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Wasser und Gas sparen: Usa-Wellenbad Bad Nauheim/Friedberg mit besonderer Aktion

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Von: Christoph Agel

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agl_wasser1_220422_4c © Nicole Merz

Für Schwimmbad-Betreiber nimmt der Anstieg der Energiekosten enorme Dimensionen an. Im Usa-Wellenbad Bad Nauheim/Friedberg steuert man doppelt dagegen.

Laut Energiekonzern e.on verbraucht ein Haushalt mit 80 Quadratmetern Wohnfläche in Deutschland pro Jahr durchschnittlich 12 800 Kilowattstunden fürs Heizen und für Warmwasser insgesamt. Für das Freibad des Usa-Wellenbades Bad Nauheim/Friedberg werden laut Betriebsleiter Sascha Rieck pro Saison im Schnitt rund 700 000 Kilowattstunden Gas benötigt, für eine Hallenbadsaison, die allerdings länger dauert, sind es etwa 3,5 Millionen Kilowattstunden. Die Gasrechnung dürfte weder bei der Privatperson in der 80-Quadratmeter-Wohnung, noch beim Schwimmbad-Betriebsleiter für gute Laune sorgen.

Etwa 250 000 Euro pro Jahr für Gas

Erst recht in Zeiten, in denen die Preise nach oben schnellen. Ende 2021 habe sich der Zweckverband allerdings einen Gaspreis gesichert, der bis Ende 2023 gelte, sagt Rieck. Damit hauen aktuelle Steigerungen nicht aufs Budget des Usa-Wellenbades. Bisher fallen pro Jahr etwa 250 000 Euro für Gas an. Viel Geld, und mit einer Preissenkung ist wohl eher nicht zu rechnen. Also wendet man im Usa-Wellenbad eine Methode an, die bereits im vergangenen Jahr zum Einsatz kam, nur dass es damals eher hinter den Kulissen geschah, weil das Hallenbad wegen des nahtlosen Übergangs zwischen Lockdown-Ende und Freibad-Saisonstart vor dem Sommer gar nicht geöffnet war.

Besagte Methode ist in zweierlei Hinsicht clever, doch zunächst zum Hintergrund: Wenn der Schwimmbad-Betreiber eines seiner großen Becken mit Frischwasser füllen will, dann muss er dies erstens anmelden und zweitens in Etappen vornehmen, da ansonsten bei den Bad Nauheimer Privathaushalten kein Wasser mehr aus dem Hahn kommen würde, weil alles vom Schwimmbad abgezapft wird.

Es geht um rund 2,5 Millionen Liter Wasser

Die Methode im Usa-Wellenbad sieht nun so aus, dass man das Wasser aus dem Wellenbecken im Hallenbad einfach ins große Freibad-Becken rüberpumpt. »Das sind natürlich schon enorme Einsparungen, die da gemacht werden können, sowohl im energetischen Bereich als auch beim Frischwasserverbrauch«, sagt Rieck. Die rund 2,5 Millionen Liter Wasser aus dem Wellenbecken landen also nicht in der Kanalisation, sondern erfreuen draußen die Kinder und Erwachsenen. Noch dazu muss nicht frisches Wasser aufwendig aufgeheizt werden, denn das Hallenbad-Wasser ist ja nicht kalt. »Es ist Wasser, das zwischen 28 und 29 Grad hat«, sagt der Betriebsleiter.

Wenn das Hallenbad »leer gepumpt« wird, kann es natürlich auch erst mal nicht genutzt werden. Also kann man es sich sparen, den Innenraum zu beheizen - nächster Pluspunkt fürs Budget.

Welche Alternativen gäbe es?

Viele Bäder würden überlegen, ob sie die Wassertemperaturen senken sollen, sagt Rieck. »Da finde ich unsere Variante im ersten Schritt die bessere.« Aber welche Schritte gäbe es noch? Könnte man im Usa-Wellenbad das Heizen mit Gas ersetzen? Zumindest teilweise? Hinsichtlich einer Fotovoltaikanlage oder einer thermischen Solaranlage könnte man sich Gedanken machen, allerdings müsste da auch die Statik des Gebäudes mitspielen. Vor rund zehn Jahren sei so etwas schon mal geprüft worden, mit dem Ergebnis, dass das Dach eine solche Anlage nicht tragen könnte. Vielleicht aber, gibt der Betriebsleiter zu bedenken, sind die Anlagen seitdem so weiterentwickelt worden, dass ein solches Vorhaben eventuell doch zu realisieren wäre. »Allerdings ist hier die Amortisierungszeit zu beachten«, sagt Rieck.

Ob eine Luft-Wärme-Pumpe fürs Freibad infrage kommen würde, weiß er nicht. Was er aber weiß, ist, dass mit dem Umpumpen des Wassers vom Hallenbad ins Freibad schon eine Menge getan wird, um Wasser, Gas und Geld zu sparen.

Blick auf die Freibad-Saison 2022

Nach aktuellem Planungsstand soll das Freibad des Usa-Wellenbades Ende Mai 2022, in der Kalenderwoche 21 oder 22, geöffnet werden, frühestens also am 23. Mai. Weil das Wasser nicht von jetzt auf gleich vom Hallenbad ins Freibad gepumpt wird, soll es laut Betriebsleiter Sascha Rieck eine Übergangszeit geben, in der das Hallenbad bereits geschlossen ist und im Freibad das Nichtschwimmer- und das Babyplanschbecken, die Liegewiese, Spielmöglichkeiten, Duschen und Umkleiden genutzt werden können. Das große Sportbecken komme dann mit Verzögerung hinzu. Sollten die Corona-Regeln auf dem aktuellen gelockerten Stand bleiben, dann wird es im Freibad keine Zeitfenster mehr geben, nach denen im Zuge der Pandemie die Besuchszeiten gestaffelt worden sind. In der aktuell noch laufenden Hallenbad-Saison gelten die Zeitfenster aber weiterhin. Auf die Frage, ob die Eintrittspreise angehoben werden, antwortet Rieck vage: »Zur Freibadsaison wird es ein neues Preisgefüge geben.« Weiterhin werde es einen Online-Ticket-Verkauf geben, bei dem man gegenüber dem dann wieder möglichen Kartenkauf vor Ort Geld sparen könne, sagt Rieck. Außerdem erspare man sich beim Kauf eines Online-Tickets das Warten in einer potenziellen Schlange am Eingang. Auch für diesen zweigleisigen Ticket-Verkauf gilt: Dies wird in der Form nur der Fall sein, wenn die Corona-Regeln nicht wieder verschärft werden.

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