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Geplant ist, in einem zweiten Schritt des Bauprojekts, das Badehaus 2 für Wellnesszwecke zu erschließen. Für das Theater, das dort seit 18 Jahren angesiedelt ist, muss laut mehrheitlichem Beschluss des Stadtparlaments eine adäquate Lösung gefunden werden.

Bad Nauheimer Therme und Theater

Alt und Neu sollen sich verbinden

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Die Stühle in den Besucherrängen füllen sich nach und nach, bis kein Platz mehr zu haben ist. Einige Zuhörer verfolgen die Sitzung im Stehen, die sich drei Stunden lang fast ausschließlich nur um das Bad Nauheimer Thermalbad dreht, das im Rahmen eines Zweistufenmodells zuerst sofort abgerissen, dann bis 2020 neu gebaut und anschließend an den Sprudelhof angeschlossen werden soll. Eine historische Entscheidung – und sie fällt gegen den Willen des Magistrats.

Die meisten Besucher stammen aus dem Umfeld des Theaters Alte Feuerwache (Taf), des Vereins Jugendkultur und Jugendarbeit (Juka) und des Jugendstilvereins.

Konzentriert lauscht Robert Garmeister, Vorsitzender des Fördervereins Taf, den Wortbeiträgen. Für die Ehrenamtlichen geht es um viel, denn die Spielstätte, die sie sich seit 18 Jahren mit der Stadt teilen, ist im Badehaus 2 im Sprudelhof angesiedelt. Dieses Badehaus soll zur Wellness-Oase werden.

Immer wieder mussten die Akteure des Taf in den letzten zehn bis 15 Jahren um ihr Theater bangen: Zuerst hieß es, die Therme solle unterirdisch im Sprudelhof gebaut werden, schließlich wurde eine Ankerlösung (Therme mit Anbindung an den Sprudelhof) propagiert und zu guter Letzt schlug ein Architekt vor, die gesamte Therme auf historische Badehäuser zu verteilen. Jedes einzelne Damoklesschwert für die Schauspieler konnte abgewendet werden, so auch die Idee von Ex-Bürgermeister Bernd Witzel (FW/UWG), das Taf mit den Hiesbach-Karnevalisten im Sportheim zusammenzulegen.

Doch nun wird es Ernst, wie sich bei mehrheitlichen Entscheidungen im Haupt- und Finanzausschuss sowie Bauausschuss letzte Woche gezeigt hatte (die FNP berichtete). Jede Fraktion des Parlaments hat an diesem Abend doppelte Redezeit, und – bis auf Ausnahmen – fallen die Wortbeiträge doppelt so emotional aus.

Teils überschlagen sich Stimmen, rudern die Arme in Richtung Publikum. Es kommt zu Wortgefechten zwischen einzelnen Christdemokraten und ihrem CDU-Bürgermeister Armin Häuser, der die Anbindung an den Sprudelhof nicht will, sowie der Ersten Stadträtin Brigitta Nell-Düvel (Grüne). Die aufgeladene Stimmung dürfte an dem besonderen Zeitpunkt liegen: „Heute findet ein über zehn Jahre währender Prozess seinen Abschluss. Es ist die wichtigste Entscheidung der letzten Jahre, gar Jahrzehnte unseres Parlaments“, erklärt FDP-Politiker Peter Heidt. Wie er übrigens meint, zum Schaden Bad Nauheims, denn es werde schwere vergaberechtliche Probleme geben. Das Ziel, den Thermenneubau mit 18 Millionen Euro zu realisieren, bezeichnet Heidt als „Treppenwitz“, während Fraktionskollege Benjamin Pizarro gar von einem „unwürdigen Eiertanz“ spricht. Martin Düvel (Grüne) beanstandet das „faktische Aus“ für das Taf, „der Mohr kann gehen“, sagte er bitter.

Markus Philipp (FW/UWG) wirbt indes für die Chancen des gemeinsamen Antrags von CDU und Freien Wählern, dessen Inhalt sich aus den Diskussionen der letzten Jahre, insbesondere nun der letzten Monate entwickelt habe. Der Magistrat habe aus betriebswirtschaftlichen Gründen einen Neubau ohne Anbindung an die historische Substanz propagiert, fährt Philipp fort, doch die Zahlen eines entsprechenden Gutachtens seien nicht schlüssig gewesen.

Wie Kollege Markus Theis in der Sitzung hervorhebt, werde das Badehaus 2 seiner ursprünglichen Nutzung wieder zugeführt. Und nach Ansicht von Axel Bertrand (SPD) ist „die Anbindung die beste Lösung, weil das Alleinstellungsmerkmal Jugendstil und Sole uns vor anderen schützt“. In Sachen Taf präsentieren die Sozialdemokraten einen Änderungsantrag, wonach für die Spielstätte eine alternative Lösung gefunden werden soll. Was mehrheitlich beschlossen wird, zur Erleichterung von Taf-Mann Garmeister: „Die Entscheidung, was die Therme angeht, wird die Stadt inhaltlich nicht weiterbringen“, meint er. Doch auf „den letzten Drücker“ zu realisieren, dass das Theater in die Pläne einzubeziehen sei, sei „nur gerecht und konsequent“.

Theater belebt Sprudelhof

 

Alte Feuerwache ist seit 1998 in den Räumen des historischen Badehauses 2 angesiedelt. Für Aktionen zur Instandhaltung und Renovierung der Spielstätte wurden nach Angaben des Vereins über 5000 ehrenamtliche Stunden durch die Akteure aufgebracht. Vertreter des TAF hätten 2004 auch die Koordinierungsgruppe Sprudelhof ins Leben gerufen, mit deren Konzept die Belebung der Jugendstilanlage einschließlich Gründung der Stiftung überhaupt ermöglicht worden sei. ihm

 

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