstgespräch: "Meine Frau schickt mich, ich soll mit dem Rauchen aufhören." So kann das nicht klappen. Man muss es selber wollen.

Schwierig wird es auch, wenn man aus Vernunft aufhören will, obwohl man seinen Makel eigentlich mag, oder wenn man dadurch gewohnte Vorteile aufgeben muss. Jemand, der zum Beispiel Angst im Dunkeln hat, kann vielleicht immer den Partner in den Keller zum Bierholen schicken.

Coach Christian Purschke aus Bad Nauheim.

Woher weiß man, was man will und realistisch erreichen kann?

PURSCHKE Wenn man tief in sich geht und sich nicht selbst belügt – was viele leider tun – dann weiß man, was man will und was nicht. Ein Tipp für den Vorsatz 2019 durch morgendliches Joggen abzunehmen: Stellen Sie sich vor, ab Januar eine Stunde früher aufzustehen, die Joggingklamotten anzuziehen und erst mal rauszugehen, bevor es in die Dusche geht.

So merkt man schnell, ob man das wirklich will – und ob es machbar ist. Falls nicht, muss man sich andere Wege suchen, um sein Ziel zu erreichen, oder sich andere Ziele setzen.

Alles Sache der Motivation?

PURSCHKE Viele Menschen brauchen einen gewissen Leidensdruck, bevor sie eine Änderung aktiv angehen.

Das hängt auch mit unserer grundsätzlichen Angst vor Veränderungen zusammen. Das Unterbewusstsein kann die Motivation auch erfolgreich torpedieren. Etwa, wenn man unbewusst falschen Glaubenssätzen anhängt, zum Beispiel: In meiner Familie ist man eben dick.

Um das auszuradieren, ist es hilfreich, sich bildlich vorzustellen, wie man sein Ziel erreicht und glücklich ist – zum Beispiel mit fünf Kilo weniger in der Lieblingsjeans steckt.

Wie genau sollte man einen guten Vorsatz formulieren?

PURSCHKE "Ich will abnehmen" ist zum Beispiel ein Vorsatz der so nicht funktionieren wird. Besser ist es, konkret zu formulieren, zum Beispiel: Ich will in den nächsten sechs Monaten fünf Kilogramm abnehmen und zwar indem ich dienstags und donnerstags um acht Uhr Joggen gehe. Der Vorteil ist: Der Fortschritt ist messbar – und auch der Erfolg.

Sollte man eine Liste mit Zielen machen?

PURSCHKE Listen sind super, weil man sieht, was man geschafft hat und was noch nicht. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass jeder Punkt auf einer Liste eine kleine Veränderung im Leben bedeutet.

Und wenn man eine ziemlich lange Wunschliste hat?

PURSCHKE Sich bewusst machen, welche Punkte auf der Liste wirklich wichtig sind und die eigene Lebensqualität verbessern. Auch ist es sinnvoll, nicht alle Veränderungen gleichzeitig anzugehen. Erstens kann es eine Überforderung sein, zweitens macht man es sich unter Umständen unnötig schwer. Warum sollte man zum Beispiel im tiefsten Januar anfangen zu joggen? Einfacher ist es, bis zu ersten Sonnenstrahlen im März zu warten.

Was haben Sie sich für 2019 vorgenommen?

PURSCHKE Ich möchte wieder regelmäßig mit meiner Frau im Verein tanzen. Zu kalt, zu warm – zuletzt fanden wir immer eine Ausrede. Die Selbstständigkeit macht das nicht einfacher. Ich kann gut anderen Leuten helfen, aber bei mir selbst ist das gar nicht so einfach.

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