+
Wer zieht als Erster Stadtrat ins Bad Nauheimer Rathaus ein? Das entscheidet das Stadtparlament am morgigen Donnerstag.

Krank vs. Schnabel

Bad Nauheims Parlament wählt den zweiten hauptamtlichen Magistratsvertreter

  • schließen

Es wird spannend, wenn das Bad Nauheimer Parlament am morgigen Donnerstag den neuen Ersten Stadtrat wählt. Mit Henrik Schnabel (CDU) aus Rosbach und Peter Krank (parteilos) aus Bad Nauheim werden zwei Bewerber heiß gehandelt. Wie der FNP bekannt ist, will der Wahlvorbereitungsausschuss Krank empfehlen. Gleichzeitig hat die CDU angekündigt, sich geschlossen hinter Schnabel zu stellen.

Entspannt kommt Henrik Schnabel aus dem Bad Nauheimer Rathaus. Der 47-jährige Jurist und Vorsitzende der Rosbacher CDU hat gerade sein Vorstellungsgespräch im Vorbereitungsausschuss für die Wahl des Ersten Stadtrates gehabt, der im Oktober die Nachfolge von Brigitta Nell-Düvel (Grüne) antritt. „Ich bin in Bad Nauheim zur Schule gegangen, es ist eine der schönsten Städte der Wetterau mit viel Potenzial“, erklärt Schnabel.

Anstoß, sich zu bewerben, sei eine Anfrage der Bad Nauheimer CDU gewesen. Für den Posten prädestiniere ihn, in einer Verwaltung tätig zu sein, der „Ekom21“, dem kommunalen Rechenzentrum in Hessen, wo er Personalleiter ist. Das sei ein demokratischer Job. Er beherrsche es, die Kommunikation mit verschiedenen Interessenvertretern zu führen und eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird – und könne dies auch kommunizieren.

Nicht sprechen konnte Schnabel mit der Bad Nauheimer FW/UWG, die ihn trotz ihrer Koalition mit der CDU nicht mittragen wollte, woran das Bündnis kürzlich zerbrach (die FNP berichtete). „Ich hatte versucht, auf die UWG zuzugehen, da kam: ’Nö, wollen wir nicht’“, schildert er. Das sei erstaunlich, wenn man andererseits einen offenen Umgang wünsche, aber „das ist Politik“, ärgert sich Schnabel nicht. Seiner Ansicht nach würde er den künftigen Rathauschef Kreß als Erster Stadtrat gut ergänzen, da er politische Erfahrung als langjähriger Stadtverordneter und Ortsvereinsvorsitzender der CDU hat.

Das sieht auch CDU-Fraktionschef Manfred Jordis so: Schnabel werde ein gutes Bindeglied zwischen Magistrat und Stadtparlament sein, da er sich in die Situation der Stadtverordneten einfühlen könne. Deren Lage ist zurzeit vor allem von Verhandlungen geprägt, denn nach dem Koalitionsbruch müssen sich neue Bündnisse bilden. Bislang hat es nicht geklappt.

So schildert Axel Bertrand, Fraktionsvorsitzender der SPD, gegenüber der FNP, sich am Donnerstag nicht zur Wahl zu stellen. Das war teilweise anders erwartet worden. Bertrand ist Diplom-Ökonom und war bei der Bürgermeisterwahl Kandidat der Sozialdemokraten.

Er räumt ein, sich für den Job des Ersten Stadtrates interessiert zu haben: „Uns wäre im Vorfeld einer Wahl wichtig gewesen, ein Bündnis einzugehen, aber wir haben in der Kürze der Zeit keine Koalition oder Kooperation hinbekommen“, sagt er. Deshalb wäre eine Niederlage zu wahrscheinlich, träte er an. Ob die SPD nun Schnabel oder Krank unterstützt, will Bertrand nicht sagen, „wir äußern uns nicht“, sagt er.

Sich nicht zu äußern – so hält es auch der Bad Nauheimer Kandidat Krank. „Vor der Wahl möchte ich in der Öffentlichkeit keine Stellungnahme abgeben“, erklärt der verheiratete Familienvater. Denn Wähler seien die Stadtverordneten, und die kennen seine Bewerbung.

Seit 32 Jahren arbeitet Krank im Bad Nauheimer Rathaus, er ist studierter Diplom-Sozialarbeiter, absolvierte vorher eine technische Ausbildung und habe vielfältige Aufgaben in der Verwaltung. Der Leiter des Wahlvorbereitungsausschusses Markus Philippi (FW/UWG) hält sich zwar bedeckt, doch wie durchgesickert ist, will das Gremium Krank als einzigen Kandidaten aus einem Kreis von zunächst vier Bewerbern vorschlagen.

Unterstützt wird jener von der FW/UWG, wie Fraktionsvorsitzender Max Philipp erläutert. „Alleine sind wir nicht genug“, bewertet Philipp die Chancen, „aber wir gehen davon aus, dass auch andere Fraktionen ihn wählen. Es ist eine gute Konstellation, zwei erfahrene Hauptamtliche aus der Verwaltung zu haben.“ Komme es so, sei das vermutlich einmalig in Hessen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare