Wohin führt der Weg Bad Nauheims? Bürger wollen Vorschläge machen, wie sich die Stadt weiterentwickeln sollte. 	Foto: Petra Ihm-Fahle
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Wohin führt der Weg Bad Nauheims? Bürger wollen Vorschläge machen, wie sich die Stadt weiterentwickeln sollte. Foto: Petra Ihm-Fahle

Diskussion

Bad Nauheim sucht sein Leitbild

  • VonPetra Ihm-Fahle
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An Wortbeiträgen mangelt es nicht, als es in der Zukunftswerkstatt 2020 um die Belange der Stadt geht. Eingeladen hat die Bad Nauheimer SPD – überparteilich, wie Sprecher Axel Bertrand betont. Am Ende bilden die Bürger Arbeitsgruppen, denn der Stadt fehle ein Leitbild.

Ulla-Ira Stamm seufzt, als sie von einer Internet-Recherche zum Stichwort Gesundheitsstadt erzählt. Gespannt hören die 15 Teilnehmer zu, die auf Einladung der Bad Nauheimer SPD zur Zukunftswerkstatt 2020 gekommen sind. „Das Etikett haben wir seit zwei Jahrzehnten, intensiv diskutiert wird es seit zehn Jahren“, erklärt die Bürgerin. „Ich googelte es und dachte, dass Bad Nauheim oben stehe. Pustekuchen.“ Davor sei mit mehreren Einträgen die „Gesundheitsstadt Berlin“ gelistet.

Stamm weiter: „Wie setzen wir uns durch? Innen sind wir mit dem Thema gut bedient. Aber nach außen? Die Werbung ist nicht gut.“ Die Badeärztin Beate Vogtherr meldet sich: „Wir brauchen ein Leitbild. Der einzige Weg für Bad Nauheim ist, über die Historie zu gehen.“ Die Stadt habe schließlich nur deshalb ein Jugendstilambiente, weil damals die Gesundheitswirkung der Sole erkannt wurde.

Kultur im Blick

Buchhändler Hermann Römer meint, das Etikett Gesundheitsstadt sei sowieso gefährlich, da es ausschließe. „Wenn wir aber sagen, wir wollen eine Stadt für Menschen sein, müssen wir uns fragen, welche Menschen sind das? Dann weiß man, wohin man geht.“ Weiterer Diskussionspunkt ist die Kultur, wozu nun FDP-Stadtverordnete Siegrid Bourdin die Hand hebt: „Diesbezüglich läuft alles aufs Ehrenamt hinaus. Die Stadt kann nicht mehr investieren, worin ein Risiko für die Zukunft besteht.“

Der ehemalige Leiter der Diabetes-Klinik, Bernt Kampmann, fügt hinzu: „Kultur hat etwas mit Geschichtsbewusstsein zu tun.“ Die Bad Nauheimer hätten bedauerlicherweise etwas verpasst, als Archäologen die keltische Saline unter dem abgerissenen Parkhotel freilegten: „Die hätte man unter Glas legen können – es wäre eine touristische Attraktion gewesen.“ In der Pause schildern Peter Hippeli und Carsten Gerland, Vertreter des Vereins der Goldsteinfreunde, wieso sie gekommen sind. „Wir haben im Kleinen diskutiert, wie eine Vision für den Goldsteinpark aussehen könnte“, sagt Hippeli. Wichtig sei dabei, dass die Ideen des Vereins zu den Vorstellungen der Stadt passten. Vor etwa zehn Jahren seien sie nach Bad Nauheim gezogen, berichtet Gerland. „Als Neubürger sind wir interessiert an Themen wie beispielsweise Familienstadt und Bahnanbindung.“

Vorschläge für Politik

Moderator Axel Bertrand ist mit der Resonanz zufrieden. „Es wird lebhaft diskutiert, auf angenehmer abstrakter Ebene.“ Wie sich zeige, fehle den Teilnehmern am meisten ein Leitbild für die Stadt. Bis Sommer soll die Zukunftswerkstatt weiterlaufen, um der Politik ein Ergebnis vorzustellen. „Wir wollen bei der Verwaltung etwas Schriftliches abgeben und es vielleicht auch bei einer Veranstaltung präsentieren.“ Mit Kommunalwahlkampf habe die Aktion nichts zu tun, erklärt der Sozialdemokrat.

Nach der Pause meldet sich Ingrid Schmidt-Schwabe, Leiterin des Bad Nauheimer Freiwilligen-Zentrums, das demnächst Kurse für „interkulturelle Sensibilisierung“ anbieten will. „Das ist unsere Zukunft“, sagt sie, worauf einige Gesprächsteilnehmer nicken, da sie als Paten für Flüchtlinge aktiv sind. Anfänglich seien es zwölf Paten gewesen, mittlerweile hätten sich schon 50 für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt. Zuletzt schreibt Bertrand das Stichwort Bürgerbeteiligung an die Tafel. Ist sie in Bad Nauheim gewünscht oder nicht? Manch einer, der sich im Rahmen der Lokalen Agenda engagiert hat, ist nicht überzeugt.

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