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Vor dem Modell (von links): Johannes Hölzinger (links), sein Kollege Tobias Poschmann und die Christdemokratin Petra Michel.

Bürgerversammlung

Kuranlage in Bad Nauheim: Sprudelhof-Konzept kommt gut an

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Im Konzertsaal der Trinkkuranlage in Bad Nauheim war am Dienstagabend kein Platz mehr frei, als die Bürgerversammlung zum städtebaulichen Konzept des Architekten Johannes Hölzinger terminiert war. Das Interesse war groß, ebenso die Sympathie. Es wird aber auch Kritik geäußert.

Wie gut der städtebauliche Entwurf für den Sprudelhof ankommt, zeigt sich bei der Bürgerversammlung gleich eingangs, als Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) von einem „Glücksfall“ spricht und den Architekten Johannes Hölzinger lobt: „Hut ab vor dem Engagement.“ Das Publikum klatscht. Hölzinger hatte, wie er schildert, im Rathaus bereits 2015 eine Skizze seiner Idee auf den Tisch gelegt. Er beschreibt die Reaktion von Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung: „Er machte große Augen und sagte: ,Das ist keine Zukunftsvision, das ist das, was wir brauchen.‘“

Gemeinsam nun stellen Hölzinger und Patscha den Bürgern das Konzept vor, eine Wohnbebauung in der Ludwigstraße, die an der Kopfseite des Sprudelhofes läge und die beiden Verwaltungsgebäude sowie die Eingangstreppe aussparen soll. Angedacht sind 28 Wohneinheiten im Maisonette-Stil. Ins Badehaus 2 käme eine Sauna, wodurch die neue Therme nebenan kleiner ausfiele und Platz für ein Hotel entstünde. Das Parkdeck Sprudelhof soll abgerissen werden, aber zwei neue Tiefgaragen sollen entstehen, womit die Zahl der Stellplätze von 240 auf 400 stiege.

Die Bürger stellen Fragen, äußern sich weitgehend anerkennend. Der ehemalige Fachbereichsleiter Kultur, Johannes Lenz, lobt den „echten Ansatz“, der den „gordischen Knoten zerschneide“. Denn der Vorlage des Hölzinger-Konzeptes gingen jahrelange zähe Diskussionen voran: Soll man die Therme sanieren oder neu bauen? Wie belebt man den Sprudelhof nachhaltig? Diese drängenden Fragen der Stadtentwicklung scheinen mit einem Schlag gelöst.

Doch es werden nun auch Bedenken laut, die sich insbesondere auf die Wohnbauten entlang des Sprudelhofes beziehen. Wann immer jemand ans Mikro tritt, das Wort „Zubauen“ im Mund, klatscht ein Teil des Auditoriums. Der Bad Nauheimer Edgar von Neufville sagt: „Ich finde das Konzept gut. Aber ist es wirklich ein Gewinn, wenn die Stadt ihr Entree mit Häusern zubaut, die Gucklöcher haben?“ Eine Anspielung auf die geplanten, zehn Meter breiten Durchlässe, die in der Wohnbebauung in jeweils zehn Meter Abstand voneinander lägen und eine attraktive Sichtbeziehung zum Sprudelhof ermöglichen sollen.

Eine Bürgerin aus Nieder-Mörlen stößt ins gleiche Horn: „Wenn ich mir vorstelle, dass da Häuser sind, kann ich vom Sprudelhof nichts mehr sehen.“ Hölzinger argumentiert: „Der Sprudelhof bekommt einen Schutzmantel, eine Raumfassung, mit der er eine Aura erhält.“ Patscha ergänzt: „Was an der Ludwigstraße liegt, ist die Rückseite des Sprudelhofes. Die Schauseiten sind auf der anderen Seite.“

Jemand möchte wissen, ob weiter Wannenbäder mit Sole vorgesehen sind, was Rathauschef Kreß bejaht: „Das örtliche Heilmittel soll im Badehaus 2 verabreicht werden.“ Es kommt eine Frage zur Beckengröße in der neuen Therme, doch das seien laut Patscha momentan noch Detailfragen. Ein Herr will wissen, wo er und seine Mitarbeiter parken werden, wenn das Parkdeck abgerissen wird. „In der neuen Tiefgarage. Bloß in der Bauzeit gibt es Einschränkungen“, versichert Patscha.

Eine Frau fragt nach der Bezahlbarkeit der Wohnungen, worauf Bürgermeister Kreß erklärt, es gehe hier um die teuersten Grundstücke, die Bad Nauheim habe: am Sprudelhof, den mancher gern zum Weltkulturerbe machte. „Bezahlbarer und sozialer Wohnraum ist sehr wichtig, aber an dieser Stelle der falsche Platz.“ Sorge äußern die Akteure des TAF-Theaters. Denn die städtische Spielstätte müsste aus dem Badehaus 2 in den Kesselraum des Badehauses 3 umziehen. Wie Fördervereinsvorsitzender Robert Garmeister unter anderem anmerkt, sei der anvisierte Raum für Theater-Scheinwerfer zu niedrig. FDP-Mann Peter Heidt versucht, ihn zu beruhigen: „Man kann baulich tiefer gehen und etwas in die Höhe. Klar ist es nicht so hoch wie vorher, aber dafür Sie haben mehr Platz.“

Auch die Frage der Nebenräume ist laut Garmeister nicht geklärt, doch das werde sich finden, meint Patscha. Garmeister appelliert, diesbezüglich auch einen politischen Beschluss herbeizuführen. Am Ende ist Hölzinger zufrieden mit dem Verlauf, wie er dieser Zeitung schildert: Er bekomme viel Zuspruch für sein Konzept, etwa auf der Straße: „Menschen, die ich nicht kenne, klopfen mir auf die Schulter.“

Im Januar will die Stadt die Ausschreibungen für den Thermen-Neubau auf den Weg bringen, gleichzeitig soll das Parlament den Grundsatzbeschluss für das städtebauliche Konzept Sprudelhof fassen. Ende 2020 oder Anfang 2021 soll das Thermalbad öffnen. Das Hotel soll entweder parallel oder anschließend errichtet werden, danach folgt in zwei Bauabschnitten die Wohnbebauung. Die Umsetzung des gesamten Projekts soll mehrere Jahre dauern.

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