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Petri Kujala.

Eishockey

Bad Nauheim: Tolle Moral im Schlussdrittel

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Entscheidung binnen 42 Sekunden: Ein schon verloren geglaubtes Match reißen die Roten Teufel noch einmal aus dem Feuer – Playoff-Platz gefestigt.

Der Kreislauf der Eishockey-Fans in Bad Nauheim geriet zum Jahresabschluss noch einmal richtig auf Hochtouren. Nach 46 Minuten waren die 2566 Besucher im Colonel-Knight-Eisstadion wohl geneigt, enttäuscht mit einer Niederlage vorliebnehmen zu müssen. Doch die Spieler der Roten Teufel dachten anders. „Sie haben sehr viel Moral bewiesen“, lobte seine Cracks Trainer Petri Kujala.

Denn mit einem tollen Schlussspurt wurde die letzte Heimbegegnung im Jahr 2017 noch gedreht und gewonnen. Zweimal James Livingston sowie Leon Niederberger sorgten mit ihren späten Toren dafür, dass die Bayreuth Tigers noch mit 3:2 (0:1, 0:1, 3:0) besiegt wurden. Diesem „Dreier“ verdanken es die Puckjäger aus der Wetterau, dass sie, unabhängig des Ausgangs der heutigen Partie beim ESV Kaufbeuren (17 Uhr), das Neujahrsfest auf einem Platz feiern können, der ihnen die Teilnahme an der ersten Playoff-Runde sichert.

Mit dem Sieg über die Wagnerstädter sorgten die Nauheimer für die Rückkehr zur Normalität. Denn die Bilanz der Roten Teufel war zuletzt alles andere als „normal“. Die letzten vier Auswärtsspiele wurden gewonnen, die letzten drei Heimpartien dagegen alle verloren. „Die Spieler haben aus den Auswärtssiegen Selbstvertrauen getankt. Der Heimfluch spukte vielleicht nach dem zweiten Drittel kurz in den Köpfen herum. Aber nicht ernsthaft. Sonst hätten wir ja nicht gewonnen“, sagte nach dem Match Petri Kujala.

Bad Nauheims finnischer Coach hatte sein Team geringfügig umgestellt. Die aus Österreich gekommenen kanadischen „Zwillinge“ Cody Sylvester und James Livingston wurden getrennt. Sylvester spielte mit dem US-Amerikaner Eric Meiland und Marvin Rathmann, Livingston mit seinem Landsmann Mike McNamee und Routinier Radek Krestan. „Kleine Änderungen tun manchmal gut“, begründete Kujala diesen Schritt. Nach langer Zeit spielte sein Team mit vier kompletten Reihen.

Und wie! „Das war unser bestes Drittel der gesamten Saison“, urteilte Kujala über die ersten 20 Minuten. Einziges Manko: An der Anzeigentafel stand beim Seitenwechsel ein 0:1. Die Gastgeber haben sich unzählige Chancen erarbeitet, drei oder vier Alleingänge aufs Tor gehabt, durch McNamee die Latte getroffen – aber es war Bayreuth, das wie aus dem Nichts traf. Matthias Müller traf den Pfosten, Timo Gams beförderte den Abpraller ins Netz (18.). „Das hat die Jungs verunsichert. Sie wollten dann den Ausgleich um jeden Preis, waren in der Offensive gegen die gut gestaffelte Defensive der Oberfranken aber zu gierig und machten dadurch Fehler. Dass wir nach zwei Dritteln mit nur 0:2 im Rückstand lagen, war eigentlich noch Glück“, so der finnische Coach.

Der furiose Schlussabschnitt entschädigte die zuletzt leidgeprüften Fans für vieles. In der 47. Minute war der Bann gebrochen: McNamee schnappte sich die Scheibe, schob sie zum Livingston, der zum ersten Mal den starken lettischen Keeper Martin Raitums bezwang. Von da an spielten mit Ausnahme zweier Unterzahlsituationen nur noch die Roten Teufel. Die Entscheidung fiel per Doppelschlag binnen 42 Sekunden. Livingston, dem bis dahin erst vier Treffer gelungen waren, machte am langen Pfosten lauernd das 2:2 (56.), Förderlizenzspieler Leon Niederberger ließ direkt in der nächsten Szene einen Schlenzer los, der durch die Hosenträger des Keepers ging, 3:2.

Zittern hieß es noch in den letzten 58 Sekunden. Steve Slanton musste in die Kühlbox, Raitums ging vom Eis, wo er den Platz einem sechsten Feldspieler überließ. Aber die Nauheimer hielten den Sieg gegen die Zwei-Mann-Überzahl fest.

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