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Christiane Konschake-Naedler stellt nach, wo der rote Golfball sie traf - und ihr Neugeborenes nur knapp verfehlte.

Gefährliche Situation

Bad Nauheim: Golfball verfehlt Baby nur knapp

Ein verirrter Golfball hat den Kopf eines Neugeborenen nur um Zentimeter verfehlt. Der Golfclub Bad Nauheim will nun weitere Sicherheitsnetze rund um seine Driving Range anbringen lassen.

Bad Nauheim - Es war Freitag, der 13., und dieser Tag entpuppte sich als Glückstag. Christiane Konschake-Naedler sagt, dies sei der zweite Geburtstag ihrer Tochter Marie. Das Neugeborene lag im Tragetuch an der Brust ihrer Mutter, die einen Spaziergang unternahm. Der Weg führte die beiden an die Usa in Nieder-Mörlen. Auf dem Weg zwischen Golfplatz und Usa auf der einen und Driving Range (wo Golfer Abschläge üben) auf der anderen Seite passierte es: "Plötzlich schlug ein Golfball auf meiner rechten Seite neben meiner Schulter ein - wenige Zentimeter neben dem Kopf meiner schlafenden Tochter."

Der Ball müsse eine Länge von 180 Metern gehabt haben. Christiane Konschake-Naedler hat nicht einmal einen blauen Fleck davon getragen. Die Polsterung des Tragetuchs fing die Wucht des Balles auf. Was passiert wäre, wenn der Ball den Kopf ihrer Tochter getroffen hätte? Darüber wolle sie lieber gar nicht nachdenken, sagt die junge Mutter.

Die Driving Range des Golfclubs Bad Nauheim ist nur auf der Seite der Wohnbebauung (Hintergrund) mit vier Meter hpohen Fangnetzten gesichert. Nach dem Beinahe-Unfall will der Golfclub nachrüsten.

Auch der Golfer, der den Ball abschlug, sei "zutiefst schockiert" gewesen, erzählt Konschake-Naedler. Er habe auch zugegeben, dass er nicht vor dem Querschläger gewarnt habe; Golfer rufen in solchen Fällen üblicherweise "Fore" (eine Kurzform von "Beware before!", also "Vorsicht vor...").

Spaziergänger könnten mit dem Ruf ohnehin nichts anfangen, weiß Konschake-Naedler, deren Mann Golf spielt. "Und der dreijährige Sohn probiert den Sport auch schon." Also kein Groll gegen den Golfsport als solchen, aber eine klare Ansage an den Golfclub-Vorstand: "Die Zäune bieten keinen Schutz, sind viel zu niedrig." Das wüssten alle Golfer, aber bislang habe sich daran nichts geändert.

Bad Nauheim: Ball schlägt im Planschbecken ein

Auf der nördlichen Seite der Driving Range, wo Einfamilienhäuser angrenzen, wurden vor einigen Jahren Schutznetze angebracht. Außerdem stehen dort hohe Bäume, die Querschläger abfangen. "Ein bis zwei Bälle fliegen im Monat rüber. Früher waren es mehr", sagt ein Jugendlicher, der in einem der Häuser wohnt. Als Kind habe er einmal im Garten im Planschbecken gesessen, als ein Ball neben ihm im Wasser einschlug, erzählt er. "Die Zäune sind lächerlich. Da muss der Golfclub endlich was tun", sagt auch Christiane Konschake-Naedler.

Vorsicht vor fliegenden Golfbällen: Das Schild soll Fußgänger warnen. 

"Der Vorfall ist sehr bedauerlich", sagt Golfclub-Präsident Hans L. Thierer. Er habe dies in einem Brief auch gegenüber der Mutter zum Ausdruck gebracht. "Was wir tun können, werden wir tun", sagt Thierer. Entlang des Zauns der Driving Range auf der Usa-Seite werde man so schnell wie möglich Netze spannen, so wie auf der anderen Seite. "Das wird sehr kurzfristig geschehen." Dazu müsse man zunächst eine Firma finden, die Löcher gräbt, die Pfosten einbetoniert und die Netze befestigt.

Bad Nauheim: Schilder warnen Fußgänger

Es sei die Aufgabe der Golfer, vor jedem Schlag zu überprüfen, ob Fußgänger in Gefahr seien, sagt Thierer. Der Golfclub habe entsprechende Schilder auf der Driving Range aufgehängt. Auch die Spaziergänger werden durch Schilder gewarnt. Thierer: "Das Problem ist, dass man vom Abschlag aus nicht immer sehen kann, ob sich jedem auf dem Weg aufhält." Der Fußweg wird nur von wenigen Spaziergängern genutzt, in letzter Zeit auch deshalb, weil die Fußgängerbrücke über die Usa beim jüngsten Sturm beschädigt wurde; sie sollte nach Reperaturarbeiten heute wieder freigegeben werden. Thierer will den Kontakt zur Stadt suchen, um in Erfahrung zu bringen, ob dieser Weg überhaupt für Spaziergänger geöffnet bleiben muss; schließlich gebe es auf der anderen Usa-Seite ebenfalls einen Fußweg.

Bad Nauheim: Unfälle mit Golfbällen

Die Golfetikette schreibt vor: Vor einem Schlag muss sich der Spieler vergewissern, dass er niemanden mit dem Golfball treffen kann. In der Regel gelingt dies. In Unfallstatistiken werden Unfälle mit Golfbällen nicht gesondert aufgeführt, sie sind eher die Ausnahme. Wird ein Fall bekannt, schlägt er umso höhere Wellen. So wurde weltweit über die Sechsjährige berichtet, die im Juli dieses Jahres in Utah/USA vom Golfball ihres Vaters am Hinterkopf getroffen wurde und kurze Zeit später im Krankenhaus verstarb. Das Mädchen saß in einem Golfcart, als der Ball anflog. Laut einer Studie der US-Fachzeitschrift "Golf Digest" werden jedes Jahr 40 000 Golfer wegen verirrten Golfbällen oder umherfliegenden Schlägerköpfen in der Notaufnahme behandelt; Spaziergänger werden hier nicht erwähnt. Laut "Golf Digest" kann der Aufprall eines Golfballs zehn Prozent der Kraft eines frontalen Autounfalls entwickeln. Solche Kollisionen zwischen Ball und Kopf führten zu Gehirnerschütterungen, Hirnblutungen, Schädelfrakturen - oder sogar zum Tode.

jw

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