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In dieser Szene kann Eric Meland (Nr.11) Ravenburgs Goalie Jonas Langmann nicht überwinden. Später gelang dem Bad Nauheimer Verteidiger aber der Treffer zur 3:2-Führung.

Eishockey

Mit Moral und Leidenschaft

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Bei den in der einer sportlichen Krise steckenden Roten Teufel Bad Nauheim ist vorerst wieder etwas Ruhe eingekehrt.

Im Heimspiel gegen die Ravensburg Towerstars gab es zwar am Dienstagabend die achte Niederlage aus den letzten zehn Begegnungen in der Zweiten Liga (DEL 2), doch die Leistung der Gastgeber war beim 3:4 (0:1, 3:1, 0:1/0:0/0:1) nach Penaltyschießen ansprechend. „Ravensburg hat nicht nur einen Lauf, sondern auch eines der stärksten Teams der Liga. Zum anderen haben wir trotz der immer größeren Verletzungsmisere endlich wieder ein anderes Auftreten gezeigt. Die Spieler haben mit Moral und Leidenschaft dagegengehalten“, erklärte Bad Nauheims Geschäftsführer Andreas Ortwein.

Dass diese eine erkämpfte Punkt nur bedingt weiterhilft und die Play-down-Ränge nur noch zwei Zähler entfernt sind, ist ihm allerdings auch klar. So gab es gestern zwar trainingsfrei, doch die Gespräche mit den Eishockey-Cracks gingen weiter. „Einige haben ihre Leistung nicht immer abgerufen. Vielleicht hilft es, wenn neben unserem Trainer nun sowohl ich als Geschäftsführer als auch Teamchef Matthias Baldys intensiv mit ihnen sprechen.“

Alle seien nun in der Pflicht. Die Mannschaft, der Trainerstab, die Verantwortlichen, das Ärzte-Team. „Unsere Verletztenliste wird immer länger. Es wäre toll, wenn es den Ärzte gelingen würde, den einen oder anderen Spieler schnellstmöglich aufs Eis zu bringen“, betont Ortwein.

Die Ausfallliste ist sehr umfangreich. Zu den schon länger ausfallenden Jan Guryca, Mike McNamee, Andreas Pauli, Dominik Meisinger gesellten sich kurzfristig noch die im Training verletzten Radek Krestan (Zeh) und der Finne Esa Lehikoinen (Hexenschuss). Dass jemand von ihnen bereits am Wochenende bei den schweren Aufgaben bei den Eispiraten Crimmitschau (Freitag, 20 Uhr) und zuhause gegen den SC Riessersee (Sonntag: 18.30 Uhr; Colonel-Knight-Eisstadion) mithelfen könnte, ist unwahrscheinlich. Die Lage ist so ernst, dass junge Spieler wie der 21-jährige Nico Kolb in der ersten Reihe und der 19-jährige Marvin Ratmann in der zweiten Reihe auflaufen mussten. „Beide haben ihre Aufgabe sehr stark bewältigt“, lobte Andreas Ortwein die Youngster.

Ein Glück, dass zumindest der gegen Ravensburg wegen eines angeblichen Fouls mit Verletzungsfolgen nach nur vier Minuten zum Duschen geschickte Kanadier James Livingston morgen spielberechtigt ist. Nach Durchsicht der Bilder vom Spiel verzichtete die DEL2-Führung auf eine Sperre. Was das Ganze aber natürlich nicht rückgängig macht.

Der Ravensburger Thomas Supis hatte ohne Einwirkung des Gegners in der Ecke das Gleichgewicht verloren und war unglücklich in die Bande geprallt. Dabei verletzte er sich im Gesicht (konnte nach kurzer Behandlung aber wieder mitwirken), was die Unparteiischen als Foul von Livingston werteten, so dass der vorzeitige Ausschluss die Folge war. „Hier hätte der Eismeister eine Strafe verdient gehabt“, erzürnte sich Trainer Petri Kujala nach dem Spiel, der darauf hinwies, dass Supis wohl mit dem Schlittschuh im Eis hängengeblieben war und dadurch die Kontrolle verloren hatte.

Vielleicht hat der Kampfgeist der Roten Teufel auch die Fans wieder ein wenig versöhnt. Die 1766 Besucher im Colonel-Knight-Stadion hatten nämlich bereits „die Schnauze voll“. Sie kündigten per Plakat an, in den ersten 13 Minuten als Konsequenz die verbale Unterstützung einzustellen.

Dies zeigte offenkundig die erwartete positive Wirkung bei der Mannschaft, die um jede Scheibe kämpfte. Ravensburg zeigte zwar die spielerisch besseren Anlagen, Bad Nauheim hielt aber mit Einsatz dagegen, so dass sich die Teams mehr oder minder neutralisierten. Dann die 18. Minute: Die Roten Teufel bekamen für einen Moment keinen Zugriff auf die attackierenden Oberschwaben, was Maximilian Kolb mit einem Schuss vorbei an Timo Herden, der für Felix Nick das Bad Nauheimer Gehäuse hütete, zur kalten Dusche in Form der 0:1-Pausenführung für die Gäste nutzte.

Im zweiten Abschnitt machten die Hessen einen noch entschlosseneren Eindruck: Zunächst traf Harry Lange im Powerplay zum 1:1 (23.), Chancen auf weitere Treffer der Wetterauer waren durchaus vorhanden, doch der starke Keeper Jonas Langmann vereitelte sie, einschließlich des Penaltyschusses von Dusan Frosch (25.).

Wie zuletzt wurde diese mangelnde Ausbeute bestraft: Durch Freund und Feind hindurch traf Kilian Keller zum etwas überraschenden 1:2 (30.). Bad Nauheim zeigte aber Charakter und kämpfte sich erneut zurück ins Match: Der zuletzt sehr treffsichere Kanadier Cody Sylvester antwortete prompt mit einer Einzelleistung nur wenige Sekunden später zum 2:2, der US-Verteidiger Eric Meland mit einem platzierten Schuss brachte sein Team dann in der 36. Minute sogar in Führung.

Ärgerlich war der 3:3-Ausgleich zu Beginn des letzten Drittels aus Sicht der Gastgeber: David Zucker chippte die Scheibe von der Torlinie nach innen und diese fand irgendwie den Weg über die Linie (42.). Von da an spielten beide Teams auf Sieg und hatten auch genügend Torgelegenheiten dazu. Dennoch blieb es bis zum Schluss und auch bei der mit jeweils nur drei Feldspielern absolvierten Verlängerung beim 3:3.

Die Entscheidung musste also im Penaltyschießen fallen. „Ich fand es gut, dass unsere Routiniers die Verantwortung übernahmen“, erklärte Andreas Ortwein. Dass sie alle drei an Langmann scheiterten, habe da keine Rolle gespielt. Das sei immer eine Lotterie, wichtig ist, dass „sie endlich Eier zeigen“. Die Entscheidung im Stechen brachte gleich der erste Versuch der Towerstars, den Robin Just eiskalt ins rechte Kreuzeck schlenzte.

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