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Bad Nauheimer Integrationsverein eröffnet Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge

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Mobilität bedeutet Freiheit – und diese sollen auch Flüchtlinge in der Wetterau erfahren. Eine Fahrradwerkstatt in Bad Nauheim sammelt ab sofort gebrauchte Räder, richtet sie her und verschenkt sie an Flüchtlinge.

Mit Geduld und Ausdauer sind sie endlich am Ziel: Der Verein „Interkulturelle Kompetenz und Integration“ (Iki) freut sich über die Einrichtung einer Fahrradwerkstatt und bittet zu Beginn der Saison um Fahrradspenden. „Wir brauchten viel Geduld und Ausdauer und sind jetzt umso glücklicher, dass unsere Fahrradwerkstatt nun endlich einen geeigneten Raum gefunden hat“, erklärt die Vorsitzende des Vereins „Interkulturelle Kompetenz und Integration“ Hedwig Rohde, anlässlich der offiziellen Eröffnungsfeier.

Ihr herzlicher Dank gilt den Sponsoren, Bruni und Heinz J. Otto von der Otto-Stiftung sowie Philippe Deschamps und Gerhard-Michael von Reutern vom Lions-Club Bad Nauheim, deren großzügige Spenden die Anschaffung der Grundausstattung an Arbeitsgerät, Werkzeug und Verbrauchsmaterial überhaupt erst möglich gemacht hat. Peter Krank, Leiter des Fachbereichs Soziales, Gesundheit, Kultur und Sport bei der Stadt Bad Nauheim dankt sie für die Bereitstellung des Raumes im Sportheim.

Spendenbereitschaft groß

Nicht nur wegen des Fehlens einer in Deutschland gültigen Fahrerlaubnis, sondern vor allem aus finanziellen Gründen sind Flüchtlinge einige Jahre lang auf das Fahrrad angewiesen, wenn sie sich unabhängig vom öffentlichen Personennahverkehr bewegen wollen oder müssen.

Die Bereitschaft, nicht mehr gebrauchte Fahrräder zu spenden, ist in der Bevölkerung laut Hedwig Rohdes nach wie vor sehr groß. In der Regel sind aber zumindest Kleinigkeiten in Ordnung zu bringen, bevor die Drahtesel weitergegeben werden können und den deutschen Sicherheitsvorschriften entsprechen. Mal tut es eine Bremse nicht mehr, mal ist ein Schlauch undicht, eine Schraube locker oder die Klingel und das Licht sind kaputt. Und auch nach der Abgabe an Flüchtlinge fallen natürlich immer wieder Reparaturen an.

Die können nun ebenfalls in der Iki-Fahrradwerkstatt erledigt werden. Dort hat sich in den letzten Wochen mit den gelernten Mechanikern Amjad Al Tan und Kahlid Al Tan sowie Maher Lagha als Verwalter und Buchhalter ein fachkundiges Team etabliert, das durch Praxisanleiter Stephan Brannekämper und Werkstattleiter und Iki-Vorstandsmitglied Husnija „Mimo“ Masic unterstützt wird.

Zum Konzept der Werkstatt gehört, dass interessierte Flüchtlinge dort auch gerne selbst unter Anleitung reparieren dürfen und dass benötigte Ersatzteile an die Flüchtlinge verbilligt, nämlich zum halben Einkaufspreis, abgegeben werden. „Auch dafür haben wir unseren Sponsoren zu danken, denn ohne ihre Unterstützung könnte der Verein die entstehenden Differenzbeträge nicht finanzieren“, erläutert die Vorsitzende.

Öffnungszeiten begrenzt

Die Rahmennummern aller Fahrräder, die die Werkstatt durchlaufen, werden notiert, ebenso wie Name und Anschrift ihrer Besitzer. Grundsätzlich soll an jeden Flüchtling ein Fahrrad kostenlos abgegeben werden. Sollte das erste Fahrrad kaputt gehen oder gestohlen werden will der Verein für ein zweites Fahrrad eine Gebühr von 30 Euro erheben.

Da alle Beteiligten in der Werkstatt ehrenamtlich tätig sind, ist die offizielle Werkstattöffnung zurzeit noch auf samstags von 12 bis 14 Uhr begrenzt. „Wir hoffen natürlich, dass sich in den nächsten Wochen und Monaten weitere aktive Teammitglieder finden, damit wir zumindest in Frühjahr und Sommer einen zweiten Öffnungstag anbieten können. Dabei sind uns Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge, die Spaß am Schrauben haben, gleichermaßen willkommen“, betont Hedwig Rohde.

(fnp)

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