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Vom Fachbereichsleiter zum Stadtrat: Peter Krank wird zweiter Mann in Bad Nauheim.

Parteiloser Peter Krank wird Erster Stadtrat

Peter Krank gewinnt das Rennen

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Der künftige Erste Stadtrat von Bad Nauheim heißt Peter Krank (56). Der bisherige städtische Fachbereichsleiter für Soziales, Gesundheit, Kultur und Sport setzte sich gegen Mitbewerber Henrik Schnabel aus Rosbach im zweiten Wahlgang durch.

Gespannt sitzen die Kandidaten für den Posten des Ersten Stadtrats in Bad Nauheim Peter Krank (parteilos) und Henrik Schnabel (CDU) zwischen zahlreichen Zuschauern. Jetzt! „Eine Nein-Stimme sowie 17 Stimmen für Henrik Schnabel und 25 für Peter Krank“, gibt Stadtverordnetenvorsteher Gerhard Hahn (FW/UWG) das Ergebnis des zweiten Wahlgangs bekannt. Die Menschen klatschen, drehen sich zum strahlenden Krank.

Zu Beginn der Sitzung erklärt Markus Philippi (FW/UWG), dass sich der Wahlvorbereitungsausschuss mehrheitlich für Krank ausspreche. Gründe seien etwa seine hervorragenden Verwaltungskenntnisse, Führungskompetenz und die allseitige hohe Akzeptanz.

Sebastian Schmitt (CDU) schlägt daraufhin seinen Parteikollegen Henrik Schnabel aus Rosbach vor. Der habe Kenntnisse in der Verwaltung, führe 460 Mitarbeiter, verfüge über juristische Fachkompetenz und wisse aufgrund eigener kommunalpolitischer Erfahrung die Arbeit eines Parlamentes zu schätzen.

Markus Theis (FW/UWG) hebt die Tragweite der Wahl hervor, spricht sich aber für Krank aus. Jener sei treu und loyal, „ein leiser Mensch, der nicht mit ausgefeilter Rhetorik punktet, sondern mit seiner Arbeit“ – Klaus Kreß als Bürgermeister und Krank als Erster Stadtrat – das werde funktionieren, da beide in der Verwaltung schon lange ein erfolgreiches Team seien.

Anders die FDP: Der Posten des Ersten Stadtrates koste viel Geld und sei nicht nötig. „Wir lehnen die Position ab“, unterstreicht Peter Heidt. Der Liberale kritisiert scharf die FW/UWG, die ein Gesprächsangebot von Schnabel abgewiesen hatte. „Aber gleichzeitig sagen Sie, es sei eine wichtige Wahl.“ Beide Bewerber seien vorstellbar, doch die FDP werde keinen wählen.

Wie Axel Bertrand (SPD) schildert, hätten die Sozialdemokraten ein Bündnis schmieden wollen, „in der Kürze der Zeit ist es uns aber nicht gelungen“. Das sei bedauerlich, denn wechselnde Mehrheiten bedeuteten Zeitverzug. „Wir werden uns für keinen Kandidaten entscheiden“, jedes Fraktionsmitglied wähle nach eigenem Gewissen. Während die Grünen ankündigen, Krank zu unterstützen, warnt Christian Trutwig (CDU) vor „mangelnder Kontrolle“ über den Magistrat, wenn zwei Verwaltungsmitarbeiter an die Spitze träten.

Im ersten Wahlgang reicht es noch nicht: Bei acht Nein-Stimmen, 15 Stimmen für Schnabel und 20 für Krank hat keiner die erforderliche Mehrheit. Im zweiten Wahlgang sieht es anders aus.

„Das ist Demokratie“, sagt Schnabel. Er habe Krank kennengelernt und denke, er werde es schaffen, seinen Job gut zu machen. Wie Krank erklärt, sei Vertrauen eines der wichtigsten Ziele. „Wir wollen versuchen, mit den Fraktionen zu reden, Sachverhalte offen und vollständig auf den Tisch zu legen.“

Im Vorfeld war es hinter vorgehaltener Hand zu Gerüchten gekommen: Die FW/UWG habe bei ihrer Überlegung, wen sie unterstützen will, angeblich „Posten-Geschacher“ im Sinn gehabt. Dem Gemunkel zufolge hätten zwei FW/UWG-Akteure Interesse an der Stelle des Fachbereichsleiters für Zentrale Steuerung, die noch Kreß innehat, sowie dem Posten des Geschäftsführers der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (Wobau).

FW/UWG-Fraktionschef Markus Philipp und FW/UWG-Stadtrat Christian Weiße sind empört. „Blödsinn. Das wäre ein bisschen arg viel Filz“, betont Weiße. „Absolute Lüge. Manche Leute meinen, alles Mögliche zu reden“, unterstreicht Philipp. Sozialdemokrat Bertrand, der mit der FW/UWG wegen eines möglichen politischen Bündnisses verhandelt hatte, winkt ab: „Das stimmt nicht. Es ging nur um politische Themen.“

Auch der künftige Bürgermeister Kreß weist die Gerüchte zurück: Die Fachbereichsleiter-Stelle sei öffentlich ausgeschrieben worden und werde definitiv nicht politisch besetzt. Es seien keine Gespräche in diese Richtung geführt worden. Und bei der Wobau sitze Geschäftsführer Reimund Bell fest im Sattel. Kreß stellt klar: „Das Votum für Peter Krank zeigt, dass es nicht auf Parteizugehörigkeit ankommt.“

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