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Ein Foto aus der Nacht in der Adem Bozkurt starb, am 8. April 1997. Dass es kein Unfall war, wurde erst 17 Jahre später klar.

Mysteriöser Mordfall

Mordfall Bozkurt: Polizei sucht den BMW des Getöteten

Seit vier Jahren ermittelt die Kripo im mysteriösesten Mordfall der Nachkriegsgeschichte Bad Nauheims. Adem Bozkurt war 1997 ums Leben gekommen – was zunächst wie ein Unfall aussah, entpuppte sich Jahre später als Tötungsdelikt. Nach wie vor fahndet die Polizei fieberhaft nach den Tätern. Aktuell wird probiert, Überreste des Bozkurt-Autos zu finden. Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Der Tod des damals 45 Jahre alten Bad Nauheimers Adem Bozkurt war erst 2016 als Mord eingeordnet worden. Ende 2014 hatte die Staatsanwaltschaft einen Hinweis erhalten. Kripobeamte schauten sich daraufhin die dürftige Unfallakte vom April 1997 genau an. Sie entdeckten Ungereimtheiten, zweifelten an der Unfallversion.

Bozkurt war in der Nacht zum 8. April 1997 tot in seinem BMW gefunden worden.Das Auto war zwischen Bad Nauheim und Ober-Mörlen an einem Baum gelandet. Offenbar wollte Bozkurt zur Raststätte Wetterau, wo seine Firma die Toiletten reinigte. Die Polizei stufte die Sache als Unfall ein.

2015 stellten sich die Ermittler folgende Fragen: Warum befand sich Blut von Bozkurt auf der Windschutzscheibe, obwohl der Airbag ausgelöst hatte? Wieso war der Beifahrer-Airbag geöffnet, obwohl dort angeblich niemand gesessen hatte? Warum war der Fahrer gestorben, obwohl der BMW kaum Schäden aufwies?

Leichnam 2016 exhumiert

Nach langen Verhandlungen mit türkischen Kollegen wurde der in seinem Geburtsland bestattete Leichnam Bozkurts 2016 exhumiert. Eindeutiges Obduktionsergebnis: Er war per Genickschuss aus einer Kleinkaliberwaffe getötet worden. Die Staatsanwaltschaft hatte 1997 zwar keine Obduktion angeordnet, es gab aber eine Leichenschau. Dabei hatte der Arzt das Einschussloch nicht entdeckt.

Nachdem die tatsächliche Todesursache geklärt war, schienen Kripo Friedberg und Staatsanwaltschaft Gießen auf der richtigen Spur zu sein. Drei Tatverdächtige wurden festgenommen, mussten aber mangels Beweisen wieder entlassen werden. Die These der Polizei: Bozkurt ist Opfer der Toiletten-Mafia geworden. Die Täter hätten mit allen Mitteln versucht, den Konkurrenten auszuschalten.

Opfer der Toiletten-Mafia?

"Wir gehen aufgrund der vorliegenden Zeugenaussagen aktuell weiterhin fest davon aus, dass hierin das Tatmotiv zu sehen ist. Eine alternative Tatmotivation ist derzeit nicht greifbar", betont Thomas Hauburger, leitender Staatsanwalt in Sachen Bozkurt und Experte für ungeklärte Altfälle.

Staatsanwalt Thomas Hauburger (links) und Moderator Rudi Cerne stellen den Mordfall Bozkurt am 25. Juli in der Sendung "Aktenzeichen XY" vor. Die Hoffnung, die Täter mithilfe von Zuschauerhinweisen zu überführen, hat sich nicht erfüllt

Große Hoffnung setzten Hauburger und die Familie des Ermordeten auf die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" Ende Juli. Vor, während und nach der Ausstrahlung gingen 35 Hinweise ein, vier schienen Erfolg versprechend. Alle Hinweise sind inzwischen abgearbeitet, es kam zu Vernehmungen. "Es gibt Verdachtsmomente gegen mehrere Personen, die bislang aber keine Festnahme rechtfertigen", sagt Hauburger. Die Frage, ob es sich um dieselben drei Männer handelt, die sich schon früher im Fadenkreuz der Ermittler befanden, möchte der Staatsanwalt nicht beantworten.

Polizei will BMW finden

Auch zu einem Bad Nauheimer, der nach Informationen dieser Zeitung von türkischstämmigen Bürgern als möglicher Täter genannt wird, äußert sich Hauburger nicht. Tugba Bozkurt, die Tochter des Mordopfers, kennt den Verdacht: "Ja klar, das ist mir bekannt. Der Mann wurde öffentlich als Mörder beschuldigt. Ihm ist aber offenbar nichts nachzuweisen."

In den Monaten seit der ZDF-Sendung sind keine neuen Hinweise eingegangen. Wird die Akte Bozkurt bald geschlossen? Im Gegenteil, Hauburger zufolge könnten die Ermittlungen lange dauern. Dabei geht es vor allem um zwei Ansätze. Die Suche nach den Tätern ist schwierig, weil Spuren fehlen. Deshalb will die Kripo 21 Jahre nach der Bluttat den BMW Bozkurts oder Reste davon finden. Der leicht beschädigte Wagen war damals bei einem Bad Nauheimer Abschleppdienst gelandet.

Familie ist optimistisch

Was danach mit dem BMW geschah, möchte die Polizei klären – auch im Ausland. Sollte das Auto tatsächlich noch nicht in einer Schrottpresse gelandet sein? Zudem sind ergänzende Gutachten in Arbeit, um mehr über den Tatwaffen-Typ zu erfahren. Hauburger: "Die Strafverfolgungsbehörden lassen nichts unversucht, diesen schwierigen Altfall doch noch aufzuklären."

Auch Tugba Bozkurt bleibt optimistisch, dass die Mörder ihres Vaters gefunden werden. "Vonseiten der Staatsanwaltschaft hieß es, sie sei auf einem guten Weg." Details will sie nicht verraten. Der Anwalt von Tugba Bozkurt wird Akteneinsicht verlangen, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind. "Ich habe weiter große Hoffnung. Einer der Tatbeteiligten müsste sich melden und für Klarheit sorgen."

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