+
Geruchsprobe: Christine Elsner mit Spürhund Rosalie.

Für Vermissten-Suche

Bad Nauheimer Ärztin bildet Rettungshunde fürs DRK aus

  • schließen

Bei der Suche nach Vermissten kommen oft Rettungshunde zum Einsatz. Zwei von ihnen sind Rosalie und Destino aus der Wetterau. Gemeinsam mit ihrer Besitzerin Christine Elsner haben sich schon Rettungseinsätze gemeistert und den richtigen Spürsinn bewiesen.

Christine Elsner weiß genau, worauf es ankommt. „Einsätze funktionieren nur im Team“, erklärt sie, die jüngst durch den DRK-Kreisvorsitzenden Klaus Apel zur DRK-Kreisverbandärztin und zur Prüferin für Menschen-Spürhunde und Flächensuchhunde ernannt wurde. Somit darf Elsner auch bundesweit angehende Rettungshunde auf ihre Befähigung testen. Beileibe nicht jedes Tier sei für die Rettungsarbeit geeignet, schränkt die Allgemeinmedizinerin ein.

2002 nahm Christine Elsner erstmals Kontakt zum Deutschen Roten Kreuz auf. Schon damals interessierte sie sich für die Rettungshundearbeit, „meine Hündin hatte aber einen zu starken Jagdtrieb und war deshalb für die Rettungshundearbeit nicht geeignet“. Elsner stellte sich aber hin und wieder als Helferin ohne Hund beim DRK fürs Training der Rettungshunde zur Verfügung. Sie startete 2009 dann aber doch gemeinsam mit Hund Destino die Ausbildung. Mit Erfolg: Ende 2010 bestanden sie ihre erste Teamprüfung.

Der Weg zum Rettungshund ist lang. Vor der ersten Prüfung muss der Hundeführer eine umfangreiche Ausbildung absolvieren, unter anderem eine Sanitätsausbildung. Bevor eine Hund Rettungshund werden kann, muss er sich einem Rettungshundeeignungstest unterziehen. Hierbei wird etwa der Umgang mit Menschen, anderen Hunden und die Belastbarkeit auf Umweltreize getestet.

Erfüllt ein Hund Kriterien wie Aufgeschlossenheit, Kondition, Motivation und Arbeitsfreude, kann die Ausbildung starten. „Gelernt wird über positive Bestärkung“, so Elsner. Das heißt, spielerisch werden die Hunde anhand verschiedener Szenarien an Situation herangeführt.

Das Bellen als Ortung oder zur Orientierung auf Entfernung oder auch das Auffinden einer Person sind hierbei nur zwei wichtige Faktoren bei der Rettungsarbeit. Ein häufiger Einsatzanlass stellt die Suche nach einer vermissten Person beispielsweise im Wald dar. Daher wird diese Situation ebenfalls in der Prüfung nachgestellt. In 20 Minuten gilt es, zwei versteckte Personen auf einer Fläche von 30 000 Quadratmetern zu finden.

Rettungshunden können aber auch bei Verschüttungen eingesetzt werden. Daher werden die Hunde auch nach verschiedenen Schwerpunkten wie Flächen- und Trümmersuche oder Mantrailing ausgebildet. Mantrailing bezeichnet die gezielte Suche nach einer vermissten Person anhand des Individualgeruchs. Der Hund folgt einer Geruchsspur aus abgestoßenen Hautschuppen, die jeder Mensch immer und überall verliert. Damit er auch weiß, welcher Spur er folgen soll, wird ihm am Anfang ein Geruchsträger (ein T-Shirt oder ähnliches) hingehalten, damit er den Geruch aufnehmen und speichern kann.

Danach erfolgt das Aufnehmen der Spur, die der Hund über lange Strecken und verschiedenen Untergründen verfolgt, bis er bei der vermissten Person ankommt. „Die Ausbildung zum Mantrailer dauert länger, etwa drei Jahre. Nach bestandener DRK-Prüfung wird jedes Mantrailer-Team zusätzlich durch die Polizei überprüft. Erst dann darf es in Einsätze gehen“, erklärt Elsner. 2012 unterzog sie sich selbst mit Hündin Rosalie der Ausbildung, seit Anfang 2015 sind sie ein einsatzfähiges Mantrailer-Team.

Parallel absolvierte Elsner weitere Aus- und Fortbildungen, wurde Ausbilderin für Flächen- Trümmer- Mantrailing-Suche sowie Gruppenführerin Katastrophenschutz. Ein Ehrenamt, das viel Zeit in Anspruch nimmt. Während Elsner wochentags in ihrer Praxis in Steinfurth bei Bad Nauheim als Allgemeinmedizinerin tätig ist, investiert sie die Wochenenden in die DRK-Rettungshundearbeit. „Fortbildungen sind dabei immer notwendig“, so die Ärztin. Sanitätsdienst, Bereitschaften, Veranstaltungen und auch Blutspendetermine zählen zu ihrem Alltag. Dass sie neben ihrem Beruf soviel Zeit für ein Ehrenamt aufbringt, bereut sie aber nicht. „So etwas macht man mit Liebe, es ist mir ein Bedürfnis, zu helfen.“

Viermal hatte Hund Rosalie im vergangenen Jahr den richtigen Riecher, also entscheidend dazu beigetragen, dass gesuchte Personen gefunden werden konnten. Unbezahlbar sei auch der Dank der Angehörigen eines vermissten Menschen. „Wenn man dazu beitragen kann, auch nur ein Leben zu retten, dann ist das mein schönster Lohn“, lautet ihre Philosophie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare