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2G und 2G plus: So läuft es mit den Corona-Kontrollen in Bad Nauheim und Friedberg

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Bei Schreibwaren Fix zeigt eine Kundin ihr Impfdokument vor, Mitarbeiterin Elke Schurtakow (l.) überprüft es.
Bei Schreibwaren Fix zeigt eine Kundin ihr Impfdokument vor, Mitarbeiterin Elke Schurtakow (l.) überprüft es. © Petra Ihm-Fahle

In der Pandemie muss man ständig Impf- und Personalausweis zücken, wenn man einkaufen oder essen geht. Wie funktioniert das eigentlich? Wird überall kontrolliert? Ein Test.

Bad Nauheim/Friedberg - Überprüfen Lokale und Geschäfte tatsächlich die Impfausweise? Den Auftrag, darüber zu schreiben, nehme ich gerne an. Da ich geboostert bin, ist es einfach für mich, besonders jetzt, da die 2G-plus-Regel für Lokale im Innenbereich gilt: Gäste müssen entweder die Booster-Impfung haben oder alternativ geimpft/genesen und zusätzlich negativ getestet sein.

In den vergangenen Wochen machte ich stets die Erfahrung, in Läden, Cafés und Restaurants nach meinen Dokumenten gefragt worden zu sein. Am Ende gab es aber auch ein anderes Erlebnis, als ich speziell für diesen Auftrag ein weiteres Mal ins Restaurant ging. Vorab: In Geschäften, die den täglichen Bedarf abdecken, besteht keine Ausweispflicht. Buchhandlungen gehören beispielsweise auch dazu.

Fangen wir bei den Elektronikfachmärkten Medimax in Bad Nauheim und Expert Klein in Friedberg an, wo ich mich vor Weihnachten nach einem Geschenk umgeschaut habe. Gleich am Eingang waren dort Impfnachweis und Ausweis zu zeigen.

Nachweispflicht in Bad Nauheim und Friedberg: Armband-Einsatz funktioniert

Weiter ging es zum Kaufhaus Weyrauch in Bad Nauheim zwecks Kaufs einer Mütze. Die Kunden mussten sich in eine Schlange einreihen, bevor sie einkauften. Vor der Rolltreppe stand ein Mitarbeiter, der sich die Nachweise zeigen ließ. »Möchten Sie ein blaues Bändchen?«, fragte er anschließend. Ich wollte das Armbändchen - eine Aktion in Bad Nauheim in der Weihnachtszeit - mal ausprobieren. Zum Einsatz kam es, als ich die Parfümerie »Strese 4« zwecks Erwerbs einer Bodylotion ansteuerte. Eine Mitarbeiterin fragte gleich am Eingang nach meinem Impfdokument, woraufhin ich mein Bändchen zeigte und hineindurfte.

Anfang dieses Jahres brauchte ich Tesafilm und ging zu »Schreibwaren Fix« in Bad Nauheim. Eine Mitarbeiterin fragte die Kunden nach ihren Impf- und Personalausweisen. Sie tat mir leid, als sie mit einer Frau deshalb diskutieren musste, aber ansonsten klappte es problemlos, zumindest während ich dort war.

Ich brauchte einen neuen Herd, weshalb ich zu Nowak & Peichl in Bad Nauheim ging. Direkt am Eingang war eine Absperrung, die ich erst passieren durfte, nachdem ich Impf- und Personalausweis gezeigt hatte. Auch Foto Stöber (Bad Nauheim) ließ sich alles zeigen, als ich dort etwas für meine Fotoausrüstung brauchte. »Bitte auch den Personalausweis«, hieß es, als ich bequem nur den Impfpass rauskramte.

Um nicht ständig mit weißen Masken herumzulaufen, sondern auch mal mit einer farbigen, ging ich neulich zum Pamukkale Store (Bad Nauheim). Auch dort studierte man aufmerksam Impf- und Personalausweis, ehe ich einkaufen durfte. Der Weg durch die Geschäfte hat also gezeigt, dass es an allen Stationen funktioniert hat.

Nachweispflicht in Bad Nauheim und Friedberg: Impfzertifikat extra noch geholt

Wie läuft es in den Cafés und Restaurants? Mit einer Ausnahme, die sich am Ende zutrug, machte ich nur gute Erfahrungen. Vor Weihnachten war ich in der »Osteria l’angolo d’oro«. Der Kellner entschuldigte sich höflich - er müsse aber die Dokumente kontrollieren. Im neuen Café »Doa« fragte eine Mitarbeiterin gleich nach Impf- und Personalausweis. Mein Begleiter hatte sein Handy vergessen, auf dem sein Impfzertifikat gespeichert ist. Erst nachdem er es geholt hatte, durften wir bestellen. In der Pizzeria »La Cresta« wurde ebenfalls kontrolliert, so wie auch im Café Müller (alle Bad Nauheim), wo am Eingang schon eine Tafel mit den Regeln stand. Die waren wegen der hohen Inzidenzen gerade verschärft worden, es galt »2G plus« im Innenbereich. Ich zeigte die Ausweise gleich vorne vor, woraufhin ich an einen Tisch durfte.

Zum Schluss hatte ich ein anderes Erlebnis. Ich besuchte ein Restaurant, in dem der Gastronom mich und meinen Begleiter ohne Kontrolle bewirtete. Am Ende hakte ich nach, wieso er nicht kontrolliert habe. Er antwortete, wir seien Freunde, er kenne uns. Alle anderen Gäste habe er nach dem Impfpass gefragt, was jene bestätigten. Wie er auf Nachfrage schilderte, macht er nur noch 30 Prozent Umsatz, seit die verschärfte 2G-plus-Regel besteht. Hoffen wir, dass die Lokale es bald wieder leichter haben. (ihm)

Drei Fragen an die Vorsitzende des Vereins »Erlebnis Bad Nauheim« Natascha Schmidt

Geschäfte müssen nach Impf- und Personalausweis fragen. Was halten Sie davon?

Die derzeitigen Zugangsbeschränkungen für die Verkaufsstellen des Einzelhandels müssen dringend korrigiert und abgeschafft werden. Wir fordern für den stationären Handel eine Gleichstellung mit dem Lebensmittelhandel. Dort hat sich seit Beginn der Pandemie gezeigt, dass die Hygienekonzepte funktionieren und der Einkauf mit Maske und Abstand sicher ist.

Kommen dadurch weniger Kunden?

Zeitgleich mit der Umsetzung der 2G-Regelung können wir einen deutlichen Frequenzrückgang in der Innenstadt beobachten. Die Einführung bedeutet für uns, dass eine durch die Pandemie gezeichnete Branche noch zusätzlich belastet wird. Das Kaufverhalten der Kunden ist zurückhaltend und gebremst. Ungeimpfte werden vom Einkaufen ausgeschlossen und andere Kunden sind verunsichert und verängstigt.

Wie hoch ist der Zusatzaufwand für Händler?

Da müssen verschiedene Punkte berücksichtigt werden, einmal die Kontrolle selbst und dann noch die Organisation, die dahintersteht. Entscheidend ist, dass die Corona-Zutrittskontrollen finanziell vom Handel getragen werden und auch die Organisation zulasten des Handels geht. Interessant ist, dass es zwei unterschiedliche Kundentypen gibt: Die einen haben beim Betreten schon alle notwendigen Dokumente in der Hand und die anderen fangen nach Aufforderung an, die Nachweise aus der Tasche zu suchen. Die Mehrheit unserer Kunden ist entgegenkommend und verständnisvoll.

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